Umstrittene Tablet-Produktion: So werden in China Apples iPads gebaut

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Wie sieht es wirklich in den chinesischen Fabriken aus, in denen Apples iPad zusammengebaut wird? Nachdem ein Radiobericht über Kinderarbeit und gefährliche Giftstoffe bei Apples Zulieferern als falsch entlarvt wurde, durfte jetzt ein Kamerateam die iPad-Produktion filmen.

Arbeit in der iPad-Fabrik: Alle paar Tage werden die Arbeitsplätze getauscht Zur Großansicht
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Arbeit in der iPad-Fabrik: Alle paar Tage werden die Arbeitsplätze getauscht

Die Produktionsstätten, in denen Apples Hightech-Gadgets gebaut werden, sind normalerweise für Außenstehende tabu. Nur wer dort arbeitet, darf dort hinein. Jetzt hat Apples wichtigster Zulieferer, der Foxconn-Konzern, eine Ausnahme gemacht. Der Journalist Rob Schmitz durfte sich in der größten Fabrik des Unternehmens umsehen - und das war kein Zufall.

Denn Schmitz, der Chef des Shanghai-Büros von Marketplace, einem Nachrichtenangebot der Nonprofit-Organisation American Public Media (APM), hatte aufgedeckt, dass ein kritischer Radiobericht über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn stark übertrieben war, einige darin genannte Details gar frei erfunden waren. Der verantwortliche Sender zog den Bericht zurück, der Autor gestand ein, sich bei seiner Schilderung nicht ganz an Fakten gehalten zu haben.

Schmitz durfte Foxconns Fabrik in Longhua, in der Industriestadt Senzhen, selbst in Augenschein nehmen. Fast eine Viertelmillion Menschen arbeiten dort, gut ein Fünftel von ihnen lebt auf dem Firmengelände. Genau das ist auch Schmitz bestimmender Eindruck: Wenn man das Firmengelände betritt, hat man nicht das Gefühl, in eine Fabrik zu gehen. Viel mehr erinnert ihn der Campus an eine autonome Kleinstadt, mit Bars, Restaurants, Sportplätzen, einem Schwimmbad und sogar einer eigenen Radiostation, "Radio Foxconn".

Hunderte stehen um Jobs an

Aber er hat auch Dinge gesehen, die ihn nachdenklich machten. Netze beispielsweise, die an allen Gebäuden angebracht sind. 2010 hatte eine Selbstmordserie den Konzern erschüttert, sein und Apples Image angekratzt. Mehrere Arbeiter hatten sich aus den Gebäuden zu Tode gestürzt.

Doch von dieser Verzweiflung ist jetzt nichts zu sehen. Stattdessen zeigt Schmitz lange Schlangen von Arbeitswilligen. 500 Menschen hätten an dem Tag des Videodrehs für einen Job bei Foxconn angestanden, berichtet er, viele davon seien aus dem Landesinneren angereist.

Dabei erscheint das Salär der Foxconn-Arbeiter aus westlicher Sicht immer noch bescheiden. 14 Dollar, so berichtet Schmitz in seinem kurzen Video aus der Fabrik, würde ein Arbeiter pro Tag verdienen. Und dabei kommen die Angestellten nicht ins Schwitzen, zumindest nicht in dem Zwei-Minuten-Film. Ansonsten sind darin Arbeiter zu sehen, die in sauberer Arbeitskleidung an Maschinen iPads zusammensetzen.

Ist Foxconns Fabrik also eine Insel der Glückseligkeit? Wohl kaum, denn in seinem "Reporter-Notizbuch" schreibt Schmitz auch über die andere Seite der Arbeit in der iPad-Fabrik. Dabei will selbst dann niemand ernsthaft klagen, als er die Arbeiter außerhalb der Fabrik und unbeobachtet von Vorgesetzten befragt. Verglichen mit dem Leben im verarmten Landesinneren ist ein Job bei Foxconn immer noch erstrebenswert, kann man da herauslesen.

Roboter statt Arbeitern

Und doch ist es auch stumpf und eintönig, wenn man tagelang ein und dieselbe Bewegung ausführen muss, klagen die Befragten. Am Schlimmsten aber seien die direkten Vorgesetzten, die Vorarbeiter, die ihre Herrschaftsbereiche offenbar wie kleine Königreiche regieren. Sie würden viel zu oft viel zu viele Überstunden anordnen und es ihren Untergebenen nicht erlauben, diese Mehrarbeit geltend zu machen.

Aber dagegen will Foxconn-Gründer Terry Gou bereits ein Mittel gefunden haben. Im Sommer 2011 kündigte er an, eine Million Roboter anschaffen zu wollen, die Routinearbeiten erledigen sollen. Langfristig wäre das billiger, als die steigenden Löhne der Heerscharen von Arbeitern zu bezahlen, die jetzt in den Fabriken Geräte zusammenschrauben.

Ob es denen aber recht wäre, durch Maschinen ersetzt zu werden, ist eine andere Frage. Für viele ist die Arbeit in einer der südchinesischen Fabriken eben immer noch besser als ein Dasein in Chinas ärmlicher Mitte. Aber auch daran arbeitet Foxconn schon: Die nächsten Fabriken, so Schmitz, sollen weiter im Landesinneren entstehen, näher dran an den Arbeitern. Und wohl auch näher dran an Arbeitern, die gewillt sind, zu noch niedrigeren Löhnen zu arbeiten als ihre Kollegen in den Fabriken im Süden.

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insgesamt 59 Beiträge
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1. Nachdenken
MasaGemurmel 12.04.2012
Bevor jetzt hier die große moralischen Predigten und Wertungen losgehen. Das was man da im Film sieht, ist die Arbeitsteilung in einer globalen Welt, wie sie seit Jahrhunderten, immer intensiver seit Jahrzehnten haben. Wer Apple, die Arbeitsbedingungen oder die Löhne da drüben kritisieren will, möge sich vorher überlegen, woher sein Pullover, sein Fernseher, seine Küchenmaschine oder Einzelteile seines Autos kommen. Unser ganzer Wohlstand beruht weitesgehend darauf, dass in Ländern wie China, Indien oder Regionen wie Latein-Amerika unsere Produkte, bzw. Produktteile billigst hergestellt werden. Wer sich mit dem Wissen immer noch darüber aufregt, dass die Menschen dort nur 14$ am Tag bekommen: a) Dort ist das Preisniveau insgesamt niedriger b) Würden die Menschen dort so bezahlt wie wir in Deutschland, wären die Produkte hierzulande unbezahlbar. Ergo, Sie haben die Wahl: A) Es bleibt so wie es ist. Wir müssen hierzulande ehrlicher zu uns selber und zu den Arbeits-Bedingungen in anderen Ländern stehen. B) Lohnangleichung, hieße aber auch (materielle) Wohlstandsangleichung (dort hoch, hier runter) C) Ein völlig neues Post-Wachstum-Wirtschaftsmodell P.S.: Ich bin für (C). Murmel.
2.
dale_gribble 12.04.2012
Zitat von MasaGemurmelWer sich mit dem Wissen immer noch darüber aufregt, dass die Menschen dort nur 14$ am Tag bekommen:
Bekommen die wirklich so viel?
3. Ich werde nie mehr jammern...
molesman 12.04.2012
...über gar nichts mehr. Wir sitzen hier fett auf unseren Sofas uns lassen uns von einer modernen Sklaverei zum Hungerlohn unsere kleinen Bespaßungsgeräte fertigen mit denen wir letztlich doch nur völlig unkreativ herumsurfen, daddeln oder Nackedeis angucken. Ich habe kein Ipad aber mir ist klar, dass es bei Samsung und Co. sicher nicht anders aussieht. Kein gutes Gefühl das mich da überkommt, aber ein bisschen wacher ist man schon wenn man sich das was eh offensichtlich sein sollte noch mehr bewusst wird. Und jetzt? Himmel, ich weiss es nicht. Was kann man als einzelner tun. Dankbar sein dass es einem gut geht, wertschätzen was man hat, das ist immerhin mal ein kleiner Schritt für einen selber.
4. Bevor es gleich wieder losgeht
michaelXXLF 12.04.2012
mit dem Apple-Bashing: Bei Foxcon lassen auch andere Firmen fertigen, u.a. Medion wenn ich mich recht erinnere.
5. Unabhängig von der Aussage...
teekaysevenfive 12.04.2012
...dieses Artikels nur eine Frage zur Richtigkeit: Kann es sein, dass wie im Artikel steht eine Viertel Million Menschen in der Fabrik arbeiten? 250.000 in Zahlen? Ich kann mir das nicht anders vorstellen als dass ich den Text entweder falsch verstehe oder der Autor hier enien Fehler gemacht hat.
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Mehr Pixel, mehr Speed: So sieht das neue iPad aus
Fakten zu Foxconn
Die Firma
Gründer und Chef von Foxconn ist der taiwanesische Unternehmer Terry Gou. Seine Hon Hai-Gruppe, deren Teil Foxconn ist, liefert Mobiltelefone, Smartphones, Computer und andere Produkte für viele Marken-Unternehmen, unter anderem Apple und Nokia. In der Regel tritt das Produktionsunternehmen Foxconn nicht unter eigenem Namen auf.

Insgesamt beschäftigt der Konzern rund eine Million Beschäftigte und ist damit einer der größten Industriekonzerne der Welt. 2010 erreichte der Umsatz knapp drei Billionen New Taiwan Dollar (NTD), umgerechnet ca. 77,1 Milliarden Euro, der Gewinn 77.1 Milliarden NTD (1,8 Milliarden Euro).
Lohn
Als Reaktion auf die Selbstmorde im vergangenen Jahr hat Foxconn den Mindestlohn nahezu verdoppelt. Arbeiter in Shenzhen erhalten nun eine Basisbezahlung von 1.750 Renmimbi pro Monat. Inklusive Überstunden können sie 2.500 bis 3.000 Rmb monatlich erwirtschaften (259 bis 310 Euro). Bei ca. 240 Arbeitsstunden pro Monat bedeutet das einen Stundenlohn von etwa 1,10 bis 1,30 Euro.

Diese Bezahlung reicht auch nach Einschätzung der Kritiker-Organisationen wie Make IT Fair und Sacom aus, den Lebensunterhalt einer einzelnen Person zu decken, der in Shenzhen etwa 2.700 Rmb koste. Sie argumentieren allerdings, schon das Basisentgelt müsse diese Lebenshaltungskosten decken. Wegen des niedrigen Mindestlohns seien die Arbeiter gezwungen, Überstunden zu leisten. In den neuen Fabriken in Chengdu liegen die Verdienste um 20 bis 30 Prozent unter dem Niveau von Shenzhen. Dort würden die Lebenshaltungskosten nicht einmal mit Überstunden erreicht, sagen die Kritiker.
Arbeitszeit
In den neuen Foxconn-Fabriken in Chengdu arbeiten die Beschäftigten sechs Tage pro Woche in zwei täglichen Zwölf-Stunden-Schichten. Der Sonntag ist frei. Acht Stunden täglich werden normal bezahlt. Hinzu kommen zwei bezahlte, obligatorische Überstunden und zwei Stunden unbezahlter Pausen. Die bezahlte Arbeitszeit summiert sich damit auf etwa 60 Stunden pro Woche, 240 Stunden monatlich.
Kritiker
Seit der Selbstmordserie 2010 stehen Foxconn und Apple unter verschärfter Beobachtung von Nichtregierungsorganisationen wie Germanwatch in Deutschland, Somo in den Niederlanden und Sacom aus Hong Kong. Die Kampagne "Make IT fair" setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Produktion von iPhones und iPads ein. Am 7. Mai 2011 fand ein weltweiter Aktionstag statt. Die Kritiker riefen die Verbraucher auf, sich in den Geschäften, die Apple-Produkte anbieten, nach den Zuständen bei Foxconn zu erkundigen.


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