Fernwartung: Sicherheitslücke bedroht Hightech-Heizungen

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Mikro-Blockheizkraftwerk Vaillant ecoPower 1.0: Update per Speicherkarte Zur Großansicht
Vaillant

Mikro-Blockheizkraftwerk Vaillant ecoPower 1.0: Update per Speicherkarte

Hochmoderne Heizanlagen des deutschen Herstellers Vaillant haben ein Sicherheitsproblem - sie lassen sich übers Internet abschalten, womöglich beschädigen. Das notwendige Update kann nur von einem Techniker installiert werden. Bis der kommt, empfiehlt der Hersteller drastische Maßnahmen.

Mehrere hundert Kunden des Heizanlagenherstellers Vaillant haben in den letzten Tagen beunruhigende Post bekommen. In einem Infoschreiben forderte die Firma Betreiber von Heizungen des Typs ecoPower 1.0 dazu auf, am Steuergerät der Anlage das Netzwerkkabel abzuziehen. Der Grund für die ungewöhnliche Aufforderung ist eine Sicherheitslücke im sogenannten Systemregler, also der Steuereinheit der Anlage. Laut heise.de könnten Angreifer die Anlage via Internet abschalten und womöglich beschädigen.

Der Hersteller bezeichnet die ecoPower 1.0 als Familienkraftwerk. Im Grunde handelt es sich um die Miniaturausgabe eines Blockheizkraftwerks, das Heizwärme, Warmwasser und Strom zugleich erzeugt. Die Anlage kann nicht nur am Gerät selbst, sondern auch per iPad-App gesteuert werden. Außerdem lässt sie sich mit dem Internet verbinden. Damit haben Vaillant-Techniker die Möglichkeit zur Fernwartung und der Besitzer kann via Webbrowser Temperatureinstellungen ändern und die komplette Anlage, oder einzelne Komponenten, an- und abschalten.

Diese Option bereitet nun die Probleme. "Die BHKW-Infothek" berichtet, dass es Dritten möglich ist, sich über diese Schnittstelle gegenüber der Heizung als Besitzer, Techniker oder gar Entwickler zu identifizieren und die Einstellungen zu manipulieren. Laut heise.de ist es "sehr einfach, an die Klartext-Passwörter für den Fernzugriff" zu kommen. Vom Computer Emergency Response Team (CERT) der Bundesverwaltung wurde die Sicherheitslücke als "grundsätzlich kritisch" eingestuft.

Entdeckt hatte die Lücke im Februar der Besitzer einer ecoPower 1.0, dem ungewöhnlicher Datenverkehr aufgefallen war. Er hatte "Die BHKW-Infothek" informiert und gemeinsam mit dem Portal Vaillant benachrichtigt. Das Unternehmen habe daraufhin eine Arbeitsgruppe gebildet, die eine Lösung für das Problem erarbeitet hat, schreiben die Experten.

Sicherheits-Update durch Techniker

Anders als bei PC oder Smartphones lässt sich der Fehler in der Vaillant-Anlage aber nicht mit einem einfachen Update vom Anwender selbst beheben. Stattdessen ist ein Technikerbesuch fällig, bei dem die bisherige Betriebssoftware der Anlage durch eine neue Version ersetzt wird. Der Vorgang selbst erscheint simpel: Laut heise.de muss dazu lediglich die SD-Speicherkarte der Heizung ausgetauscht werden. Vaillants Rat einfach den Netzwerkstecker zu ziehen, ist eine sichere, wenn auch ungewöhnliche Methode, um bis dahin Fremde vom Rechenwerk der Heizung fernzuhalten.

Wie viele Anlagen von dem Problem betroffen sind, lässt sich nicht eindeutig beziffern. Insgesamt habe man bisher rund 800 der circa 16.000 Euro teuren ecoPower 1.0 verkauft, sagt Vaillant-Sprecher Jens Wichtermann SPIEGEL ONLINE. Die seien alle grundsätzlich per iPad steuerbar, das allerdings nur innerhalb des heimischen W-Lan. Der Webzugriff sei generell für Anlagen aktiviert, deren Besitzer einen sogenannten Vollwartungsvertrag abgeschlossen haben, der auch die Fernwartung enthält. Insgesamt handelt es sich dabei um 120 Nutzer. Unklar ist allerdings, wie viele Anlagen auch ohne einen solchen Wartungsvertrag mit dem Netz verbunden sind.

"Illegales Vorgehen"

Vaillant hält Befürchtungen für unbegründet, ein Angreifer könnte Schaden anrichten, indem er die Heizung beispielsweise bei Frost abschaltet oder im Sommer überheizen lässt. Man habe die Fernsteuerungsfunktionen ausgiebig getestet und könne nun "das mutwillige Erzeugen von unsicheren Betriebszuständen oder die Möglichkeit einer Beschädigung der Anlage ausschließen". Selbst wenn es gelingt die Heizung zu deaktivieren seien Frostschäden ausgeschlossen, "weil das obligatorische Zusatzheizgerät dies nicht zulässt", erklärt Vaillant-Sprecher Wichtermann.

Um potentiellen Eindringlingen künftig den Zugang zu den Heizanlagen unmöglich zu machen, will das Unternehmen es nicht nur bei einem Software-Update belassen. Stattdessen will man in den Anlagen zusätzlich eine VPN-Box installieren, über die der Netzzugang verschlüsselt hergestellt wird. Für Kunden mit Wartungsvertrag ist diese Ergänzung kostenlos, künftig soll sie Teil des Wartungspakets sein.

Ohnehin aber scheint man bei Vaillant davon auszugehen, dass niemand versuchen wird, die Lücke auszunutzen. Dazu müsste man "hohen Aufwand" betreiben und bräuchte "fortgeschrittenes IT-Fachwissen". Vor allem aber, so heißt es in einem Statement des Unternehmens, wäre dies ein "illegales Vorgehen". EcoPower-1.0-Nutzern, die sich trotzdem informieren möchten, stellt das Unternehmen unter 0800-9999-300 eine kostenlose Hotline zur Verfügung - von 8 bis 18 Uhr.

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Merkwürdig
spon-facebook-10000215408 16.04.2013
Fernwartung , Hacken, Steuerung durch den Anwender ...allles per Internet möglich. Aber ein simpler Softwareupdate nicht. Und ne SD-Karte verschicken die der Anwender wechselt geht auch nicht. Muss man das verstehen ??
2. drastische Maßnahme
whocaresbutyou 16.04.2013
Zitat von sysop... Das notwendige Update kann nur von einem Techniker installiert werden. Bis der kommt, empfiehlt der Hersteller drastische Maßnahmen. [url]
drastische Maßnahmen... den Internetstecker der Heizung ziehen... Ich hatte ja mit "ausschalten" oder "Notbetrieb" gerechnet, aber gleich die gesamte Heizung vom Internet trennen?? Drastisch... ;o)
3.
Thorongil 16.04.2013
Fachwissen vorausgesetzt wird sowieso niemand irgendwas damit machen wollen, denn es ist ja verboten. Niemand tut verbotene Dinge. Alles kein Problem.
4.
M. Michaelis 16.04.2013
Kleiner Vorgeschmack auf das was uns mit den sog. Power Grids bzw intelligten Stromnetzen droht. Viel Spass.
5. Na, wie schön:
OskarVernon 16.04.2013
Zitat von sysopOhnehin aber scheint man bei Vaillant davon auszugehen, dass niemand versuchen wird, die Lücke auszunutzen. Dazu müssten man "hohen Aufwand" betreiben und bräuchte "fortgeschrittenes IT-Fachwissen".
Da hat man im Hause Vaillant wohl nicht daran gedacht, dass solche Anlagen unabhängig von der Inanspruchnahme staatlicher Förderung meldepflichtig sind. Keineswegs auszuschließen also, dass die bloße Möglichkeit des Onlinezugriffs auf Steuerung und Nutzungsdaten obrigkeitliche Begehrlichkeiten weckt... oO
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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