Ungewöhnliche Knabbergewohnheiten Eichhörnchen sabotieren Kabelnetze

Ach wie süß, ein Eichhörnchen? Von wegen! Tatsächlich sind die possierlichen Tierchen ungehobelte Vandalen, berichtet ein Manager eines US-Telekommunikationsunternehmens. Sie sollen eine der häufigsten Ursachen für Netzausfälle sein - und bringen auch sonst viel durcheinander.

Putziges Wildtier und heimtückischer Saboteur: Das Eichhörnchen
DPA

Putziges Wildtier und heimtückischer Saboteur: Das Eichhörnchen


Auf diesen Gedanken würde man normalerweise nicht kommen: Eichhörnchen, die knuffigen kleinen Nagetierchen, die hektisch über Bäume hetzen und niedlich an Nüssen nagen, sind eine Bedrohung für unsere Datennetze. So jedenfalls kann man einen Blogeintrag interpretieren, den Fred Lawler, Senior Vice President of Global Field Services bei dem Telekommunikationsunternehmen Level 3, Anfang August veröffentlicht hat.

Seinem Bericht zufolge sind Eichhörnchen-Attacken, gleich nach unvorsichtigen Baggerfahrern, der zweithäufigste Grund für Netzausfälle bei seinem Unternehmen. Ganze 17 Prozent der Kabelverluste in dem 135.000 Kilometer umfassenden Glasfasernetzwerk von Level 3 sind auf die kleinen Nager zurückzuführen. Immerhin, so Lawler, sei dass ein ordentlicher Forschritt. Noch im Jahr zuvor gingen mehr als ein Viertel aller Kabelschäden auf das Konto von Eichhörnchen. Indem man nun Umzäunungen eingerichtet habe, habe man diesen Prozentsatz verringern können.

Vollkommen unklar sei ihm allerdings, weshalb die eigentlich auf Nüsse spezialisierten Tiere so großen Gefallen daran finden, die von Gummi ummantelten Kabel zu malträtieren. Scherzhaft äußert er die Vermutung, die Hersteller würden dem Gummi wohl Erdnussöl beimischen. Eine Idee, wie man die Eichhörnchen ganz davon abbringen könnte, die Kabelverbindungen zu zerkauen, hat er nicht.

Ein Einzelfall sind die Gummi verzehrenden Eichhörnchen nicht. Schon 2001 berichtete TechRepublic von einem IT-Administrator an einer US-Schule, der sich über Knabberangriffe beklagte. Seiner Meinung nach hatten es die Tiere auf den Schmierstoff innerhalb der Kabel, und nicht etwa auf die Gummihülle, abgesehen. Das habe er mit langwierigen Versuchen herausbekommen, erklärte der Computertechniker. Welcher Art diese Versuche waren, verriet er leider nicht.

Gefährliche Vorliebe für Starkstromkabel

Ob er mit seiner Vermutung richtig liegt, muss aber aus ganz anderen Gründen angezweifelt werden. Denn offenbar stehen nicht nur Glasfaserkabel auf der Speisekarte mancher Eichhörnchen. Auch Stromleitungen scheinen es den Tieren angetan zu haben, oft mit tödlichen Folgen - für die Nager.

So soll 2001 ein Eichhörnchen ein Kabel in einer Transformatorstation in Texas durchgebissen und dadurch einen Brand ausgelöst haben. In der Folge fiel in 3600 Haushalten der Strom aus und eine Fabrik von Texas Instruments musste den Betrieb einstellen. 2008 ereignete sich ein ähnlicher Zwischenfall in Zürich. 6000 Haushalte waren ohne Strom, einige Tramlinien konnten nicht mehr fahren, das Schweizer Fernsehen fiel über eine Stunde lang aus.

Bahnausfälle und Notlandungen

In einem aktuellen Fall sorgte ein Eichhörnchen sogar für bundesweite Zugverzögerungen. Frühmorgens hatte es sich an einer Oberleitung zu schaffen gemacht und dadurch einen Kurzschluss ausgelöst. In der Folge war der Zugverkehr am Frankfurter Hauptbahnhof teilweise lahmgelegt. Mehr als 200 Regional- und Fernzüge aus und in Richtung Darmstadt, Hanau, Mannheim und Fulda konnten bis in den Nachmittag hinein nicht oder nur verspätet fahren, was sich auch auf den Bahnverkehr in ganz Deutschland auswirkte. Wie so oft in solchen Fällen, überlebte das Tier nicht: Bahnmitarbeiter fanden seinen verkohlten Körper unter der beschädigten Oberleitung.

Nicht viel besser erging es einem Eichhörnchen, dem der bislang wohl spektakulärste Eingriff seiner Gattung in den Personenverkehr gelang. Auf einem Flug von Tokio nach Dallas hatte es sich in die Avionikräume eines Passagierflugzeugs eingeschlichen. Nachdem die Piloten ungewöhnliche Geräusche aus dem Zwischenraum über dem Cockpit gehört und daraufhin das Eichhörnchen entdeckt hatten, entschlossen sie sich zur unplanmäßigen Landung auf Hawaii. Sie fürchteten, das Tier könnte wichtige Systeme angeknabbert haben.

Während der Jet seinen Flug wenig später unbeschädigt fortsetzen konnte, war der Flughafen von Honolulu für den blinden Passagier die Endstation: Aus Furcht, es könnte mit Tollwut infiziert sein, wurde es getötet.

mak



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
roterschwadron 10.08.2011
1. Expeditionen ins Tierreich
Zitat von sysopAch wie süß, ein Eichhörnchen? Von wegen! Tatsächlich sind die possierlichen Tierchen*ungehobelte Vandalen, berichtet ein Manager eines US-Telekomunternehmens. Sie sollen eine der häufigsten Ursachen für Netzausfälle sein - und bringen auch sonst viel durcheinander. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,779218,00.html
Süß, diese Eichhörnchen. Sind aber scheue Tiere und trauen sich nur in der Nacht aktiv zu werden. Da könnten die vielen Ameisen schon eher zum Problem werden, die im Verdacht stehen, Geldautomaten zum Kollaps zu bringen.
rabuba, 10.08.2011
2. sofort
Zitat von sysopAch wie süß, ein Eichhörnchen? Von wegen! Tatsächlich sind die possierlichen Tierchen*ungehobelte Vandalen, berichtet ein Manager eines US-Telekomunternehmens. Sie sollen eine der häufigsten Ursachen für Netzausfälle sein - und bringen auch sonst viel durcheinander. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,779218,00.html
abschießen, das Zeugs, die taugen zu nix, sind nur putzig und stehen unseren FORTSCHROTT im Wege!
teldg 10.08.2011
3. Anonymoushörnchen
Zitat von sysopAch wie süß, ein Eichhörnchen? Von wegen! Tatsächlich sind die possierlichen Tierchen*ungehobelte Vandalen, berichtet ein Manager eines US-Telekomunternehmens. Sie sollen eine der häufigsten Ursachen für Netzausfälle sein - und bringen auch sonst viel durcheinander. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,779218,00.html
Böse Anonymous-Eichhhörner sabotieren Netzwerke und bringen ganze Industriezweige zu Fall ... Pfui !!! :-)
ovhaag 10.08.2011
4. Brechwurz
Ich habe zwar keine Ahnung, was Eichhörnchen schmeckt und was nicht, aber mich würde es abschrecken, wenn die Kabel mit Brechwurzexrakt "eingeölt" wären.
dawärenochwas 10.08.2011
5. ... schöne Grüße vom allgegenwärtigen
Zitat von ovhaagIch habe zwar keine Ahnung, was Eichhörnchen schmeckt und was nicht, aber mich würde es abschrecken, wenn die Kabel mit Brechwurzexrakt "eingeölt" wären.
Sommerloch. Und mit diesem Zeug soll meine Frau akm PC arbeiten und die Äuglein reiben? Aber gut: Gestern hat unser neues Katzenkind ihre erste Maus erlegt! Schreckensschrei aus dem Arbeitszimmer: Die Maus bewegt sich nicht mehr (USB-Zeigergerät funktioniert nicht richtig). Klar, Laptop-Mäuse haben ein extra dünnes Kabelchen, und zwei Kupferstränge waren knapps durchgebissen ;-) Besser, wir spielen die Kleine vorher müde ... Korken werfen und so.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.