Unfallschutz Amazon rüstet Mitarbeiter mit Roboterwarnwesten aus

Mehr als 600.000 Menschen arbeiten für Amazon - und über 100.000 Roboter. Damit es dabei nicht zu Zusammenstößen kommt, hat der Konzern ein System eingeführt: Es soll die Maschinen vor Menschen warnen.

Ein Roboter in einem Amazon-Lagerhaus
Amazon

Ein Roboter in einem Amazon-Lagerhaus


Bei Amazon ist man offenbar von der Macht der Roboter überzeugt. Schon jetzt setzt das Unternehmen in seinen Logistikzentren Zehntausende Automaten ein. Mit Amazon Robotics hat sich der Konzern sogar eine eigene Abteilung geleistet, die nichts anderes tut, als neue Roboter für den eigenen Bedarf zu entwickeln.

Doch selbst das reicht nicht. Zusätzlich will der US-Konzern jetzt für bis zu 300 Millionen Dollar Lagerroboter des französischen Unternehmens Balyo kaufen und sich dadurch gleichzeitig 29 Prozent der Anteile des Roboterherstellers sichern. Bald sollen also noch mehr automatische Lageristen durch Amazons Fulfillment-Center rollen.

Damit es dabei nicht zu Kollisionen mit Mitarbeitern aus Fleisch und Blut kommt, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr an mehr als 25 Standorten damit begonnen, neuartige Sicherheitswesten an seine Mitarbeiter zu verteilen, berichtet "TechCrunch".

Bisher habe man den Robotern per Fernsteuerung eingeben müssen, wann und wo ein Mitarbeiter im Lager unterwegs sei, beispielsweise um heruntergefallene Waren aufzuheben. So habe man gewissermaßen virtuelle Sperrzonen definiert, in die die Maschinen nicht einfahren dürften.

Die neuen Westen sollen diesen Schritt automatisieren. Sensoren in den Robotern würden die Schutzwesten der Mitarbeiter frühzeitig erkennen und es ihnen ermöglichen, diese selbstständig zu umfahren, sagt Amazon-Robotics-Manager Brad Porter.

Fotostrecke

7  Bilder
Nicht effizient genug: Japanisches Roboter-Hotel entlässt Roboter

Nötig wird dieser Schritt offenbar wegen der rasant zunehmenden Roboterisierung von Amazons Lieferlogistik. Nach eigenen Angaben rollen derzeit 100.000 Transportroboter durch die Hallen von 26 der weltweit 175 Logistikzentren. Die Maschinen würden so effizient arbeiten, dass man 40 Prozent mehr Artikel einlagern könne, schwärmt das Unternehmen.

Außerdem würden die Roboter - im Gegensatz zu menschlichen Lagerarbeitern - auch nach einer langen Schicht nicht müde und bräuchten auch keine Pausen. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass Maschinen nicht streiken, ganz anders als Menschen, die etwa in Deutschland immer wieder für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

mak

Mehr zum Thema


insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sven2016 20.01.2019
1. Abwarten: Der erste Roboterstreik
wird Amazon hart treffen. Dann werden auch die Warnwesten nicht mehr beachtet ... Programmierer sind auch nur Angestellte.
frenchie3 20.01.2019
2. Leider
die logische Konsequenz bei Hilfsarbeiterjobs. Mal sehen wie die wegfallenden Jobs nun, wie es die Roboterfans immer prophezeihen, ersetzt werden.
Nordstadtbewohner 20.01.2019
3. Die Sicherheit der Beschäftigten ist wichtig
"Ein weiterer Grund dürfte sein, dass Maschinen nicht streiken, ganz anders als Menschen, die etwa in Deutschland immer wieder für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen." Ich finde es gut, dass sich Amazon um die Sicherheit der Beschäftigten kümmert und diese vor Unfällen mit Robotern schützt. Die zunehmende Automatisierung wird auch im Logistikbereich eine immer größere Rollen spielen. Von daher ist die Einführung dieser Schutzwesten eine begrüßenswerte Sache. Und was die im Artikel erwähnten Arbeitsbedingungen bei Amazon angeht, so verstehe ich das Problem mit. Die Arbeitsbedingungen dort sind gut und die Mitarbeiter werden für ihre Tätigkeiten gut bezahlt. Vor allem strukturschwache Regionen profitieren davon.
conjure 20.01.2019
4. Die Robotorisierung des Arbeitsalltags
schreitet unaufhaltsam fort. Um in den Genuss einer sozialen Dividende zu kommen, die nicht nur beim Kunden oder beim Unternehmen ankommt, sollten Maschinenstunden besteuert werden, meinetwegen um ein bedingungsloses Grundeinkommen + Bildungskonto zu finanzieren. Alles andere wird eher früher oder später zu einer kompletten Änderung unseres Sozialwesens führen. Hier die hochqualifizierten Arbeitnehmer und dort die abgehängten, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, ohne Chance auf einen Berufseintritt.
Sonnestrandundmeer 20.01.2019
5.
@ conjure "Alles andere wird eher früher oder später zu einer kompletten Änderung unseres Sozialwesens führen." Fast alle Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, deren Anteil im Mittelalter rund 90% betrug, sind durch Mechanisierung weggefallen. Die Automobilindustrie setzt seit vielen Jahren und zunehmend Roboter in der Produktion ein und ist trotzdem eine entscheidende Job-Maschine in Deutschland. Dies zeigt, dass der Einsatz von Maschinen den Wohlstand einer Volkswirtschaft erhöht und nicht vermindert. Das von Industrie- und Arbeitgeberverbänden vorgetragene und von der Politik gern aufgefriffene Argument, dass es einen Fachkräftemangel in Deutschland geben würde, ist im übrigen nur vorgeschoben. Auf dem Arbeitsmarkt, auf dem wie überall das fundamentale Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt, soll durch eine Erhöhung des Angebots eine Verminderung des Preises, d.h. die Kosten für die Arbeit, d.h. der Löhne erreicht werden. Die Belegschaft in den Warenlagern und Logistikzentren von Amazon und DHL, DPD, UPS, Hermes usw. rekrutiert sich tatsächlich zum größten aus solchen importierten "Fachkräften". Die Kosten für die Integration trägt die Gesellschaft, während die Gewinne bei diesen börsennotierten Unternehmen bleiben (Kursgewinne der Amazon-Aktien 181% in drei Jahre!). Fazit: Solche Billigjobs in Logistikzentren zu schaffen oder zu erhalten, die Kosten auf die Gesellschaft abzwälzen und auf Automatisierung zu verzichten, ist auch nicht die Lösung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.