Textübersetzungs-Apps für Japan Äh, was soll ich hier rauchen?

Schilder und Speisekarten verstehen, obwohl man im Ausland unterwegs ist: Übersetzer-Apps speziell für Texte sollen Reisenden dabei helfen. Aber klappt das? Wir haben drei Programme in Tokio ausprobiert.

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Ich rede Deutsch, mein Gegenüber spricht Japanisch - und wir verstehen uns dank moderner Technik trotzdem. Übersetzer-Gadgets und -Apps versprechen, die Kommunikation im Ausland enorm zu erleichtern. Was mehrere Geräte und Programme im Reisealltag taugen, habe ich in Tokio ausprobiert. Das Ergebnis können Sie seit Dienstag in der neuesten Folge des Netzwelt-Podcasts "Netzteil" nachhören. Zum Starten der Folge klicken Sie einfach auf den roten Button:

Tech-Podcast Netzteil #12: Lost in Translation: Mit Übersetzer-Gadgets durch Japan

In der "Netzteil"-Folge geht es vor allem ums Übersetzen von gesprochenem Wort, das Thema Texterkennung schneiden Teresa Sickert und ich nur kurz an. Dabei sollen einige der von mir in Japan getesteten Apps auch dann helfen, wenn man über die Botschaften auf Schildern oder über Warnhinweise rätselt.

Japanischen Text ins Deutsche übersetzen kann prinzipiell sowohl der kostenlose Übersetzer von Google (iOS/Android), als auch die Gratis-App von Microsoft (iOS/Android). Und mit Waygo (iOS/Android) hatte ich noch eine dritte App auf dem Smartphone, die zwar kein Deutsch beherrscht, dafür aber explizit damit wirbt, dass sie japanische Schilder und Speisekarten auf Englisch lesbar machen kann.

So klappt das Ganze in der Praxis

Doch wie gut sind Programme wie Waygo in der Praxis wirklich? Einen Eindruck von den Fähigkeiten der Apps gibt Ihnen unsere Fotostrecke. Per Klick oder Tipp aufs Foto kommen Sie zum jeweils nächsten Bild:

Allgemein würde ich sagen, dass die Schriftübersetzung von Google und Microsoft vor allem bei Infoschildern ausreichend gut funktioniert: Hinweise in schwarzer Schrift vor weißem Hintergrund machen beide Programme einigermaßen verständlich, Googles Übersetzungen ergeben dabei aber meist mehr Sinn und sind sprachlich schöner.

Die Waygo-App dagegen, die pro Tag nur zehn kostenlose Übersetzungen erlaubt (das dauerhafte Freischalten von Japanisch kostet sieben Euro), ließ mich häufig im Stich: Sie lieferte auf Englisch oft nur Kauderwelsch und ist daher höchstens als Ergänzung zu den anderen Programmen empfehlenswert. Am ehesten hatte ich tatsächlich noch bei Speisekarten den Eindruck, dass sie hin und wieder positiv hervorsticht.

Benutzungshinweis zur Waygo-App

Benutzungshinweis zur Waygo-App

Grundsätzlich waren Speisekarten für alle Apps die größte Herausforderung: Beim Essen bestellen war ich mit der Software oft genauso planlos wie ohne und deshalb sehr froh, dass in Japan viele Speisekarten mit Fotos versehen sind. Besonders handgeschriebene oder im Stil von Handschriften bedruckte Karten brachten die Apps an ihre Grenzen, dasselbe galt für Werbeplakate, bei denen Text vor Fotos platziert wurde. Auch die Lichtverhältnisse können das Ergebnis beeinträchtigen. Für das Lesen längerer Texte, etwa aus einem Buch oder in einer eng bedruckten Broschüre, eignet sich keine der drei Apps.

Eine Internetverbindung macht das Leben leichter

Schade ist auch, dass der Google-Übersetzer über die Kamera erfasste Schrift - anders als eingetippten Text - nur bei bestehender Internetverbindung ins Deutsche übersetzen kann. Waygo und der Microsoft-Übersetzer dagegen liefern auch ohne Netzverbindung Ergebnisse. Bei Microsofts Programm muss man aber daran denken, sich Deutsch und Japanisch vorher als "Offlinesprachen" herunterzuladen.

Eine Offline-Übersetzung von Bildinhalten ist bei Google aber immerhin bei Japanisch-Englisch möglich und das - sofern man vorab die passenden Sprachpakete heruntergeladen hat - sogar in Echtzeit. Man hält seine Handykamera dafür einfach in Richtung des Textes und bekommt dann sofort die Übersetzung auf dem Display angezeigt. Bei Japanisch-Deutsch dagegen muss man immer erst ein Foto aufnehmen, damit der Text analysiert und übersetzt wird.

Allgemein halte ich es auf jeden Fall für sinnvoll, sich für einen Japan-Urlaub mit einem Pocket-Wifi, einem Reise-Datenpaket oder einer japanischen Simkarte auszurüsten - so kann man bei Sprachhürden immer noch zahlreiche Online-Wörterbücher und -Sprachführer ansteuern. Zudem lässt sich so auch der Kartendienst Google Maps nutzen, der in Japan gegenüber Konkurrenz-Apps einen großen Nachteil hat: Man kann sich bei Maps für Japan keine Offline-Karten herunterladen.



insgesamt 7 Beiträge
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#9vegalta 23.07.2018
1. Google Translate
Mit der Google Translate App habe ich 2015 in Kyoto schon meine spärlichen Sprachkenntnisse aufbessern können. Feine Sache. Die App hilft auch bei der Übersetzung komplexerer Texte, allerdings braucht man da ein wenig Sprachgefühl und Hintergrundwissen über das Thema des Textes.
kumi-ori 23.07.2018
2.
Ist es nicht spannend, mal selbst die Herausforderung anzunehmen und einfach etwas auszuprobieren? Oder sich einfach mal daran zu orientieren, wie die Locals es machen. Ein entzugskranker Raucher in Japan wird sich ziemlich bald zusammenreimen, dass der Raucherraum im darunterliegenden 44. Stock ist.
murksdoc 23.07.2018
3. False Friends
Zitat "Klicken Sie den Rotten Button". Zitat Ende. Frage: Zuviel "Rotten Tomatoes" geschaut? Doits-go wakkarimaska?
hman2 23.07.2018
4. @SPON: Google Translate übersetzt gar nichts
Ein weit verbreitetes Missverständnis. Google Translate benutzt keine der bekannten und bewährten Übersetzungsmethoden wie Trigramme und Co. Nein, Google benutzt - Google. Mit Hilfe der hauseigenen Suchmaschine wird über Wahrscheinlichkeiten (!) die wahrscheinlich (!) beste "Übersetzung" gesucht. Das heißt dann natürlich: War das Ergebnis (zufällig) richtig, ist die Qualität natürlich besser. Aber wenn das Ergebnis falsch ist, kann es ganz grauenhaft werden. Als ich in Brasilien Infos zum Flughafen Viracopos (bei Sao Paolo) suchte, "übersetzte" Google Translate ALLE Textstellen mit "Viracopos" konstant mit "Guarulhos". Ganz einfach, weil der viel größere Flughafen Sao Paolo Guarulhos natürlich mehr Treffer in Googles Datenbanken erzeugt. Google Translate hat noch nicht einmal anhand der Großschreibung erkannt, dass Viracopos ein Eigenname ist, also gar nicht übersetzt werden darf...
rainer_daeschler 23.07.2018
5. Übersetzungsprobleme
Beim ersten Beispiel erkannt man, dass es ein Erkennungsproblem der Software ist, kein Übersetzungsproblem. Der japanische Satz wird im Original noch mal wiedergegeben und man erkennt, dass er unvollständig ist. Da kann nur Mist rauskommen. Der Versuch hätte wiederholt werden müssen, bis die Zeichen gleich aussehen. Syntaktisch ist die Vorlage für ein Übersetzungsprogramm keine Herausforderung. Ein eher unbedeutender Übersetzungsfehler ist das Zählen von Stockwerken. Wie im Englischen fängt man im Erdgeschoss mit "1" an.
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