Watson IBM öffnet seinen Superrechner für jeden

Watson hat schon Gameshows gewonnen, nun holt ihn das Arbeitsleben ein: IBM will den Superrechner in der Cloud zur Verfügung stellen. Über Schnittstellen sollen Firmen, Programmierer und Bildungseinrichtungen seine Fähigkeiten anzapfen.

Superrechner Watson auf der CeBIT 2011: IBM plant mit einer Nachfolgeversion Cloud-Dienste anzubieten
DPA

Superrechner Watson auf der CeBIT 2011: IBM plant mit einer Nachfolgeversion Cloud-Dienste anzubieten


Auch Stars müssen arbeiten - erst recht, wenn ihr Ruhm langsam verblasst. Das gilt sogar für berühmte Superrechner wie den Computer Watson. Die Firma IBM hat nun angekündigt, den durch die Gameshow "Jeopardy" berühmt gewordenen Großrechner im Internet schuften zu lassen: Watson soll nach seiner Karriere im Fernsehen und einigen Job-Angeboten im Gesundheitswesen nun der Allgemeinheit Rede und Antwort stehen, als an die Cloud angebundener Dienstleister.

IBM will damit beim Cloud-Computing mitmischen und mit den Konkurrenten Amazon, Google und Microsoft mithalten, berichtet die New York Times. Denn Watson ist besonders gut darin, Zusammenhänge zu finden, und könnte hier seine Stärken beweisen. Das lernende System kann große Datenmengen verarbeiten und Verbindungen sehen. Für die Interaktion mit Menschen ist das von großem Vorteil. Daher wurde auch Mitte des Jahres bekannt, dass IBM Watson darüber nachdenkt, ihn als eine Art Callcenter-Mitarbeiter einzusetzen.

Smartphones und Apps könnten beim neuen Einsatzgebiet des Rechners als eine Art Schnittstelle dienen, sobald Watson über das Internet für alle zur Verfügung steht. Das System könnte schnell und auch auf menschliche Sprache zugeschnitten reagieren, Daten aufbereiten und präsentieren. Schon das Watson-Modell, das bei "Jeopardy" zum Einsatz kam, demonstrierte das meist eindrucksvoll. Nur vereinzelt blamierte sich der Rechner in der US-Gameshow mit weniger geistreichen Antworten. Das gesamte Duell gegen die menschlichen Meisterspieler konnte er aber für sich entscheiden.

Aus der Gameshow ins Ärztezimmer

Auch in der Medizin sieht IBM schon seit längerem einen Anwendungsbereich für das Computersystem. So laufen bereits Versuche, die Fähigkeiten von Watson in der Diagnose einzusetzen. Vor allem in der Krebserkennung und auch Behandlung könnte der lernende Computer Ärzte mit seinem Überblick unterstützen. Mit der angekündigten Programmschnittstelle (API) plant IBM aber neuen Kunden Zugang zu Watson zu geben. Unklar ist allerdings noch, wie IBM den Cloud-Service von Watson finanziell nutzen will und nach welchen Modellen zukünftig Anfragen abgerechnet werden sollen.

Die im Internet verfügbare Nachfolgeversion von Watson soll zudem aus kleineren Paketen bestehen, die bei Bedarf zusammengeschaltet werden können. Statt Tausenden Prozessoren und einem Arbeitsspeicher im Terabyte-Bereich wie noch zu Watsons Fernsehzeiten sollen nun Einheiten mit einigen Dutzend Prozessoren und Hunderten Gigabyte Arbeitsspeicher in der Datenwolke ihren Dienst verrichten.

 kpg

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romaval 18.11.2013
1. Und das was dann
angefragt wird verschwindet irgendwo auch bei einem US Geheimdienst. Nur abzuraten.
Abraxas77 18.11.2013
2. Abkürzung
für die NSA. IBM als US Firma ist den Sicherheitsgesetzen dort 100% unterworfen, also ist davon auszugehen dass jegliche Daten eine Kopie in den NSA Rechenzentren haben. Wird nett wenn dann Kliniken und oder Ärzte in Europa anfangen das zu nutzen. Da kann man dann die NSA Dossiers noch mit netteren Daten füttern.
galaxy2525 18.11.2013
3. Dann kann man die Daten und Programme
gleich zur NSA senden oder "auf die Straße" werfen, damit es jeder lesen kann. Dies ist nichts anderes als ein Trojanisches Pferd, so dass auch die USA an wissenschaftliche und technische Erkenntnisse kommen. Denn wer hat diese in all den letzten Jahren in den USA erarbeitet ? Waren dies wirilich US-Amerikaner oder waren dies Wissenschaftler und Techniker, die z.B. als Gastprofessor in den USA waren usw. Oder wer hat eigentlich die Entwicklung des GM Chevy Volt gemacht, genau dies waren mehrheitlich Opel Mitarbeiter aus Rüsselsheim, die dann in die USA gesandt wurden, um dies umzusetzen. Die Europäer sollten endlich erkennen, das sie sich auf ihre Stärken besinnen und nicht ihr Wissen kostenlos an die USA abliefern, damit die USA die Welt dominieren können bzw. das Imperium spielen können.
anja-boettcher1 18.11.2013
4. Aus Datenschutzgründen,
müsste es deutschen Versicherungen (vor allem Kranken- und Rentenversicherungen), Ämtern, Ärzten, Apothekern, Bildungseinrichtungen, Energie- und Wasserversorgern, kurz allen denen wir Daten als Bürger geben müssen und allen, die Grundversorgung leisten, verboten werden US und britische Clouddienste zu nutzen. Und dies müssten unsere Repräsentanten auch langsam LAUT ARTILULIEREN. Wer sein Intimleben über Facebook rauspustet, mag selber schuld sein. Aber jeder der sonst mit unseren Daten hantiert, muss dafür haften müssen, was mit ihnen geschieht. Wenn wir als Bürger grundsätzlich das Gefühl haben müssen, dass der Feind, der uns ja nun zu Angriffszielen ("targets") erkoren hat, immer mithört, verliert unsere Demokratie jede Glaubwürdigkeit.
spon_1861263 18.11.2013
5. Mithalten?
"IBM will damit beim Cloud-Computing mitmischen und mit den Konkurrenten Amazon, Google und Microsoft mithalten," - IBM ist im Cloud-Hosting mit weitem Abstand die Nummer 1 vor Amazon und anderen. Bevor IBM da mithalten kann, müssten die anderen erstmal aufholen.
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