Ubuntu-Update: Mehr Ausdauer und ein neuer Look für Linux

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Das PC-Betriebssystem Ubuntu soll attraktiver werden. Die neue Version 12.04 lockt mit verbesserter Benutzerführung, einem längeren Lebenszyklus und Anpassungen an die aktuellen Intel-Chips. Wir haben ausprobiert, was die neue Software kann.

Update: Der Schritt zu Ubuntu 12.04 Fotos

Anders als in der Welt der kommerziellen Betriebssysteme verändern sich Open-Source-Systeme mit gehöriger Geschwindigkeit. Die Linux-Distribution Ubuntu etwa gibt es zweimal im Jahr runderneuert. Immer im April und im Oktober werden die neuen Versionen veröffentlicht. Das erklärt die seltsamen Zahlensprünge: Ubuntu-Versionen werden immer nach ihrem Veröffentlichungsjahr und dem Updatemonat bezeichnet. Darum folgt nun auf die Version 11.10 (also "2011, Oktober") die Version 12.04 ("2012, April").

Was man noch über Programmversionen wissen sollte? Dass nicht jede davon die gleiche "Haltbarkeit" hat. "Irgendwann", sagt Philipp Beitz aus dem Team des deutschen Ubuntu-Forums Ubuntuusers.de, "kommt man um ein Update nicht mehr herum."

Denn anders als ein Großkonzern kann die in Teilen ehrenamtlich werkelnde Community nicht jede Programmversion endlos mit Sicherheitsupdates und Aktualisierungen versorgen. Die derzeit meistverbreiteten Desktop-Versionen werden noch bis 2013 unterstützt, dann ist Schluss. Für Normalnutzer kein Problem, für Unternehmen hingegen schon, deshalb gilt die Version 12.04 nun als besonders wichtig. Sie ist eine "LTS-Version", was für "Long Term Support" steht: Fünf Jahre lang wird sie stabil und sicher gehalten werden.

Und zwar auch die Desktop-Version, die bisher immer nur drei Jahre unterstützt wurde. Wichtig ist das vor allem für mittelständische Unternehmen, denen die Lust auf allzu häufige Updates in aller Regel abgeht. Mit einem System, auf das man Mitarbeiter geschult hat, sollen die möglichst lang arbeiten können, ohne Um- oder Dazulernen zu müssen. Die Bedürfnisse von Normal-Usern sehen da nicht viel anders aus, was Canonical offenbar erkannt hat.

Wichtig ist die Version 12.04 aber auch aus anderem Grund. Die seit dem letzten Jahr eingeführte Ubuntu-Arbeitsoberfläche Unity wurde noch einmal verbessert. So wie sie sich jetzt darstellt, soll sie stabil, schnell und sicher die nächsten Jahre ihren Dienst verrichten.

Unity: Die grafische Benutzerführung wurde verbessert

Entwickler Canonical hat ein wenig an der inneren Logik der Benutzerführung geschraubt. Vor allem beim Programmzugriff über den "Dash" genannten Knopf am oberen linken Bildschirmrand (vergleichbar mit dem "Start"-Button bei Windows) fällt das sofort auf. Wurde da bis Version 11.10 zum Einstieg ganz konventionell eine Übersicht über die installieren Programme geboten, findet man dort nun jeweils die zuletzt benutzten Dinge - Dateien wie Programme. Nach wie vor gibt es auch die herkömmliche Programmübericht, die aber nun zwei Klicks weiter verborgen liegt - das ist gewöhnungsbedürftig.

Aber eigentlich kann man das ganze System ja auch anders navigieren. Da ist zum einen weiter die konventionelle Navigationsleiste. In der fanden sich auch vorher schon wichtigsten Programme. Man kann eigene ergänzen, indem man sie einfach "hineinzieht": Wer sich so organisiert, braucht die Programmübersicht im Dash nur noch sehr selten. Die Navigationsleiste verschwindet nun nicht mehr automatisch, wenn man sie nicht gerade nutzt, sondern steht statisch am linken Bildschirmrand. Wer es anders mag, kann das über die Darstellungs-Einstellungen (unter Systemeinstellungen) ändern.

Anders ist an der Navigationsleiste nun auch, dass alle Icons von Programmen, die gerade nicht genutzt werden, verblassen, wenn man ein Programm aufruft: Nur das jeweils aktive bleibt farbig, die anderen werden transparent. Keine wichtige Neuerung, aber eine elegante.

Wichtiger ist das sogenannte HUD-Menü (Head-up-Display), das neu eingeführt wird. Mit Drücken der Alt-Taste öffnet sich ein stets kontextbezogenes Suchfenster, mit dem sich auf Funktionen des aktiven Programms zugreifen lässt. Statt sich durch umfängliche Menüs zu klicken, landet man mit einer simplen Suche, wo man hinwill. Zumindest in der Theorie: man muss schon wissen, wie die Funktionen genau bezeichnet sind, sonst findet HUD herzlich wenig. Zudem wird die Funktion noch nicht von allen Programmen unterstützt. Trotzdem: Der Ansatz ist nett, da kann was draus werden.

Viele Verbesserungen für Mobil-Nutzer

Beim Upgrade von 10.04 oder 11.10, den beiden Programmversionen, denen das Update nun bei jeder Softwareaktualisierung angeboten wird, fallen einige ältere vorinstallierte Programme aus der automatisierten Verwaltung. Ersetzt wurde auch der Media-Player mit seinen vielfältigen Funktionen: Statt Banshee kommt nun wieder Rhythmbox zum Einsatz, das unter anderem eine komfortablere Internetradio-Funktion bietet. Ansonsten ändert sich auf der sichtbaren Ebene wenig. Vom Nutzer installierte Programme gehen beim Update nicht verloren.

Unter der Haube hat sich dagegen einiges getan. Der ebenfalls auf Longtime-Support ausgelegte Linux-Kernel 3.2 unterstützt hier vor allem die allerneueste Intel-Chipgeneration Ivy Bridge besser als bisher. Die Performance soll sich verbessert haben, und auch die Unterstützung von Grafiktreibern. Unter dem Strich spart das nicht zuletzt Strom, was vor allem für Laptop-Besitzer interessant sein dürfte - inzwischen also der Mehrheit der privaten Nutzer.

Man muss nicht, aber man kann

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ubuntu sich optisch leicht verändert hat, "inhaltlich" dagegen kaum: Die relevantesten Optimierungen fanden unter der Oberfläche statt. Man muss nicht neu lernen, sich nur an neue Aspekte gewöhnen.

Kann und sollte man den Umstieg nun bedingungslos empfehlen? "Es ist immer gut", sagt dazu Philipp Beitz, "wenn man so ein System vorher mit einer Live-CD oder einer USB-Stick-Version ausprobiert und schaut, ob man damit zurecht kommt."

So ist das: Wie frühere Versionen auch wird Version 12.04 "Precise Pengolin" wieder in solchen Live-Versionen angeboten. An der Installation, die wir vor einigen Monaten beschrieben, hat sich nichts Wesentliches verändert.

Nutzer der Systeme 10.04 und 11.10, die mit ihren Systemen prinzipiell glücklich sind, stehen nicht unter Zugzwang. Ihnen wird das Upgrade jetzt bei jeder Softwareaktualisierung angeboten. Laptop-Besitzer können vorher nachsehen, ob ihr Rechner bereits auf Verträglichkeit mit der aktuellen Version getestet wurde. Ist dies nicht der Fall, kann man ein paar Wochen abwarten, wenn man sicher gehen will: Freigegeben und unterstützt werden nun nach und nach immer mehr Geräte. Desktop-Rechner, die nicht älter als fünf Jahre sind, haben mit dem Upgrade in der Regel keine Probleme.

Was das Upgrade allerdings braucht, ist Zeit: Je nach Download-Geschwindigkeit und Leistungsdaten des Rechners braucht man in der Regel zwischen einer und zweieinhalb Stunden für Download und Installation.

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