Ein Journalist der chinesischen "Shanghai Evening Post" hat sich eigenen Angaben zufolge als Mitarbeiter in eine Foxconn-Fabrik eingeschlichen, um über die Arbeitsbedingungen bei der Produktion des neuen iPhones zu berichten. In der Zeitung veröffentlichte er Tagebucheinträge, die seine zehn Tage in einer Fabrik in Taiyuan dokumentieren. Der Text ist in einer rohen Englisch-Übersetzung über das Übersetzungsprogramm von Google zu lesen oder - etwas lesbarer - bei MIC Gadget, ebenfalls nur auf Englisch.
Der Journalist schreibt über seine Einarbeitung in der Fabrik, über die Kantine und die Unterbringung. "Die erste Übernachtung im Foxconn-Wohnheim war ein Alptraum", heißt es in dem Bericht, "der ganze Schlafsaal stinkt nach Müll." Im Schrank habe er Kakerlaken gefunden, die Bettwäsche sei verdreckt gewesen.
In seinem Vertrag habe er sich wie alle anderen Arbeiter zur Geheimhaltung technischer Details verpflichten müssen, im Abschnitt über mögliche Gesundheitsrisiken der Arbeit habe das Management die Neuen angewiesen, stets das Kästchen "nein" anzukreuzen.
"Es mag euch nicht behagen, wie wir euch behandeln", soll der Ausbilder gesagt haben, "aber es ist alles zu eurem Besten." Man solle sich einfach an die Anweisungen halten. Eine Stellungnahme von Foxconn zu den Vorwürfen liegt derzeit nicht vor.
"Ihr solltet euch geehrt fühlen, das iPhone produzieren zu dürfen"
Erst am achten Tag kam der Journalist seinem Bericht zufolge in die Produktion, eine Fließbandarbeit in Nachtschicht, bei der es wohl darum ging, das neue iPhone herzustellen, dem derzeit eine Fangemeinde auf der ganzen Welt ungeduldig entgegenfiebert. "Das ist die Rückplatte des noch unveröffentlichten iPhone 5", sagte dem Bericht zufolge ein Vorgesetzter, "ihr solltet euch geehrt fühlen, das produzieren zu dürfen."
Der Journalist selbst habe ausschließlich mit diesen Abdeckungen der Telefon-Rückseite zu tun gehabt. Alle drei Sekunden sei eine neue Platte zu ihm gekommen, auf die er mit einem Spezialstift vier Punkte markieren sollte. Aufseher hätten ihn gescholten, weil er dabei zu viel getropft habe. Es habe keine Pausen gegeben, dafür die Aufforderung zu schlecht bezahlten Überstunden, sobald die Schicht vorüber gewesen sei. Der Journalist schreibt, von den monotonen Bewegungen habe er zu diesem Zeitpunkt schon starke Schmerzen in Rücken und Armen gehabt.
Foxconn nicht zum ersten Mal in der Kritik
Mitten in der vorfreudigen Berichterstattung zu einem möglichen neuen iPhone dürften Foxconn und Apple über den unschmeichelhaften Bericht wenig erfreut sein. Der Apple-Zulieferer Foxconn ist bereits mehrfach wegen schlechter Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen geraten; erst im Mai gelobten Apple und der Elektronikhersteller, die Bedingungen in den Fabriken zu verbessern. Die Kosten dafür wollten die beiden Unternehmen unter sich aufteilen, hieß es im Frühling. Erst vor wenigen Tagen hatte die englischsprachige chinesische Zeitung "Shanghai Daily" berichtet, Foxconn zuliebe würden Universitätskurse ausgesetzt und Studenten zur Arbeit gezwungen, weil es für die iPhone-Produktion an Arbeitskräften mangele. Foxconn widersprach kurz darauf: Bei den studentischen Arbeitskräften habe es sich um Praktikanten gehandelt, die den Betrieb jederzeit hätten verlassen können. Nur 2,7 Prozent der 1,2 Millionen Foxconn-Mitarbeiter in China seien Schüler und Studenten - immerhin 32.000. Zur Begleitung der Teilzeit-Arbeitskräfte würden "Lehrkräfte von den Schulen abgestellt", die "während des gesamten Praktikums" anwesend seien.
Ob sich die Bedingungen in Taiyuan seit den ersten kritischen Berichten verbessert haben, kann der kurze Einblick des Undercover-Journalisten nicht beantworten. Doch im Tagebuch in der "Shanghai Evening Post" geht es auch nicht allein um die Arbeit, sondern maßgeblich auch um den Alltag auf dem Fabrik-Campus. Das Gelände ist offenbar eine eigene kleine Stadt, zu der unter anderem Geschäfte, ein Kino, eine Bibliothek oder ein Spielplatz gehören. Doch der Artikel zeichnet ein düsteres Bild von der Freizeitgestaltung: In der Spielhalle seien zwei Drittel der Geräte kaputt, im Kino sei nicht mehr zu sehen gewesen als das Standbild eines Besprechungsraums. Einziger Lichtblick: eine wöchentliche Tanzveranstaltung, bei der die Arbeiter ihren Stress etwas abbauen und sich endlich gegenseitig kennenlernen könnten.
juh
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