Analog-Radio Liebe Leserin, lieber Leser,

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am Freitag schreckte eine unerwartete Meldung deutsche Radiohörer auf. Dem analogen UKW-Radio drohe in einigen Landesteilen die Abschaltung, hieß es. Zack, einfach so, ohne langwierige Ankündigung, wie seinerzeit bei der Abschaltung des analogen Antennenfernsehens. Das Problem: Die Sender sind längst nicht mehr überall selbst Betreiber der Sendeanlagen, über die ihre Programme ausgestrahlt werden. Das erledigte in den letzten Jahren die Freenet-Tochter Media Broadcast.

imago/ Steinach

Die allerdings will sich aus dem Geschäft zurückziehen, weil ihr von der Bundesnetzagentur eine Preisobergrenze vorgeschrieben worden ist. Sie hat die Sendeantennen an andere Firmen und Inverstoren verkauft. Die neuen Betreiber wollen gegenüber den Sendern nun höhere Preise durchsetzen. Die Rede ist von 25 bis 30 Prozent Aufschlag. Die Verhandlungen ziehen sich hin. In der Zwischenzeit sollte Media Broadcast den Sendebetrieb weiter sicherstellen.

Doch von den 40 betroffenen Sendern hätten bis zum Donnerstagmittag nur zehn den Auftrag für dieses Vorgehen erteilt, sagte Media Broadcast der "Welt" und drohte mit der Abschaltung der übrigen Sender ab Mittwoch.

Am Sonntag kam dann aber doch die vorläufige Entwarnung: Die von Media Broadcast angebotene Übergangsregelung sei von den Beteiligten akzeptiert worden, berichtete Radiowoche.de. In trockenen Tüchern ist der UKW-Betrieb damit freilich noch nicht, denn erst einmal ist der UKW-Sendebetrieb damit nur bis zum 30. Juni 2018 gesichert. Spätestens bis dahin müssen sich die Sendenetzbetreiber und die neuen Besitzer der Antennen geeinigt haben, sonst geht das Theater im Sommer wieder los.

Datenskandal: Zuckerberg probt für den US-Kongress

REUTERS

Während sich in Deutschland Tausende Gymnasiasten auf die Abiturprüfungen vorbereiten, trainiert Facebook-Chef Mark Zuckerberg für einen Auftritt vor dem US-Kongress. Zwei Tage lang, Dienstag und Mittwoch, wollen ihn verschiedene Komitees zum Missbrauch der Daten von Facebook-Nutzern durch Cambridge Analytica befragen.

Für diesen Auftritt habe der Konzern ein Team von Anwälten und Beratern angeheuert, die Zuckerberg vorbereiten sollen, berichtet die "New York Times". Nun werde geprobt, wie der Facebook-Chef auf die Fragen der Abgeordneten antworten, wie er auf Zwischenfragen und Einwürfe reagieren soll. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, erfahren wir am Dienstagabend. Um 20.15 Uhr deutscher Zeit beginnen die ersten Anhörungen.

Computerspielpreis: Mehr als eine halbe Million Euro Preisgeld

Ebenfalls für Dienstagabend ist eine andere, weit erfreulichere Veranstaltung geplant: die Verleihung des Deutschen Computerspielpreis in München. Die Auszeichnung wird seit 2009 vergeben, Ausrichter des Preises sind das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie der Branchenverband "game". Insgesamt geht es um mehr als eine halbe Million Euro an Preisgeldern, viel Geld selbst für eine Boom-Branche.

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Hits, Klassiker, Kurioses: Games, made in Germany

Laut einer "game"-Mitteilung wurde der Umsatz mit Computer- und Videospielen sowie Games-Hardware 2017 übrigens um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert, auf mehr als drei Milliarden Euro.



Seltsame Digitalwelt: Was macht der Laptop auf dem Rasen?
eine Anekdote von Matthias Kremp

Ihnen wird das nicht entgangen sein: Am Wochenende ist der Frühling ausgebrochen. Zeit, sich mal wieder um den Garten zu kümmern. Bei mir heißt das vor allem: Den Rasenmähroboter aus dem Winterquartier holen. Damit ist ein Großteil meiner jährlichen Gartenarbeit normalerweise schon erledigt. Den Rest schafft die Maschine allein, ich schaue nur manchmal in die App, ob alles rund läuft. Normalerweise.

Matthias Kremp

Diesen Sonntag aber meldete die App ein Update für den Mäher an. Für mich ein Novum, ich hatte das noch nie gemacht, dachte, das macht man flugs über die App, schließlich ist der Mäher ja drahtlos vernetzt. Denkste! Die Software lässt sich nur von einem Computer aus installieren, per USB-Kabel - und das passte natürlich nicht in mein MacBook. Also kam das alte Windows-Notebook mal wieder zum Einsatz.

Aber auch das Notebook wollte erst mal die neuesten Updates installieren, die es wohl vor Wochen im Hintergrund heruntergeladen hatte. Letztlich saß ich eine Stunde mit dem Rechner vor dem Mäher, installierte erst die neue Windows-Software, dann die nötigen Treiberprogramme für den Mäher und schließlich das Roboter-Update. Was dadurch besser geworden ist? Keine Ahnung. Beim Hersteller heißt es nur, die neue Software sei eine "Frischekur". Was sie bewirkt, wird nicht erklärt. Ist vielleicht aber auch nicht wichtig, seine erste Ausfahrt absolvierte der kleine Mäher ohne Probleme.

App der Woche: "Lichtspeer"
getestet von Tobias Kirchner

Noodlecake Studios

In "Lichtspeer" müssen Pinguin-Wikinger oder modisch gekleidete Eisriesen besiegt werden. Dafür schleudert der Spieler den namensgebenden Lichtspeer im richtigen Winkel auf die sich nähernden Gegnerhorden. Zusätzliche Fähigkeiten kommen im Verlauf der insgesamt 60 Level dazu.

Dank des simplen und kurzweiligen Prinzips hat "Lichtspeer" den Charme eines Arcade-Spiels aus den Achtzigerjahren. Mit der bunten Grafik, die vor allem aus Neonfarben besteht, erinnert es auch optisch an diese Epoche.

Für 2,29 Euro (iOS) oder für 3,89 Euro (Android), ohne In-App-Käufe

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "The Real Story of the Hawaiian Missile Crisis" (Englisch, 20 Leseminuten)
    Im Januar ging die Meldung von einer fälschlicherweise ausgelösten Warnung vor einem Raketenangriff auf Hawaii um die Welt. Das Magazin "GQ" hat nun aufgeschrieben, wie verschiedene Menschen die 38 Minuten verbracht haben, in denen manche von ihnen dachten, es könnten die letzten ihres Lebens sein.
  • "Life Inside China's Social Credit Laboratory" (Englisch, zehn Leseminuten)
    China plant die Einführung eines Social Credit Systems - und will seine Bürger so in allen Lebenslagen kontrollieren. "Foreign Policy" hat sich in der Stadt Rongcheng angesehen, was das bedeuten könnte.
  • "National Bird" (85 Videominuten)
    In Nachrichten und Filmen wird der Drohnenkrieg oft wie ein Videospiel dargestellt: Soldaten sitzen konzentriert an Bildschirmen, steuern mit Joystick und Tastatur Drohnen, die Tausende Kilometer entfernt Raketen abfeuern. Diese Dokumentation versucht zu zeigen, was das anonyme Töten mit den Menschen macht, die an solchen Militäraktionen beteiligt waren. In der ARD-Mediathek ist der Film noch für wenige Tage kostenlos zu sehen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in eine sonnige Woche.

Matthias Kremp

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insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sailor60 09.04.2018
1. UKW Abschaltung
steht ja auf der Wunschliste unserer Regierungen. Leider halten Radios gar unglaublich lange.... Da sind sogar noch Röhrenradios aktiv. Die Verbreitung von DAB+ lässt derweil zu wünschen übrig. Und was machen unsere wirklich genialen Politiker? Verscherbeln quasi alle Sendestationen an EINEN Anbieter, auf das wir auch ja erpressbar sind?.... An dieser Stelle fange ich an neugierig zu werden: Warum schaffe ich als Bund ohne Not Monopolisten? (Zuvor war Media Broadcast bei T-Systems)
croccofixio 09.04.2018
2. @sailor60
Hier geht es nur um die ostdeutschen Anlagen, die westdeutschen Sendeanlagen ist in der Hand der ö.r. Rundfunkanstalten.
thseeling 09.04.2018
3. UKW-Sendedienstleister
wenn es doch eine Preisobergrenze gibt, die vorher sicherlich lang und breit durch alle Gremien geschoben wurde: warum sind dann alle überrascht? Der neue Besitzer der Anlagen kann doch den Preis auch nur so weit anheben, wie es gesetzlich schon dem alten Besitzer vorgegeben war, oder? Ansonsten sehe ich es genauso wie Kommentar 1: es gibt Dinge, die man nicht privatisieren muss. Solche Infrastrukturgeschichten wie Netze für Radio, Wasser, Abwasser, Strom, Telefon- bzw. Internetkabel gehören dazu. Das sollte über eine Netzbetreibergesellschaft geschehen, die dann den Zugang diskriminierungsfrei zum Selbstkostenpreis vermarktet, wobei natürlich Instandhaltung, Ausbau etc. mit einkalkuliert werden muss.
alt-nassauer 09.04.2018
4. Ich kann mich daran erinnern...
Zitat von sailor60steht ja auf der Wunschliste unserer Regierungen. Leider halten Radios gar unglaublich lange.... Da sind sogar noch Röhrenradios aktiv. Die Verbreitung von DAB+ lässt derweil zu wünschen übrig. Und was machen unsere wirklich genialen Politiker? Verscherbeln quasi alle Sendestationen an EINEN Anbieter, auf das wir auch ja erpressbar sind?.... An dieser Stelle fange ich an neugierig zu werden: Warum schaffe ich als Bund ohne Not Monopolisten? (Zuvor war Media Broadcast bei T-Systems)
Ich kann mich daran erinnern das ein Herr Dr. Steul seiner Zeit Intendant des Deutschlandradios, DAB bzw. DAB+ forderte, um das Programm der des Deutschlandradio und Deutschlandfunk, nun auch DR Radio Wissen Deutschlandweit senden zu können. Hintergrund seiner Forderung schlicht und einfach - keine freie UKW Frequenzen mehr. Das Deutschlandradio konnte dem Ziel eines Nationalen Empfang nicht mehr erfüllen. Nur mit DAB+ ist in Zukunft ein "flächendeckender" Empfang (zur Zeit ca. um die 95 %) gesichert. Zu dem ist und sind es gerade die "Privaten" Sender die in den DAB+ Bereich tätig sind. So ein "kleiner" Lokalsender aus dem schönen Schwarzwald kann man sogar in der Bundeshauptstadt mit DAB+ Empfangen. Mir völlig neu das eine Regierung "Hüter" von Qualität ist. Dann sollte man so einiges was noch Minderwertiger ist, sofort und ab 0.00 Uhr heute Nacht aus den Läden verschwinden lassen. Da fällt mir mehr ein als DAB+!
vitalik 09.04.2018
5.
Der einzige Ort, wo ich Radio höre, ist mein Auto. Bei dem Auto ist es auch so, dass das Herstellerradio eine Sondergröße hat. Ein Austausch gegen ein DIN-Radio ginge zwar, würde aber extrem hässlich aussehen. Sollte das analoge Radio abgeschaltet werden, steige ich komplett auf MP3 um. Ich habe das Gefühl, dass fast alle aktuellen Fahrzeuge mit Spezialradio mit Spezialform ausgestattet sind, die man nicht austauschen kann. Auf der anderen Seite haben selbst Autos aus den Jahren 2015-2016 nicht unbedingt ein DAB-Radio verbaut. Das wird wohl auf 2 Szenarien hinauslaufen: 1. Radio ist dann tot, weil viele Autofahrer als Zuhörer entfallen 2. Analoges Radio wird noch weitere 10-20 Jahre bleiben, bis der Umstieg vollbracht ist.
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