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16. Juni 2012, 17:37 Uhr

Hightech-Gerüchte

Microsoft und Nokia verapplen die Hightech-Branche

Microsoft will am Montag etwas Wichtiges ankündigen, vorsichtshalber erst nach Börsenschluss. Auch Nokia plant für Montag eine Enthüllung. Gibt es neue Windows-Smartphones oder ein eigenes Tablet? Und was hat das alles mit der Cloud zu tun? Darauf gibt es erste Hinweise.

Alle mal hergehört: Microsoft hat Journalisten kurzfristig für Montag zu einem Event in Los Angeles eingeladen, eines, das man dem Konzern zufolge besser nicht verpassen sollte. Angesetzt ist das Treffen für 15.30 Uhr Ortszeit, beginnen wird es wohl um 16 Uhr - die Börsen an der Ostküste haben da bereits geschlossen. Wo es stattfinden wird, ist bisher nicht bekannt.

Ein Windows-Tablet werde angekündigt, wollen "The Wrap" und "All Things D" in Erfahrung gebracht haben. Microsoft stelle einen eigenen Flachrechner vor, der mit einer speziellen Version des neuen Windows 8 für ARM-Prozessoren laufe, genannt Windows RT. Anfang des Jahres wurde eine erste Beta veröffentlicht. Um was für ein Tablet es sich genau handeln könnte, darüber gibt es bisher nur Spekulationen.

Apples iPad hat in der aktuellen dritten Version ein hochauflösendes Display, im Firmenjargon Retina-Display genannt. Andere Hardware-Hersteller haben bisher kein vergleichbares Produkt im Angebot, auch hinsichtlich Akkuleistung hinkt die Konkurrenz, die mit Googles Mobil-Betriebssystem Android läuft, hinterher. Das iPad lässt sich in diesem Tablet-Segment derzeit über den Preis angreifen, nicht über die Technik.

Nicht Apples iPad, sondern Amazons Kindle könnte im Visier von Microsoft stehen, schreibt etwa Mary-Jo Foley auf "ZDNet". Amazon hat mit dem Kindle Fire ein günstiges Tablet im Angebot, im Prinzip einen besseren E-Reader mit Farb-Touchscreen. Ende April hatten die größte US-Buchhandelskette Barnes & Noble und Microsoft eine Kooperation angekündigt, 300 Millionen Dollar investierte der Konzern in den Nook, den E-Reader von Barnes & Noble.

Yammer und Nokia

Die Kombination aus Hardware, Software und Medien-Kaufhaus wäre jedenfalls ein erstrebenswertes Ziel für Microsoft. Sowohl Apple, Amazon als auch Google bieten eigene Geräte und eigene Shops für Inhalte an. Microsoft hat sich hingegen aus dem Hardware-Geschäft weitgehend zurückgezogen, zuletzt hatte der Konzern versucht, einen MP3-Player namens Zune gegen Apples iPod zu positionieren - ohne Erfolg.

Neben Windows RT könnte auch die Phone-Version von Windows 8 eine Rolle spielen. Ebenfalls auf "ZDNet" wird spekuliert, Microsoft könne Windows Phone weiteren Herstellern zur Verfügung stellen.

Außerdem sorgt der Termin nach Börsenschluss für Spekulationen. Wäre das nötig für eine simple Hardware-Ankündigung? Außerdem halte sich Microsoft sonst eher mit einem Ausdruck wie "bedeutende Ankündigung" zurück, schreibt etwa "Business Insider". Dort wird vermutet, es könne um Yammer gehen, die in San Francisco beheimatete Softwarefirma. Yammer bietet Unternehmen ein internes soziales Netzwerk an, ein Facebook für die Firma. Ford und Ebay gehören zu den Kunden.

Microsoft will mit den Cloud-Dienst Yammer Berichten zu Folge für 1,2 Milliarden Dollar übernehmen - wann aber der Deal offiziell über die Bühne geht, ist unklar. Das "Wall Street Journal" will von informierten Personen außerhalb der Firma erfahren haben, dass es bis dahin noch eine Weile dauern könnte. Montag jedenfalls sei es demnach noch nicht so weit.

Und was ist mit dem angeschlagenen Handy-Hersteller Nokia - kauft Microsoft den Hersteller des wichtigsten Windows-Phones vorsichtshalber gleich selbst? Oder liefert das Unternehmen das Microsoft-Tablet? Darauf gibt es bisher keine Hinweise. Dabei hatte Nokia selbst zunächst für Rätselraten gesorgt und ebenfalls für Montag etwas angekündigt.

Nokia deutet neues Smartphone an

Doch Nokias Montag-Termin hat offenbar nichts mit Microsoft zu tun. Die beiden Fotos, die das Unternehmen auf seine US-Facebookseite stellte, geben einen deutlichen Hinweis. Zum einen handelt es sich um das Foto eines alten Synthesizers vom Typ Roland TR-808, zum anderen um eine Karte von Hawaii, Telefonvorwahl 808. Nokia hat ein aktuelles Handy namens 808 PureView im Sortiment, das bisher nicht in den USA erhältlich ist.

Das Smartphone mit 41-Megapixel-Kamera hatte der Konzern auf dem Mobile World Congress Anfang des Jahres in Barcelona erstmals vorgestellt. Auf dem 808 PureView läuft ein aktuelles Symbian-Betriebssystem, vom Unternehmen Nokia Belle genannt - und nicht etwa Windows Phone wie beim Nokia Lumia 800. Das Lumia hat einen Snapdragon-Prozessor von Qualcomm, eine wichtige Voraussetzung für Windows Phone.

Das 808 PureView wird hingegen von einem ARM-Prozessor mit einem Kern angebtrieben. Das Display besitzt mit 640 x 360 Pixeln eine vergleichsweise magere Auflösung - und erfüllt damit nicht die Hardware-Anforderungen für die Windows-ARM-Version. Die sieht eine Auflösung von mindestens 1366 x 768 Pixel vor. Ein 808 PureView mit Windows-Betriebssystem ist deshalb nicht zu erwarten.

ore

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