Sensory Fiction MIT-Studenten entwickeln fühlbares Buch

Mehr Action und ein intensiveres Leseerlebnis versprechen junge US-Forscher. Sie haben ein Buch entwickelt, dessen Handlung der Leser körperlich spüren kann. Ein Projekt, dem ein ähnliches Schicksal droht wie 3-D-Filmen.

"The Girl who was Plugged In": Das erste Buch bei dem man wirklich mitfühlt
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"The Girl who was Plugged In": Das erste Buch bei dem man wirklich mitfühlt


Boston - Eine Gruppe von Studenten am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) will Lektüre zu einem körperlich fühlbaren Erlebnis machen. Als Abschlussarbeit des Kurses "Science Fiction to Science Fabrication" (das ließe sich grob übersetzen mit: "Zukunftsmusik wird Zukunftsprodukt") haben sie eine Technik entwickelt, die sie als "Sensory Fiction" ("Sinnliche Literatur") bezeichnen. Es ist ein Buch, das seinen Leser körperlich mitnimmt, in die Welt des Protagonisten der Geschichte, die er gerade liest.

Das Resultat soll jedenfalls ein anderes sein, als es das Erleben eines Buches beim herkömmlichen Lesen bietet. In ihrer Projektbeschreibung erklären die Studenten, ein mit Sensory Fiction hergestelltes Buch würde seinem Leser Emotionen und Gefühle nicht wie gewohnt mit Worten und Bildern vermitteln.

Stattdessen soll "eine Kombination vernetzter Sensoren und Aktuatoren" dem Autor eines solchen Buches neue Möglichkeiten an die Hand geben, eine Handlung, Stimmungen und Gefühle zu vermitteln. Dabei soll dem Leser doch Raum für Phantasie bleiben.

Wie das funktionieren soll, zeigt ein Video, in dem eine Studentin eine Art Korsett trägt, das aus Kompressionskissen, Wärmeplatten und Vibrationsmotoren besteht. Daran angeschlossen ist das erste speziell für das tragbare Lesegerät geschriebene Buch, in das nicht nur Lautsprecher integriert sind, sondern in dessen Umschlag außerdem 150 programmierbare LEDs eingebaut sind, von denen das Umgebungslicht an die jeweilige Szene im Buch angepasst werden kann.

Die Geschichte mit dem Titel "The Girl who was Plugged In" ist offenbar quasi um die Fähigkeiten des klobigen Gerätegerüsts herumgeschrieben worden, "handelt von Liebe, Verzweiflung, der Freiheit des Sonnenscheins in Barcelona und Gefangenschaft in einem tiefen, feuchten Keller".

Man kann sich grob vorstellen, wie etwa die Kompressionskissen beim Lesen ein Gefühl der Beklemmung auslösen oder ein wenig Wärme Passagen unterstützt, in denen liebevolle Gedanken geschildert werden. Kaum vorstellen aber kann man sich, dass man die klobige Konstruktion der MIT-Studenten gerne tragen würde.

Aber noch ist das Fühlbuch ja auch nur ein Studentenprojekt und weit entfernt davon, ein echtes Produkt zu werden. Und vielleicht ist das ja auch gut so. Denn solchen Fühlbüchern könnte ein ähnliches Schicksal drohen wie 3-D-Filmen, denen man oft attestieren muss, vor allem eine Aneinanderreihung aufregender Effekte zu sein, um die eine Story herumgebaut wurde.

mak

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
tam_venceremos 30.01.2014
1. Juhu,
jetzt wird einem das 'Denken' also selbst beim Lesen vorgeschrieben. Bei einem guten Buch braucht man nichts weiter als seine eigene Fantasie, damit erlebt man die besten und aufregendsten Geschichten. Aber selber denken ist bei diesen 'Studenten' wohl nicht mehr erwünscht.
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