SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. Mai 2010, 15:11 Uhr

Umstieg auf Linux

Software für jeden Zweck

Von Andrea Müller

Beim Umstieg auf Linux muss man sich nicht nur in ein neues Betriebssystem reinfuchsen, sondern auch Ersatz für liebgewonnene Windows-Anwendungen suchen. Fündig wird man fast immer, denn Linux bietet eine riesige Auswahl.

Linux macht Nutzern den Einstieg leicht, denn anders als unter Windows landen schon bei der Installation Programme für alle gängigen Aufgaben auf der Festplatte. Von der Fotoverwaltung ist bis zum Brennprogramm und der Webcam-Software alles inklusive. Mit OpenOffice findet selbst eine ausgewachsene Office-Suite den Weg auf die Festplatte.

Verwirrung setzt ein, wenn eine der vorinstallierten Anwendungen nicht taugt oder man ein Programm für eher exotische Aufgaben sucht. Ein Blick in die Paketverwaltung hilft nur bedingt weiter, da einen dort die riesige Auswahl nahezu erschlägt. Allein mehrere Dutzend Texteditoren hält Ubuntu in seinen Paket-Repositories bereit - wie soll man da wissen, welcher den gewünschten Funktionsumfang bietet oder am meisten dem unter Windows verwendeten Ultraedit ähnelt? Den Spaß, stundenlang in den verfügbaren Paketen zu stöbern, Programme auszuprobieren und kleine Software-Perlen zu entdecken, kann und will man sich aus Zeitgründen nur selten leisten.

Dieser Artikel nimmt Ihnen die Arbeit ab und führt Sie auf eine Reise durch die Linux-Software-Welt und stellt Alternativen zu Windows-Anwendungen aus Office, Internet, Grafik, Multimedia, Spiele und Edutainment vor. Die meisten der hier genannten Anwendungen finden Sie in den Ubuntu-Repositories. Ist das einmal nicht der Fall, erhalten Sie die Software über den Link am Ende dieses Artikels.

Büro, Büro

Microsoft Office ist unter Windows der unangefochtene Platzhirsch bei den Büro-Suiten. Die Linux-Alternative, die Sie vielleicht schon von Windows kennen, ist OpenOffice. Das Paket enthält eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, eine Anwendung für Präsentationen und ein Datenbankprogramm. Vom Funktionsumfang her muss sich OpenOffice nicht vor der Konkurrenz aus Redmond verstecken, eine Hürde beim Umstieg kann aber die teilweise andere Bedienung und Bestückung der Menüs sein.

Anders als das Microsoft-Programmpaket verwendet OpenOffice klassische Menüs anstelle der Ribbon-Menüs - das sollte aber für Anwender, die auch ältere Versionen von Microsoft Office kennen, kein Problem sein. Die MS-Dateiformate XLS und DOC kann OpenOffice sowohl lesen als auch schreiben, was für den Datenaustausch mit der Windows-Welt wichtig ist. Größere Probleme machen jedoch Makros sowie das neue OOXML-Dateiformat.

Weniger Probleme mit OOXML-Dateien hat das kommerzielle Softmaker Office, von dem Sie sich eine kostenlose Testversion beim Hersteller herunterladen können. Die Textverarbeitung TextMaker liest und schreibt DOCX-Dateien, die Tabellenkalkulation PlanMaker kann XSLX-Mappen zumindest lesen. Der XSLX-Export soll noch dieses Jahr über ein Update nachgerüstet werden. Neben dem guten OOXML-Support zeichnet sich Softmaker Office vor allem durch seine Performance auch auf leistungsschwacher Hardware aus. Auf einem Nettop mit Atom-Prozessor, auf dem der Start von OpenOffice Writer bis zu 10 Sekunden braucht, ist Textmaker in weniger als drei Sekunden startklar.

Abiword wird ebenfalls oft als schlanke Textverarbeitung empfohlen, bietet aber nicht annähernd den Funktionsumfang von OpenOffice Writer oder Textmaker. Auch der Import-Filter für Word-Dateien im DOC-Format bleibt hinter der Konkurrenz zurück und patzt vor allem beim Layout. Als weitere Alternative für Tabellen bietet sich Gnumeric an, das vom Funktionsumfang an Calc aus OpenOffice heranreicht, allerdings etwas hakeliger zu bedienen ist.

Das KDE-Büropaket Koffice ist als MS-Office-Ersatz weniger geeignet, bringt aber mit Krita ein einfach zu bedienendes Malprogramm mit, das sich für alle empfiehlt, die den Funktionsumfang des mächtigen Gimp nicht benötigen. Interessant ist auch die Koffice-Textverarbeitung Kword, die anders als andere Office-Programme mit einem rahmenbasierten Konzept arbeitet, wie man es von DTP-Software kennt.

Wer ein Programm zum Layouten sucht, sollte sich allerdings besser an den Spezialisten Scribus halten. Adobe InDesign und QuarkXPress kann Scribus zwar noch keine Konkurrenz machen, Broschüren, Flugblätter und einfach gestaltete Zeitschriften lassen sich mit dem freien Programm jedoch leicht gestalten und als PDF für den professionellen Druck ausgeben.

In Sachen PDF-Viewer müssen Sie sich beim Umstieg auf Linux gar nicht umstellen. Den Adobe Reader gibt es auch als Debian-Paket, das Sie im Software Center unter Canonical-Partner finden. Das Adobe-Programm ist unverzichtbar, wenn Sie alle Funktionen, etwa zum Ausfüllen von PDF-Formularen, nutzen wollen. Geht es nur um die Darstellung und Sie suchen eine Anwendung, die flinker als der Adobe Reader ist, haben Sie viel Auswahl: Vorinstalliert ist der Gnome-Viewer Evince und in den Repositories warten mehrere Alternativen, die entweder mit Funktionen oder Geschwindigkeit punkten. Sieger in Sachen Flinkheit ist Xpdf, von dessen altbackener Optik Sie sich nicht abschrecken lassen sollten. Der Viewer lässt sich komplett über die Tastatur steuern.

Wer Wert auf viele Funktionen legt, kommt um die Installation des KDE-Viewers Okular nicht herum, der außer mit PDF-Dateien auch den Umgang mit vielen weiteren Formaten wie Grafiken und Windows-Hilfedateien im CHM-Format beherrscht. Besonders pfiffig an Okular ist die Möglichkeit, Dokumente mit eigenen Notizen versehen zu können und einzelne Textabschnitte zu markieren. Über den Eintrag "Rezensionen" links in der Seitenleiste navigieren Sie komfortabel durch die Notizen und Hervorhebungen. Diese Informationen landen allerdings nicht im PDF-Dokument, sondern Okular speichert sie in seinem Einstellungsverzeichnis ~/.kde/share/apps/okular/docdata, wobei die Tilde für Ihr Home-Verzeichnis steht. Sie haben also nur mit Okular Zugriff auf diese Inhalte.

Das Programm bringt zusätzlich einen Präsentationsmodus mit, den Sie über die Tastenkombination Strg+Alt+P aktivieren. In ihm öffnet Okular das aktuelle Dokument im Vollbildmodus und Sie können wahlweise mit rechter und linker Maustaste oder über die Navigationsleiste vor- und zurückblättern, die erscheint, wenn Sie den Mauszeiger an den oberen Bildschirmrand bewegen. Nervig sind allein Okulars Informationsdialoge, die das Programm bei nahezu jeder Aktion einblendet. Sie machen ihnen im Einrichtungsdialog unter "Einstellungen/Okular einrichten" im Abschnitt Allgemein den Garaus.

Für den Überblick über Ihre Finanzen greifen Sie zu Gnucash oder KMyMoney. KMyMoney ist eine Art elektronisches Haushaltsbuch, das auf Wunsch mehrere Konten verwaltet und sich besonders durch leichte Bedienbarkeit auszeichnet. Bei Gnucash handelt es sich dagegen um eine ausgewachsene Finanz-Komplettlösung, die es erlaubt, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zu verwalten, Rechnungen zu schreiben, Gewinn- und Verlustrechnungen zu erstellen und Aktiva und Passiva in Diagrammen zu visualisieren. Bei der Einarbeitung in das komplexe Programm kommt man jedoch nicht ohne einen Blick in die Dokumentation aus.

Im Netz daheim

Viel Vertrautes erwartet Sie bei der Browser-Wahl: Standardmäßig kommt Firefox zum Einsatz, aber auch Opera und die freie Google-Chrome-Variante Chromium sind für Linux erhältlich. Opera müssen Sie allerdings über die Homepage des Anbieters herunterladen. Ob Sie mit dem vorinstallierten Firefox das Web erkunden oder sich für eine der Alternativen entscheiden, ist Geschmackssache: Alle drei Browser bieten eine Reihe von Privacy-Funktionen, eine komfortable Lesezeichenverwaltung und unterstützen Tabs. Google Chrome zeichnet sich dadurch aus, dass er für jeden Tab einen eigenen Prozess startet, sodass eine Website zwar ihren Reiter, nicht aber den kompletten Browser zum Absturz bringen kann. An Opera gefällt die Vorschau für Tabs, die Sie bei Firefox nur mit einer Extension nachrüsten können. Neben diesen drei verbreiteten Browsern gibt es auch noch den Konqueror von KDE, der vor allem durch gute Integration in den Desktop glänzt und Flock. Bei Letzterem handelt es sich um einen auf Web-2.0-Dienste optimierten Browser auf Firefox-Basis, der komfortablen Zugriff auf Dienste wie Twitter, Flickr und Facebook bietet und einen Blog-Editor mit vielen Funktionen mitbringt.

Auch eigenständige Microblogging-Clients gibt es zuhauf: Wer unter Windows die Adobe-Air-Anwendung TweetDeck benutzt hat, muss sich nicht umstellen, da es das Programm auch für Linux gibt. Wer es kompakter mag, etwa wie bei dem populären Twhirl, sollte einen Blick auf das installierte Gwibber, Twitux oder Choqok werfen. Gwibber unterstützt nicht nur Twitter, sondern noch eine Reihe anderer Dienste wie FriendFeed, Facebook und identi.ca. Mit letzterem kommt auch der KDE-Twitter-Client Choqok zurecht, bei dem vor allem gefällt, dass er Twitpic-Support mitbringt und URLs, die länger als 30 Zeichen sind, automatisch von einem URL-Verkürzungsdienst kappen lässt.

Mails erledigen Sie mit Kmail, Evolution oder dem auch unter Windows populären Thunderbird. Der Letztgenannte fungiert als Einziger von den dreien als kombinierter Mail- und News-Client und zeigt auf Wunsch auch RSS-Feeds an. Evolution erinnert optisch und vom Funktionsumfang an Outlook und fasst Mailer, Adressbuch, Terminplaner und Todo-Listen unter einer übersichtlichen Oberfläche zusammen. Der KDE-Client Kmail kümmert sich nur um elektronische Nachrichten - wer mehr will, startet Kontact. Dieser Personal Information Manager vereint KMail, das KDE-Adressbuch und den Terminplaner Korganizer und bietet zusätzlich Funktionen zum Einbinden von Newsfeeds.

Für Geplauder im Netz ist bei Ubuntu Empathy vorinstalliert, unter KDE greifen Sie zu Kopete. Beide Anwendungen können mit den wichtigsten Chat-Protokollen, darunter ICQ, Jabber und MSN, umgehen. Für Gespräche im IRC stehen Pidgin und Quassel bereit. Während es sich bei Quassel um einen reinen IRC-Client handelt, beherrscht Pidgin auch andere Protokolle und kann damit Empathy komplett ersetzen.

Wer selbst eine Website pflegt, hat es unter Linux schwerer als unter Windows. Ein Programm, das in Funktionsumfang und Benutzerfreundlichkeit an Dreamweaver und andere Website-Baukästen herankommt, existiert unter dem freien Betriebssystem nicht. Zumindest rudimentäre WYSIWYG-Funktionen bietet der KDE-HTML-Editor Quanta. Bei der Arbeit am HTML-Code greifen Ihnen diverse Assistenten für Tabellen, Stylesheets und weitere Elemente einer Seite unter die Arme, die nach einigen Vorgaben das entsprechende Code-Grundgerüst erzeugen.

Rund ums Bild

Unter Windows schwören viele Anwender beim Nachbearbeiten von Fotos auf Adobe Photoshop. Einen vergleichbaren Funktionsumfang bietet Ihnen unter Ubuntu Gimp, das es übrigens auch in einer Windows-Version gibt. Damit das mächtige Werkzeug auch Raw-Aufnahmen bearbeiten kann, müssen Sie neben Gimp noch das Paket gimp-ufraw einspielen. Lassen Sie sich nicht von der etwas eigenwilligen Bedienung abschrecken - nach ein wenig Einarbeitungszeit, in der Sie sich von einer Reihe Tutorials im Web unterstützen lassen können, macht das Aufpolieren von Fotos mit Gimp richtig Spaß.

Wer es einfach mag, hat die Wahl zwischen Krita, Gpaint und Mypaint. Letzteres ist für den Betrieb mit Wacom-Tablets ausgelegt und bringt eine umfangreiche Pinselsammlung mit. Krita und Gpaint sind vom Funktionsumfang etwas oberhalb von Windows Paint angesiedelt. Tuxpaint, das ursprünglich als Malprogramm für Kinder entwickelt wurde, kann auch Erwachsenen Spaß machen. Es liefert eine riesige Auswahl an Pinseln und Motivstempeln, und die Filtergrundausstattung ist ebenfalls mit an Bord. Neben Schärfen, Weichzeichnen und Aufhellen lassen sich Bilder auch mit künstlerischen Filtern in eine Kreide- oder Comic-Zeichnung verwandeln. Bei einem Klick auf Speichern zeigt das Programm keinen Dialog an, sondern es legt die Bilder automatisch im PNG-Format im Ordner ~/.tuxpaint/saved ab. Den Dateinamen bildet Tuxpaint aus dem Datum und der Uhrzeit.

Für eine Fotoverwaltung mit Bearbeitungsfunktionen haben Sie viel Auswahl: Wer bislang Picasa genutzt hat, kann dem Tool treu bleiben, da es auch für Linux erhältlich ist. Wesentlich mehr Funktionen und eine bessere Integration ins System bietet allerdings das KDE-Programm Digikam, mit dem Sie Fotos in Alben sortieren können und das neben Bildbearbeitungsfunktionen auch einen Batch-Modus zur Bearbeitung oder Konvertierung vieler Bilder mitbringt. Darüber hinaus können Sie mit Digikam statische HTML-Galerien und Video-Slightshows erzeugen. Das standardmäßig installierte F-Spot ist einfacher gehalten, bringt aber ebenfalls einige Bildbearbeitungsfunktionen mit und fügt sich optimal in den standardmäßig installierten Gnome-Desktop ein. Während die "Rote-Augen-Reduzierung" recht gute Ergebnisse liefert, sollte man jedoch vom automatischen Farbabgleich die Finger lassen - er erzeugt eher interessante Effekte als eine Verbesserung. Wer es ganz einfach mag, wirft einen Blick auf Gthumb, eine flinke Bildverwaltung, die Fotos direkt von der Digitalkamera herunterladen kann.

Um nur eine Auswahl von Bildern zu betrachten oder als Diashow zu zeigen, reichen einfache Bildbetrachter wie die KDE-Programme Kuickshow und Gwenview und die Gnome-Variante Gqview aus. Sie alle erlauben, die Größe der Vorschaubilder festzulegen und im Viewer die Größe des Bildes anzupassen.

Geht es um Vektorzeichnungen, ist Inkscape das Werkzeug der Wahl, das allerdings nicht an Profi-Anwendungen wie den Adobe Illustrator oder auch nur Corel Draw heranreicht. Auf Spielereien wie interaktive Maschenfüllung und Ähnliches muss man verzichten, alle grundlegenden Funktionen zum Erstellen komplexer Zeichnungen bringt Inkscape jedoch mit. Neben den klassischen Zeichenfunktionen kann das Programm Text an Pfaden ausrichten, erlaubt die Arbeit mit Ebenen und bringt ein grafisches Frontend für Potrace mit, ein Tool, das Bitmaps in Vektorgrafiken konvertiert. Nicht ganz so funktionsreich, aber einfacher zu bedienen ist Skencil. Das Programm bietet die wichtigsten Zeichenfunktionen und lässt sich mit Python-Skripten erweitern, beherrscht jedoch keine Effekte, wie Verformungen oder Überblendungen.

Für spezielle Aufgaben gibt es ebenfalls passende Anwendungen: So können Sie mit dem 3D-Modeller Blender Objekte oder ganze Szenen konstruieren und rendern. Qcad ist ein 2D-CAD-Programm, der Spezialist zum Erstellen von Diagrammen heißt Dia. Die Anwendung verbindet nicht nur geometrische Formen und hilft dabei, Gedanken zu strukturieren, sondern verfügt über eine gut ausgestattete Symbolbibliothek, mit der Sie leicht Diagramme aus den Sparten Netzwerk, Chemietechnik, Schaltkreis, Elektronik und vielen weiteren erstellen.

Multimedial

Wenn Sie die passenden Codecs installiert haben und wie im Artikel auf Seite12 beschrieben das Medibuntu-Repository eingebunden haben, ist Ubuntu fit für Multimedia. Die Video-Player Totem und Kaffeine spielen nicht nur diverse Formate ab, sondern Sie können damit auch DVB-T empfangen. Kaffeine zeigt sich beim digitalen Fernsehen komfortabler, da das Programm eine automatische Sendersuche anbietet und auf Wunsch auch als Videorecorder arbeitet. Wer einen DVB-T-Spezialisten sucht, kann auch zu Me-TV greifen, das sich ebenfalls selbst um die Sendersuche kümmert. Wer unter Windows bereits den Alleskönner VLC verwendet hat, kann unter Ubuntu die Linux-Version des Programms einspielen. Viele Anwender schätzen VLC, da er selbst alle nötigen Codecs mitbringt und man sich nicht um die Installation zusätzlicher Pakete kümmern muss.

Mehrere Audio-Player stehen zur Verfügung. Ein Rundum-Sorglos-Paket zum Konsumieren und Verwalten von Musik ist das KDE-Programm Amarok, das weit mehr zu bieten hat als die Verwaltung von MP3s in Kategorien. In der Mitte des Programmfensters blendet er bei einer aktiven Internetverbindung automatisch den Liedtext des aktuellen Titels ein, über den Button "Wikipedia" gelangen Sie zum Eintrag des Interpreten in der Online-Enzyklopädie. Auch sonst gibt sich das Programm Internet-affin: Über die Navigationsleiste links im Fenster empfangen Sie Podcasts, hören Internet-Radio, kaufen Musik bei Magnatune.com oder spielen Last.fm-Streams ab.

Podcasts, Last.fm und Magnatune kennt auch der iTunes nachempfundene Audio-Player Rhythmbox, über den Sie zudem den Ubuntu One Music Store erreichen. Nachdem Sie sich kostenlos bei Ubuntu One angemeldet haben, können Sie mit Ihren Zugangsdaten dort Musik kaufen. Ubuntu-Hersteller Canonical arbeitet bei dem Angebot mit Dienstleister 7digital zusammen, der in seinen Katalogen über 4 Millionen Titel führt. Einzelne Stücke sind ab 99 Cent erhältlich, bezahlen können Sie unter anderem per PayPal.

Auch mit dem Player Banshee können Sie schon auf den Ubuntu One Music Store zugreifen - dazu müssen Sie allerdings zunächst über Synaptic das passende Plug-in installieren, das im Paket banshee-extension-ubuntumusicstore steckt. Dabei können Sie gleich noch das Liedtext-Plug-in (banshee-extension-lyrics) einspielen. Ebenfalls sehr praktisch ist die Erweiterung banshee-extension-streamrecorder, mit der Sie das Programm zur Aufnahme von Streams aus dem Netz verwenden können.

Zum Mitschnitt von Streams können Sie auch das Kommandozeilenprogramm Streamripper, gegebenenfalls in Kombination mit dem grafischen Frontend Streamtuner, einsetzen. Streamtuner listet in Kategorien sortiert mehr als 1000 Internet-Radiosender auf. Am reichhaltigsten ist die Shoutcast-Auswahl, in der Sie Musik aus aller Herren Länder finden.

Daten-CDs und DVDs wie auch Audio-CDs lassen sich mit dem KDE-Brennprogramm K3b oder der Gnome-Variante Brasero erzeugen. Beide Anwendungen helfen Ihnen mit einer Füllstandsanzeige, den Überblick zu behalten und erlauben das Einstellen der Brenngeschwindigkeit und das Überbrennen. Um schnell Daten auf CD oder DVD zu archivieren, können Sie auch den Gnome-Dateimanager Nautilus verwenden. Unter der URL burn lassen sich die zu brennenden Dateien sammeln und dann auf CD oder DVD schreiben. Besitzen Sie bereits einen Blue-Ray-Brenner, lohnt sich der Blick auf die Linux-Version von Nero, die Sie über die Ahead-Homepage erwerben können.

Spiele und Edutainment

Wenn es einen Bereich gibt, in dem Linux beim Software-Angebot schwächelt, sind das Spiele. Große kommerzielle Titel erscheinen von wenigen Ausnahmen abgesehen nur für Windows oder mit etwas Glück auch für Mac OS X. Wer dagegen nur die schnelle Unterhaltung auf dem Desktop sucht, wird auch in den Ubuntu-Repositories fündig. Sowohl Gnome als auch KDE haben diverse Desktop-Spiele aus den Kategorien Puzzle, Action, Strategie, Brett und Karten an Bord. Damit können Sie sich die Zeit mit Solitär, Tetris, Asteroids oder Poker, Skat und Schiffe versenken vertreiben. Selbst Varianten des zur Windows-Grundausstattung zählenden

Minesweeper fehlen nicht. Diese Desktop-Spielereien sind eher einfach gehalten. Grafisch und spielerisch aufwendigere Programme sind Crack-Attack, ein freier Tetris-Attack-Klon, und das Geschicklichkeitsspiel Neverball, die sich beide durch coolen Sound und schicke 3D-Grafik auszeichnen; nur zweidimensional, dafür aber spannend und gut für stundenlangen Spielspaß ist der Civilization-Klon Freeciv, bei dem man allein gegen den Computer oder gegen menschliche Mitspieler im Netzwerk eine Zivilisation durch die Jahrtausende begleitet. Possierlich anzusehen und ebenfalls eine gewisse Planung erfordernd ist Pingus. Wie bei Lemmings geht es darum, seine Schützlinge - bei Pingus natürlich Pinguine - unter Überwindung diverser Hindernisse bis zum Ziel eines Levels zu lotsen.

Hobby-Piloten sollten sich den freien Flugsimulator Flightgear ansehen, in dem es gleich bündelweise Flugzeuge und Landschaften zum Durchfliegen gibt. Dank der aktiven Entwicklergemeinde kommen laufend neue Orte dazu wie kürzlich etwa Helgoland.

Zum spielerischen oder auch ernsthaften Lernen am Rechner bietet das Kdeedu-Paket etwas für alle Altersklassen. Mit Kgeography testen Sie Ihr Wissen über Länder, amerikanische Bundesstaaten, Hauptstädte und Flaggen, eine Reihe Vokabeltrainer unterstützt Sie beim Lernen neuer Sprachen und mit Kpercentage lernt der Nachwuchs für die Mathearbeit Prozentrechnung.

Ein Highlight im Kdeedu-Paket ist das Geografieprogramm Marble. Ähnlich wie in Google Earth, dessen KMZ-Dateien Marble lesen kann, lässt sich dort die Welt erkunden. Von Haus aus bringt Marble nur wenig Kartenmaterial für den Offline-Betrieb mit, man kann jedoch jederzeit neue Ansichten und geografische Daten von der Online-Enzyklopädie Wikipedia herunterladen. Marble erlaubt es, die Karten zu vergrößern und zu drehen und bringt einen Modus mit, in dem es die Karten des freien OpenStreetMap-Projekts über den Globus legt. Zwar sind noch nicht alle Gegenden von der Freiwilligengemeinde erfasst, aber bei denen, die es sind, gibt es häufig mehr Informationen als über Google Maps. In OpenStreetMap tragen die Mitwirkenden nicht nur Straßen, sondern auch Feld- und Radwege, Briefkästen, Bushaltestellen und den Standort von Altglas-Containern ein. Schauen Sie lieber in die Sterne, können Sie mit dem Desktop-Planetarium Kstars den Weltraum erkunden und zu fernen Sternbildern reisen.

Eine eigenständige Lern- und Spielsammlung ist Gcompris, das sich an Kinder im Vor- und Grundschulalter richtet. Es bietet Übungseinheiten, die Kinder in der Bedienung von Maus und Tastatur schulen, Quizspiele zu Mathematik, Sprache und Geographie helfen beim Lernen, und zur Auflockerung gibt es einige Spiele wie Memory, Schach und Vier gewinnt. Die ganz Kleinen können in den Kategorien Farben und Töne Aufgaben lösen oder unter "Zeit" lernen, die Uhr zu lesen.

Fast ebenso umfangreich wie die Auswahl bei den Anwendungsprogrammen ist sie bei den Werkzeugen, die Linux zur Systemverwaltung mitbringt. Die nützlichsten Tools zur Prozessverwaltung, Hardware-Überwachung und Auswertung von Log-Dateien stellt Ihnen der folgende Artikel vor.

Gefunden in: Sonderheft vom Computermagazin c't "Ratgeber Linux"

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH