Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gefährliches Gadget: USB-Stick grillt Computer

Vor dem sogenannten USB-Killer 2.0 sollte man sich in Acht nehmen: Mit überhöhter Spannung kann der Stick in Computern einen Kurzschluss verursachen, der Bauteile des Rechners regelrecht verschmoren lässt.

Spätestens seit dem Schadprogramm Stuxnet sollte bekannt sein, dass USB-Sticks für Computermanipulationen benutzt werden können. Zur Erinnerung: Weil die Rechner iranischer Atomaufbereitungsanlagen nicht mit dem Internet verbunden waren, war Stuxnet per USB-Stick in das System eingeschleust worden.

Ein von einem offenbar russischen Sicherheitsexperten entwickelter USB-Stick geht nun noch einen Schritt weiter: Statt nur eine Schadsoftware auf den PC zu kopieren, zerstöre der "USB-Killer 2.0" gleich die Hardware des Rechner, schreibt der Experte in einem Blogpost.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Mann, der sich online hinter dem Pseudonym "Dark_Purple" verbirgt, in einem Video:

Zu sehen ist in dem Clip ein normaler Laptop, in den ein unauffälliger USB-Stick eingestöpselt wird. Es dauert nur einen kurzen Augenblick, dann geht der Rechner aus. Kurz leuchtet noch einen Signallampe auf, dann war es das. Alle Versuche, ihn wiederzubeleben, scheitern.

Das Funktionsprinzip, nach dem der USB-Killer 2.0 arbeitet, hatte "Dark_Purple" schon im Frühjahr erklärt - das neue Modell ist schlicht eine leistungsstärkere Version. Statt Speicherchips hat er in den Stick mit Kondensatoren einen Spannungswandler eingebaut.

Der wandelt die fünf Volt, die USB bereitstellt, in eine höhere Spannung um. Zunächst waren es 110 Volt, beim USB-Killer 2.0 sind es 220 Volt. In einer Endlosschleife laden sich die Kondensatoren auf und entladen die erzeugte Überspannung zurück in die USB-Buchse. Genau diese Überspannung ist es, die die Bauteile im Rechner regelrecht grillt.

Nicht nur Computer sind potenzielle Ziele

Wie weit die negative Spannung in den Rechner vordringen kann, ist unklar. In einem Kommentar auf "Ars Technica" bezweifelt Sicherheitsexperte Joe FitzPatrick, dass die Festplatte und der Hauptprozessor von einem solchen Angriff beschädigt werden.

Das deckt sich mit Aussagen von "Dark_Purple", der in seinem Blogeintrag schreibt, dass er für den Laptop eine neue Hauptplatine bestellt habe, mit der er das Gerät reparieren wolle. Die Daten auf der Festplatte, so glaubt auch er, müssten wohl noch intakt sein.

Vor einem Datenverlust durch derartige Sticks muss man sich offenbar also nicht fürchten. Trotzdem ist es beängstigend, dass es so schnell und unauffällig möglich ist, einen PC lahmzulegen. Und nicht nur das: Grundsätzlich könnte sich jedes Gerät mit USB-Buchse auf diese Weise unbrauchbar machen lassen, auch Fernseher, Aktivboxen und Autoradios.

Umso besser, findet Joe FitzPatrick, dass "Dark_Purple" keine Details zur Konstruktion des USB-Killer 2.0 veröffentlicht hat. Eine Entwarnung ist das aber nicht. Ganz sicher tüfteln jetzt schon die ersten Nachahmer an ihren eigenen Killersticks.

mak

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. tja...
xvxxx 15.10.2015
man sollte halt nichts in den Rechner stecken von dem man die Herkunft nicht sicher kennt. Das gilt für Software wie für Hardware... Wieso übrigens so kompliziert? Einfach aus 2m auf Steinboden fallen lassen oder eine Tasse Kaffee hat dieselbe Wirkung und ist bei weitem leichter zu "implementieren" und beschädigt, je nach Bauart, sogar mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Platte / Daten.
2. Stuxnet
kurzschlussingenieur 15.10.2015
Das Stuxnetproblem war nicht das "Rechner" per USB infiziert wurden, sondern dass der Virus Siemens-SPSen infiziert hat, u.a. Regelparameter manipuliert hat und das auch noch verschleiert. Dagegen ist das einfache (zer)stören eines PCs über USB (oder jegliche andere Schnittstelle) absolut lächerlich und kein "Schrit weiter".
3. Sabotage
antidoping 15.10.2015
So ein Killer-USB-Stick eignet sich ja nur zur Sabotage; man wird ja kaum aus Versehen so etwas im Geschäft kaufen oder von Bekannten zugeschickt bekommen. Anders wäre es, wenn man einen Virus programmieren könnte, der auf dem PC oder Laptop die vorhandenen Kondensatoren nutzen könnte, um ähnliche Kurzschlüsse zu initialisieren.
4. Merkwürdiger Vergleich
dw13 15.10.2015
So ein "Killer-Stick" ist sicher geeignet für fiesen Vandalismus, aber irgendwie hinkt doch der Vergleich mit Stuxnet. Dabei ging es ja gerade nicht darum, direkt den Computer zu zerstören, in den der USB-Stick gestöpselt wurde, sondern unbemerkt das ganze Netzwerk zu infizieren und dann die Anlage zu zerstören. Von daher ist es doch ein bisschen albern, dem Tüftler zu attestieren "noch einen Schritt weiter" zu gehen als Stuxnet.
5.
touri 15.10.2015
Keine Sticks von Fremden in den Rechner stöpseln und fertig?! Sehe das Problem hier wirklich nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: