Ultrabooks von HP und Dell: Das schicke Dicke und das schlanke Schicke

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Diese Ultrabooks sind extrem: Von Dell kommt das bisher kompakteste Gerät seiner Klasse, von HP das edelste, das wir bisher gesehen haben. Technisch sind beide fast identisch. Und doch zeigt unser Test gewaltige Unterschiede.

Premium-Ultrabooks: HP Spectre Envy 14 und Dell XPS 13 Fotos
Matthias Kremp

So unterschiedlich können Ultrabooks sein: Das neue Dell XPS 13 ist schlank, leicht, gut zu verstauen und zu tragen, eben ein Rechner für unterwegs. HPs ebenfalls neues Envy 14 Spectre sieht dagegen ganz anders aus: Mit viel Glas, Aluminium und einem Schwung Sensoren gibt es sich einen Edel-Look, ist dabei aber viel dicker und schwerer als das Dell.

Dass HP das Envy 14 als Ultrabook bezeichnen darf, obwohl es viel dicker als übliche Ultrabooks ist, liegt an seinem Display. Ultrabook-Erfinder Intel hat festgelegt, dass Ultrabooks mit Bildschirmen bis 13,3 Zoll Diagonale maximal 18 Millimeter dick sein dürfen. Werden größere Bildschirme eingesetzt, dürfen sie bis zu 21 Millimeter dick sein. Das Envy 14 ist mit seinen 20 Millimetern bei 14 Zoll Displaydiagonale also noch gut innerhalb der Intel-Spezifikationen.

Technisch sind Dell und HP ohnehin identisch aufgebaut, zumindest was die Kernkomponenten angeht. Beide haben einen 1,6 GHz schnellen Intel Core-i5-Prozessor, nutzen schnelle SSDs als Massenspeicher. Leistungsmäßig nehmen sich die beiden Ultrabooks daher nichts. In unseren Benchmark-Messungen erreichte das XPS 13 leicht höhere Werte, die aber auch durch Mess-Ungenauigkeiten erklärbar wären. Auch starten beide nahezu gleich schnell, brauchen rund 14 Sekunden für einen Kaltstart in den Windows-7-Desktop.

Erhebliche Unterschiede gibt's bei den Displays. Das Dell zeigt auf seinen 13,3 Zoll 1366 x 768 Pixel an, eine nicht ungewöhnliche Auflösung für diese Größe, die eine hinreichend hohe Pixeldichte erzeugt. Beim HP allerdings teilen sich 1600 x 900 Pixel, das sind fast 50 Prozent mehr, die nur um 0,7 Zoll erweiterte Bildschirmfläche. Das Resultat: Einzelne Bildpunkte sind kaum zu erkennen, man hat viel mehr Platz für Symbole, Menüs und Fenster. Gefühlt wirkt der HP-Bildschirm größer, als er ist.

Fotostrecke

17  Bilder
Das schicke Dicke: HP Envy 14 Spectre

Beim Design hat HP etwas Neues versucht, den Bildschirm nicht nur vorne, sondern auch hinten mit sogenanntem Gorilla-Glas ummantelt, das laut Hersteller kratzfest sein soll. Das Ergebnis ist ein rundum tiefschwarz aussehender Bildschirm, der allerdings auch deutlich dicker ist als die Displays vieler anderer Ultrabooks. Und er wirkt magisch anziehend auf Fingerschmutz. Ohne Putztuch hätten unsere Fotos von dem Gerät (siehe Fotostrecke) jedenfalls anders ausgesehen. In Internetforen wird außerdem diskutiert, wie kratzfest das Glas tatsächlich ist und ob sich nicht doch früher oder später Riefen zeigen. Unser Testgerät blieb von solchen Schäden verschont.

Was das Envy 14 ausmacht, sind vor allem die vielen Details, auf die bei der Entwicklung geachtet wurde. Ein Beispiel: Die Seitenleisten, in der die Anschlüsse untergebracht sind, ist zu schmal für eine normale Ethernet-Buchse. Um den Anschluss trotzdem unterbringen zu können, wurde die Buchse mit einem Schwenkmechanismus ausgestattet: Sobald man einen Stecker einschiebt, klappt die Unterseite der Buchse herab und öffnete sich so auf die nötige Größe für einen Netzwerkstecker. Wird der Stecker gezogen, klappt die Abdeckung hoch, und die Anschlussleiste bildet wieder eine gerade Linie.

An anderer Stelle wurde dafür etwas zu viel Effekthascherei betrieben. Rechts neben dem Touchpad leuchtet penetrant ein rotes Logo, das auf die integrierte Beats-Audio-Technologie hinweisen soll. Eine Möglichkeit, das vor allem in dunklen Umgebungen nervende Lämpchen abzuschalten, haben wir nicht gefunden. Dass die so beworbene Klangformungstechnik tatsächlich positiven Einfluss auf den Sound hat, ist dabei unbestritten. Wunder sollte man trotzdem nicht erwarten, auch die Lautsprecher im Envy 14 unterliegen den Gesetzen der Physik. Wer allerdings schon einen Beats-Kopfhörer hat, darf sich freuen: In der Audio-Steuerungssoftware sind Equalizer-Voreinstellungen für drei Modellvarianten enthalten. Wer keinen davon besitzt, muss selber an der Klangregelung fummeln.

Fotostrecke

10  Bilder
Das schlanke Schicke: Dell XPS 13
Auf solche Gimmicks muss man beim Dell XPS 13 verzichten. Dem rot leuchtenden Beats-Logo nahe kommen die LED-Kette zur Akkustandsanzeige und die sanft pulsierende LED zur Anzeige des Ruhemodus. Beide sind allerdings ungleich dezenter und hinlänglich von Apple-Notebooks bekannt.

Dell stellt die Unterseite des XPS 13 aus einem Kohlenstofffaserverbundstoff ("Karbon") her. Das hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen ist ein solches Verbundwerkstoff-Bauteil billiger zu produzieren als ein Metallgehäuse, zum anderen ist das Material sehr leicht und dennoch extrem fest. Eben deshalb wird es auch bei Sportwagen verwendet. Zudem hat Dell das Material nicht lackiert, wohl auch, weil es nicht nur gut aussieht, sondern sich auch noch gut und griffig anfühlt (siehe Fotostrecke).

Und das ist gut so, denn mit 1,36 Kilo Gewicht und sechs bis 18 Millimeter Dicke ist das Dell eindeutig ein Computer zum Mitnehmen. Umso mehr als es Dells Technikern gelungen ist, mit dem neuen XPS das nach eigenen Angaben bisher kompakteste 13-Zoll-Ultrabook zu bauen. Tatsächlich fühlt es sich kaum größer an als ein MacBook Air im 11,6-Zoll-Format. Und es hat ein dazu passendes Netzteil, das nur wenig größer als eine halbe Zigarettenschachtel ist.

Fazit

Die zweite Generation Ultrabooks bringt Veränderung. Ging es im ersten Anlauf noch überwiegend darum, möglichst dünn zu werden oder Preise zu unterbieten, differenziert sich das Angebot jetzt weiter aus. Dells XPS ist ein Beispiel dafür, dass die Hersteller versuchen, die Geräte jetzt noch kleiner zu machen. Das HP Envy 14 Spectre ist eigentlich ein Notebook mit vielen durchdachten Extras, nur eben eines mit dem Prädikat "Ultrabook".

Was die beiden Mobilrechner aber auch zeigen, ist, dass Intels Vorhersage, Ultrabooks würden bald viel billiger werden, zumindest bisher nicht umgesetzt wird. Billig geht auch bei Ultrabooks nur mit Verzicht, also etwa mit einer rotierenden Festplatte anstelle einer SSD, was den Preis senkt - aber auch den Kunden enttäuscht, der als Ultrabook ein leises, rasant schnelles Gerät erwartet.

Deshalb sind die beiden getesteten Ultrabooks auch keine Sonderangebote. Das XPS 13 kostet in der getesteten Ausführung 1150 Euro, das Envy 14 satte 1400 Euro. Mit Extras kann vor allem das Dell deutlich teurer werden. Für Schnäppchenjäger eignen sich also beide nicht. Und sie bringen eine Erkenntnis, die Apple-Hassern nicht behagen wird: Ein vergleichbar ausgestattetes MacBook Air ist um nichts teurer als ein Dell XPS 13, was Perfektionisten die Wahl nicht leicht macht.

HP, Dell und Apple im Vergleich
Hersteller Dell HP Apple
Bezeichnung XPS 13 Envy 14 Spectre Macbook Air 13'' (2011)
Prozessor Intel Core i5 Intel Core i5 Intel Core i5
Taktfrequenz 1,6 GHz 1,6 GHz 1,7 GHz
Arbeitsspeicher 4 GB 4 GB 4 GB
Massenspeicher 128 GB SSD 256 GB SSD 256 GB SSD
DVD-Laufwerk Nein Nein Nein
Displaygröße 13,3 Zoll 14 Zoll 13,3 Zoll
Displayauflösung 1366 x 768 Pixel 1600 x 900 Pixel 1440 x 900 Pixel
W-Lan 802.11b/g/n 802.11a/g/n 802.11a/b/g/n
Bluetooth Ja Ja Ja
Ethernet Nein Gigabit nur per Adapter
USB 1 x USB 2.0, 1 x USB 3.0 1 x USB 2.0, 1 x USB 3.0 2 x USB 2.0
Firewire Nein Nein Nein
Thunderbolt Nein Nein Ja
Speicherkarteleser Nein für SD-Karten für SD-Karten
Kopfhörer Ja Ja Ja
Mikrofon integriert integriert integriert
Webcam ja ja ja
Gewicht 1,36 Kg 1,8 Kg 1,35 Kg
Dicke 0,6-1,8 cm 2 cm 0,3-1,7 cm
Preis in dieser Ausstattung 1149 Euro 1399 Euro 1499 Euro
Alle Daten sind Herstellerangaben

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insgesamt 42 Beiträge
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1.
Cotti 13.04.2012
Tolle Teile - jedenfalls besser, als "Tablets".
2.
totalmayhem 13.04.2012
Einen Dell als Preisreferenz heranzuziehen, faellt auch bloss einem SPON-Redakteur ein. Fuer das Geld bekommt man das ZenBook von ASUS mit nem Core i7 Prozessor. Das Geraet tanzt Ringelreihen um die eher armselig ausgestatteten Testkandidaten und sieht auch noch besser aus.
3. Unfairer Preisvergleich
zauberapfel 13.04.2012
Der Preisvergleich hinkt auch etwas. Wenn man das MacBook Air ebenfalls mit der 128GB SSD wählt, liegt der Preis bei 1249 Euro. Die restliche Hardware ist ansonsten aber identisch. So könnte der Eindruck entstehen, dass Apple zu teuer sei, für das gebotene.
4. Das Design...
compmac 13.04.2012
Zitat von sysopDiese Ultrabooks sind extrem: Von Dell kommt das bisher kompakteste Gerät seiner Klasse, von HP das edelste, das wir bisher gesehen haben. Technisch sind beide fast identisch. Und doch zeigt unser Test gewaltige Unterschiede. Ultrabooks von HP und Dell: Das schicke Dicke und das schlanke Schicke - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,825822,00.html)
... kennt man schon aus der seit mehreren Jahren aktuellen MacBook Pro und MacBook Air Serie. Auch das DELL das Logo mittig anordnet, zeigt anschaulich wo die Designabteilung gelernt hat. Bravo. :) Hoffentlich sehen die neuen Apple Modelle demnächst anders aus.
5.
dex81 13.04.2012
Zitat von CottiTolle Teile - jedenfalls besser, als "Tablets".
Der Vergleich mit einem Tablett ist unangebracht. Unterschiedliche paar Schuhe....
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