San Francisco - Für Microsoft Ernüchterndes brachte eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) zutage: Selbst unter den Befragten, die schon vom neuen Betriebssystem Windows 8 gehört haben, können sich nur 35 Prozent vorstellen, dass es eine Verbesserung sei. AP zitiert einen der Befragten mit den Worten: "Windows 7 macht alles, was ich von ihm will. Wie soll sich die Investition bezahlt machen, ein neues Betriebssystem zu lernen?"
52 Prozent der 1200 telefonisch Befragten US-Bürger hatten von Windows 8 noch nicht einmal gehört, obwohl 80 Prozent aller Befragten, die einen Rechner zu Hause haben, dort ein Windows-System nutzen.
Tatsächlich läuft auf einem gewaltigen Anteil aller derzeit betriebenen PC noch immer das elf Jahre alte Windows XP. Schätzungen reichen von gut 20 bis fast 40 Prozent. Verlässliche Zahlen sind nicht leicht zu bekommen, denn die Anteile, die Hersteller und Analysten berichten, beziehen sich auf aktuelle Verkäufe, nicht auf die derzeit weltweit im Einsatz befindlichen Rechner. Blickt man aber auf Statistiken zu Website-Aufrufen, wie es Unternehmen wie StatCounter oder der W3Counter tun, kommt man auf gewaltige Anteile für betagte Betriebssysteme.
Jetzt kommt Windows Phone 8 - braucht das jemand?
Am Montagabend wird Microsoft nun das letzte Teilchen seiner runderneuerten Softwarestrategie der Öffentlichkeit präsentieren: Mit Windows Phone 8 sollen künftig Mobiltelefone ausgerüstet werden. Die Benutzeroberfläche entspricht optisch der, die Microsoft vergangene Woche für PC auf den Markt gebracht hat. Die Microsoft-Welt soll vereinheitlicht werden, auf Bildschirmen aller Formen und Größen soll man künftig die bunten Kacheln sehen, die das auffälligste Merkmal der neuen Benutzeroberflächen sind. Das heißt aber auch: Wer seine alten Desktop-Gewohnheiten behalten will, muss künftig immer erst die neue Oberfläche wegklicken, damit eine der alten ähnliche dahinter zum Vorschein kommt. Und wer lieber eine Maus als einen Touchscreen nutzt, wird sich vom neuen Windows womöglich missverstanden fühlen.
Strategisch ist nachvollziehbar, dass Microsoft endlich Einheitlichkeit schaffen will, immerhin sind moderne Mobiltelefone nichts anderes als Mini-Computer. Als prototypisches PC-Betriebssystem gilt Windows noch immer, der Anteil des Konkurrenten Apple am Markt für Rechner im klassischen Sinn liegt noch immer bei knapp fünf bis zehn Prozent, je nach Schätzung. Zählt man das iPad dazu, steigt der Marktanteil zumindest für den US-Markt auf bis zu 15 Prozent - doch wie man es auch dreht und wendet, auf Rechnern mit Tastatur und Maus regieren bislang ganz klar Microsoft-Betriebssysteme.
Der PC-Markt als ganzer schwächelt gewaltig, Tablets und Smartphones übernehmen nicht nur Teile der Nutzungszeit, die früher am PC investiert worden wären, sie übernehmen auch Teile des Budgets, das Konsumenten für solche Geräte einplanen.
Auf dem Handymarkt ist Microsoft weit abgeschlagen. Apple und Googles Android-Betriebssystem drängen auch den einstigen Smartphone-Marktführer Research in Motion in die Defensive. Windows Phone 8 soll Nutzer mit dem Argument der Einheitlichkeit überzeugen, sich auch mit ihrem Handy ganz in die Hände Microsofts zu begeben.
Auch von Unternehmenskunden kann Microsoft nicht auf sofortigen Wechselwillen hoffen. Einer Studie der Analystenfirma Gartner zufolge wollen 90 Prozent der Unternehmen bis 2014 warten, bevor sie auf ein neues Betriebssystem umsteigen.
Dem Autor auf Twitter folgen:
Mit Material von AP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gadgets | RSS |
| alles zum Thema Windows 8 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH