Unterwegstelefon: Microsoft killt Kin

Microsoft stellt die Produktion seiner ersten eigenen Handys ein. Nur wenige Wochen nach der Markteinführung geht es den Modellen Kin One und Kin Two schon wieder an den Kragen. Künftig will sich der Konzern wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Microsoft-Smartphone Kin One: Nach zwei Monaten schon AltmetallZur Großansicht
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Microsoft-Smartphone Kin One: Nach zwei Monaten schon Altmetall

Mannomann Microsoft, das ging viel zu schnell. Nicht mal drei Monate hatten die beiden Kin-Smartphones Zeit, sich zu beweisen, da werden sie schon wieder eingestampft. Dabei hatte der Konzern die beiden Mobiltelefone Mitte April mit viel Geheimniskrämerei im Vorfeld und schließlich einem großen Presse-Event in San Francisco vorgestellt, wenige Wochen später zumindest in den USA in die Läden gebracht. Als Exklusivpartner hatte der Konzern den Netzbetreiber Verizon gewinnen können. Die Markteinführung in Europa war für den Herbst gemeinsam mit Vodafone geplant - doch daraus wird jetzt nichts.

Microsofts offizielle Stellungnahme: "Wir haben beschlossen, uns ausschließlich auf Windows Phone 7 zu konzentrieren und werden Kin nicht wie geplant im Herbst in Europa ausliefern. Das Kin-Team wird in das Windows-Phone-7-Team integriert und seine Ideen und Technologien in Windows Phone 7 und künftige Versionen von Windows Phone eingebaut. Wir werden unsere Zusammenarbeit mit Verizon in den USA fortsetzen, um gegenwärtige Kin-Handys zu verkaufen". Anders gesagt: Microsofts Mobiltelefone werden noch so lange verkauft, bis die Lager leer sind, danach ist Schluss.

Mit dieser Entscheidung verabschiedet sich Microsoft von etlichen Millionen Dollar, die in die Entwicklung der beiden Handys geflossen sind. Immerhin, so ist es dem Statement zu entnehmen, sollen einige der für Kin entwickelten Technologien in Windows Phone 7 Einlass finden. Dabei dürfte es in erster Linie um die Anbindung an Social Networks gehen, die als Kernkompetenz der beiden Handys angesehen wurde. Sie sollen automatisch Neuigkeiten aus Netzwerken wie Facebook, MySpace und Twitter sammeln und gemeinsam darstellen. Eigene Statusmeldungen sollen Kin-Anwender per Fingerzeig beispielsweise aus Fotos, Texten und GPS-Daten zusammenstellen.

Endstation Kin

Als übergeordneten Datenspeicher sollten sich Kin-Nutzer auf Cloud-Services, also an das Handy gekoppelte Online-Datendienste verlassen. Ähnlich wie zuvor bei den Sidekick-Handys sollte man also beispielsweise sein Adressbuch per Webbrowser pflegen und dann online mit dem Telefon abgleichen. Dabei wäre die Hardware wohl mühelos in der Lage, auch große Datenbestände zu organisieren, denn die Technik der Kins ähnelt der von Microsofts MP3-Player Zune HD.

Darüber, welche Gründe Microsoft nun veranlasst haben, so schnell den Stecker zu ziehen, kann man nur spekulieren. Zeichen, die auf eine Strategieänderung hindeuteten gab es viele. Unter anderem wurde der Preis der Kin-Handys in den USA drastisch gesenkt. Möglicherweise haben auch Microsofts Softwarekunden, Handy-Hersteller wie HTC und Samsung, Druck gemacht. Sie dürften wenig beglückt gewesen sein, als die Firma, der sie viel Geld für Handysoftware überweisen, plötzlich zu ihrem Konkurrenten wurde. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE hatte Microsoft-Chef Ballmer noch Anfang 2009 klar gesagt: " Es wäre auch schwierig für uns, selbst ein Handy zu bauen und gleichzeitig mit unseren Partnern zusammenzuarbeiten". Zu diesem Zeitpunkt dürfte das Kin-Team bereits an den beiden Microsoft-Handys gearbeitet haben.

Die Verlierer der Geschichte sind aber wie so oft die Kunden. Wer sich in den USA für den Kauf eines Kin-Handys entschieden hat, steht jetzt mit einem Gerät ohne Zukunft da, für das es keine Updates, keine Software-Verbesserungen und keine Apps geben wird. Endstation Kin, bitte alle aussteigen.

mak

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insgesamt 15 Beiträge
avollmer 01.07.2010
Da sollte man aber billig an ein Reserve-Smartphone kommen, zumindest in den USA. Preis dürfte sich Richtung 50$ bewegen. Leid tun können einem die Zubehörhersteller, da müssen palettenweise Covers, Taschen und ähnliches [...]
Da sollte man aber billig an ein Reserve-Smartphone kommen, zumindest in den USA. Preis dürfte sich Richtung 50$ bewegen. Leid tun können einem die Zubehörhersteller, da müssen palettenweise Covers, Taschen und ähnliches verramscht werden. Manches wird wahrscheinlich direkt im Recycling landen. Dann kann eine dunkle Kunststofffolie sagen, ich war ein Zebra-Cover für den Kin2.
Jochen aus F 01.07.2010
Es ist einfach nur unfassbar, was sich dieser Global Player so leistet.
Es ist einfach nur unfassbar, was sich dieser Global Player so leistet.
BadTicket 01.07.2010
Naja, die Handys sind so unbrauchbar wie die Betriebsysteme die aus Redmont kommen. Nur noch am Markt weil es alle einfach haben ohne die Alternativen mal an zu sehen...
Naja, die Handys sind so unbrauchbar wie die Betriebsysteme die aus Redmont kommen. Nur noch am Markt weil es alle einfach haben ohne die Alternativen mal an zu sehen...
Volker Hett 01.07.2010
Das war doch das Ding, dass dann so viel besser als iPhone und Android sein sollte. Mit all den tollen features des iPhone 2G. Kein cut&paste, kein Multitasking, keine frei Wahl der Programmiersprache (sogar weniger als beim [...]
Das war doch das Ding, dass dann so viel besser als iPhone und Android sein sollte. Mit all den tollen features des iPhone 2G. Kein cut&paste, kein Multitasking, keine frei Wahl der Programmiersprache (sogar weniger als beim iPhone) .....
meinefresse 01.07.2010
Angeblich wurden in den 6 Wochen weniger als 500 Stück verkauft (Quelle: SZ). Da würde ich auch schnell die Notbremse ziehen...
Angeblich wurden in den 6 Wochen weniger als 500 Stück verkauft (Quelle: SZ). Da würde ich auch schnell die Notbremse ziehen...
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  • Donnerstag, 01.07.2010 – 10:19 Uhr
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