Ich hätte einfach die Klappe halten sollen. Aber kaum hatte ich beim Abendessen der Familie erwähnt, dass in meinem Heimbüro das neue iPad liegt, saß ich allein am Tisch, während Frau und Kinder mir das neue Gadget raubten. Das war neu. Eine solche Reaktion hatte bisher noch kein Testgerät, das ich mit nach Hause brachte, hervorgerufen. Aber auf dieses waren alle gespannt. Kurz ausprobieren konnten wir es ja schon kurz nach dem Verkaufsstart in den USA, aber jetzt hatten wir endlich Zeit, es ausführlich zu testen.
Zudem waren wir dieses Mal nicht mehr auf das Wohnzimmer und unser W-Lan beschränkt. Das neue iPad hat ein 3G-Modul für schnellen Datenfunk per UMTS und HSDPA eingebaut, dazu noch einen GPS-Empfänger und auch den kleinen Kompass, den man vom iPhone kennt. Stolze 799 Euro kostet es so in der Ausführung mit 64 GB Speicher, ein selbstbewusst von Apple festgelegter Preis, zu dem sich allerdings noch ein paar Extras addieren, die man für so ein iPad fast selbstverständlich braucht.
Zum einen das iPad Case, eine Schutzhülle für den Transport, die so konstruiert ist, dass man sie auch als Gerätestütze oder Schreibunterlage nutzen kann. Außerdem ein Paar Ohrhörer, die Apple nicht mitliefert - ein Beleg dafür, dass das iPad eben kein übergroßer iPod ist und man es nur selten zum Musikhören benutzen wird. Oder ein Beleg dafür, dass Apple selbstherrlich seinen Gadgets immer weniger Zubehör beilegt.
Schmierige Spielerei
Aber von solchen Kleinigkeiten lassen sich meine Kinder nicht abschrecken, sie schauen stattdessen mit Begeisterung den Animationsfilm "Oben" auf dem iPad an. Das macht Spaß, weil der Bildschirm auch ohne HD-Auflösung brillante und scharfe Bilder liefert, außerdem auch von der Seite gut und ohne Farbverfälschungen einsehbar ist. Das sieht wirklich prima aus, solange der Bildschirm leuchtet. Abgeschaltet offenbart sich dann das schmutzige Antlitz des großen Displays, das von der vielen Fummelei binnen Minuten voller Fingerspuren ist.
Die kommen natürlich auch von den vielen Spielen, die man andauernd darauf daddeln will. Das grafisch und spielerisch faszinierende Jump-&-Run-Spiel "Mirrors Edge" beispielsweise, das Autorennen "Shrek Karting" oder der Flippersimulator "Pinball HD". Vor allem aber Spiele, bei denen man mit bis zu vier Teilnehmern auf dem Bildschirm gegeneinander antritt. Das Kartenspiel "Uno" etwa, oder "Scrabble for iPad".
Start mit 5000 Apps
Solche Apps ziehen alle Familienmitglieder magnetisch an. Und Apps gibt es eine ganze Menge. Von den mittlerweile gut 200.000 für iPhone und iPod touch entwickelten Apps lasse ich am iPad aber lieber die Finger, auch wenn sie grundsätzlich darauf funktionieren. Solche Apps laufen entweder als kleines Fensterchen oder per Pixelverdopplung hässlich vergrößert, was beides keinen Spaß macht. Wirklich angewiesen ist man auf solche Notlösungen aber nur selten, da es bereits 5000 dedizierte iPad-Apps gibt, die den großen Bildschirm auch wirklich ausnutzen.
So wie die Software des Hotelportals HRS, die Hotels auf Google Maps anzeigt, mit Fotos und Infos der jeweiligen Herbergen ergänzt und die Buchung per Fingerzeig ermöglicht. Oder die "F1 2010 Timing App", die in Echtzeit Daten und Statistiken zu laufenden Formel-1-Rennen aufbereitet. Aber auch vollkommen neuartige Apps wie "Air Display", mit dem das iPad per W-Lan zum Touchscreen eines Apple-Computers wird. Nicht zu vergessen auch innovative Apps wie Korgs iElectribe, mit dem das iPad zum virtuell analogen Musik-Computer wird. Eine Übersicht einiger herausragender Apps zeigen wir in der Fotostrecke oben.
Bei aller Begeisterung für die neuen Apps wird schnell deutlich: Sie sind viel teurer als die meisten iPhone-Apps. Preise von 7,99 Euro oder gar 25,99 Euro sind keine Seltenheit. Allerdings dürfte man ein Spiel wie "Shrek Karting" auf einer anderen Mobilkonsole wohl kaum für den im App Store verlangten Betrag von 3,99 Euro bekommen.
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