Übernahme von Handy-Hersteller HP schluckt Palm für 1,2 Milliarden Dollar

Der marode Smartphone-Hersteller Palm ist gerettet: Für rund 1,2 Milliarden Dollar übernimmt der Computerkonzern Hewlett-Packard das einstige Vorzeigeunternehmen. HP hat es auf das innovative Betriebssystem abgesehen - Palm-Boss Rubinstein soll vorerst im Amt bleiben.

Palm-Handy: Zukünftig unter Regie von Hewlett-Packard
AP

Palm-Handy: Zukünftig unter Regie von Hewlett-Packard


Palo Alto/Sunnyvale - Schon lange plagen den Smartphone-Produzenten Palm finanzielle Probleme, nun hat das Unternehmen einen Ausweg aus der Misere gefunden: Palm Chart zeigen lässt sich zum Wert von 1,2 Milliarden Dollar vom Computerkonzern Hewlett-Packard Chart zeigen (HP) kaufen. Beide Verwaltungsräte hätten dem Geschäft zugestimmt, teilten die Konzerne am Mittwoch nach Börsenschluss in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Pro Aktie sollen die Anleger 5,70 Dollar erhalten. Geschlossen hatte das Papier bei 4,63 Dollar. Allerdings war die Aktie in den vergangenen Wochen bereits kräftig gestiegen. Angesichts der prekären Lage hatten sich Spekulationen gehalten, dass der taiwanesische Rivale HTC oder der chinesische Computerhersteller Lenovo Chart zeigen zuschlagen könnten, um ihr eigenes Smartphone-Geschäft auszubauen.

Letztlich war es Hewlett-Packard, das den Zuschlag bekam. Der Computerhersteller hat es besonders auf das neue Handy-Betriebssystem webOS abgesehen. Auch der Name Palm hat - vor allem in den USA - immer noch einen guten Klang. "Palms innovatives Betriebssystem ist die ideale Plattform, um HPs mobile Strategie auszuweiten", sagte der HP-Verantwortliche Todd Bradley und kündigte eine ganze Reihe von Geräten an.

Dabei hat Palm erst vor kurzem zwei neue Smartphone-Modelle vorgestellt: das Pre Plus und das Pixi Plus, mit mehr Speicher, neuer Software und integrierter drahtloser Ladetechnik.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE hatte Palm-CEO Jon Rubinstein, der seinen Posten wohl behalten soll, zuletzt eine mögliche Übernahme angedeutet. "Palm ist ein börsennotiertes Unternehmen", so Rubinstein. "Wenn jemand dem Aufsichtsrat ein vernünftiges Angebot macht, muss der das in Erwägung ziehen."

Experten hatten angesichts der Übernahmegerüchte einen Kaufpreis von mehr als einer Milliarde Dollar erwartet. In Kreisen hatte es Mitte April geheißen, Palm habe Banken damit beauftragt, verschiedene Optionen zu prüfen, darunter auch einen eigenen Verkauf.

Schwache Verkaufszahlen - zu wenige Apps

Trotz der innovativen Hardware und des guten Betriebssystems plagen den einstigen Vorreiter im Bereich der PDAs große Absatzprobleme. Das Unternehmen liefert weit mehr Geräte aus als verkauft werden, die Telefone stapeln sich in den Lagern der Händler. Seit nunmehr elf Quartalen verbucht Palm Verluste und ist in der Aufholjagd gegen andere Smartphone-Hersteller weit abgeschlagen. Apple Chart zeigen verkaufte im dritten Quartal 2009 gut 8,7 Millionen iPhones, Palm verkaufte 400.000 Pre.

Dazu schreckt die Kunden offenbar das geringe Angebot an Zusatzprogrammen (Apps) für die Palm-Handys. Während Apple bereits mehr als 150.000 iPhone-Apps auflistet und Google 50.000 Programme für Androids vermelden kann, finden sich in Palms "App Catalog" gerade mal 2400.

Für das vierte Quartal 2010 erwartet der Smartphone-Hersteller nur noch einen Umsatz von 90 bis 100 Millionen Dollar. Mitte März war Palm noch von einem Umsatz von unterhalb 150 Millionen Dollar ausgegangen. Immerhin wirkte sich die Nachricht der Übernahme positiv auf den Aktienkurs des Unternehmens aus. Das Palm-Papier stieg nachbörslich um 28 Prozent, während HP-Aktien zwei Prozent nachließen.

jok/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.