Technik im Vorgarten Alles schläft, einsam brennt

In den USA sind sie oft zu sehen, hier sorgen sie noch immer für Verwunderung: Weihnachtshäuser. Hinter den leuchtenden Fassaden steckt jede Menge Technik - und im bayerischen Olching auch ein geplatzter Lebenstraum.

Von

Moritz Stadler

Manfred Piringer wollte es einfach wissen: "Habe ich das Zeug dazu, Leute zu unterhalten?" Kurz zuvor war er herb enttäuscht worden: Ein Jahr Arbeit hatte er in Businesspläne gesteckt, ein Investor war gefunden, ein Grundstück hatten sie auch schon im Auge, doch aus dem Traum, einen eigenen Freizeitpark in Österreich zu eröffnen, sollte dann doch nichts werden. Zehn Jahre ist das jetzt her. "So richtig habe ich mich davon heute noch nicht erholt", sagt Piringer. "Aber das hier ist schon so eine Art Ersatzbefriedigung."

"Das hier" entstand, als Piringer beschloss, es noch einmal wissen zu wollen. Weil aus dem Park nichts wurde, baute er seinen Vorgarten aus. Nicht ganzjährig, sondern zur Weihnachtszeit. Nicht in seiner Heimat Österreich, sondern im oberbayerischen Olching.

Seitdem beginnt die Weihnachtszeit für Piringer vier Wochen vor Halloween. Wenn im 20 Kilometer entfernten München die Oktoberfestzelte abgebaut werden, baut der gebürtige Wiener in Olching seine Show auf. Dann verlegt er kilometerweise Kabel, hängt Lichterketten in die Bäume und holt die LED-Rentiere aus dem Schuppen. Er verwandelt seinen Vorgarten in der tristen Wohnsiedlung in wochenlanger Arbeit in eine bunt blinkende Weihnachtswelt. Mit Schnee- und Weihnachtsmännern, Engeln und natürlich mit Musik.

Rund 25.000 Lämpchen im Vorgarten: Bei Hausnummer 8 wird es abends hell
Moritz Stadler

Rund 25.000 Lämpchen im Vorgarten: Bei Hausnummer 8 wird es abends hell

"Es sind ungefähr 25.000 Lichter, 150 Steckeinheiten, gesteuert von einem Computer", erklärt Piringer. Die Stromkosten seines Hobbys kenne er nicht genau, er habe aber durch Dimmer und LED-Lichter den Stromverbrauch um 70 Prozent reduzieren können.

Die Beleuchtung ist ohnehin nur Kulisse für seine Shows. Alle zwei Jahre entwickelt er ein komplett neues Programm. Dieses Jahr geht es um Freundschaft und um einen Zirkusdirektor, der sein Herz an einen magischen Spiegel verkauft hat, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. "Eine Mischung aus André Heller, Cirque du Soleil und Circus Roncalli" schwebt Piringer vor. Mit wesentlich kleineren Mitteln, aber nicht mit weniger Hingabe. 3500 Euro investiert Piringer in so eine Show. Er arbeitet als freiberuflicher Kameramann, in den Urlaub fährt er kaum.

Jedes Wochenende Shows - die Nachbarn sind tolerant

In der Adventszeit gibt es an jedem Wochenende eine halbstündige Weihnachtsshow, Freitag, Samstag, Sonntag von 17 bis 19 Uhr, immer zur vollen Stunde. Bis zum 27. Dezember geht das so, in der Woche von Heiligabend sogar täglich. "Ich habe zum Glück Nachbarn, die sehr tolerant sind", sagt Piringer. Kinder hat er nicht.

Als er am Abend vor das Publikum in seiner Garagenauffahrt tritt, ist gegen die helle Beleuchtung seines Hauses nur ein Umriss sichtbar. Schwarze Lederjacke, die dunkle Schirmmütze tief heruntergezogen. Der Vollbart und die Brille tun ihr Übriges, um das Gesicht fast vollständig zu verbergen. Piringer inszeniert Shows, nicht sich selbst.

Zehn Zuschauer sind gekommen, "eher wenig", findet Piringer. Aber es geht ihm weniger um die Menge der Leute, er will die volle Aufmerksamkeit der Anwesenden. Wenn sich Besucher während der Show über andere Themen unterhalten, stört ihn das. Als während der Show ein Wagen vor der Einfahrt stehenbleibt, weil die Insassen neugierig geworden sind, geht er hin und bittet sie, entweder auszusteigen oder zu fahren. Volle Aufmerksamkeit, bitte.

Vollautomatisches Showprogramm

Sobald er die Show startet, läuft der größte Teil vollautomatisch ab. Alle Kabel laufen im Kellerfenster zu einem dicken Wulst zusammen, Dimmer regeln die Stromzufuhr, Licht- und Toneffekte werden automatisch eingespielt. Piringer nutzt für sein Weihnachtsspektakel die kostenlose Open-Source-Software "PC Dimmer".

Hinter den Kulissen: Die Kabel laufen durch ein Kellerfenster ins Haus
Moritz Stadler

Hinter den Kulissen: Die Kabel laufen durch ein Kellerfenster ins Haus

Die Stimmen seiner Figuren spricht er selbst ein, er hinterlegt sie mit Musik und programmiert die Lichteffekte. Während der Vorstellung steuert er nur ein paar Kleinigkeiten per Hand, die Nebelmaschine zum Beispiel, oder den Motor, der einen Schneemann im Fesselballon an einem Seil bewegt.

Ein kleiner Junge im Publikum ist davon so fasziniert, dass er Piringer nach der Vorstellung bittet, das noch einmal zu wiederholen. Der fährt daraufhin mit leuchtenden Augen den Schneemann auf und ab durch seinen Garten. "Sehen Sie", sagt er, "und dafür mach ich das alles."



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
yhz 24.12.2015
1. Netter Versuch
da sieht man mal den Unterschied zwischen USA und Deutschland. Jedefalls ist Deutschland in diesem Bereich noch ein richtiges Entwicklungsland und auch noch sehr piefig. https://www.youtube.com/watch?v=IXieGSAdj4s https://www.youtube.com/watch?v=ziXYL6sXVm8 https://www.youtube.com/watch?v=Qynnodm7scg https://www.youtube.com/watch?v=_2e1w3gPkms https://www.youtube.com/watch?v=DQkH_SmqScY
Baal 24.12.2015
2. Es ist einfach
Zitat von yhzda sieht man mal den Unterschied zwischen USA und Deutschland. Jedefalls ist Deutschland in diesem Bereich noch ein richtiges Entwicklungsland und auch noch sehr piefig. https://www.youtube.com/watch?v=IXieGSAdj4s https://www.youtube.com/watch?v=ziXYL6sXVm8 https://www.youtube.com/watch?v=Qynnodm7scg https://www.youtube.com/watch?v=_2e1w3gPkms https://www.youtube.com/watch?v=DQkH_SmqScY
nur schön gemacht, gerade weils nicht professionell hergestellt ist. Piefig ist es m.E. nicht. Ich wünsche Herrn Piringer und seinen Zuschauern ein schönes Weihnachtsfest! P.S Natürlich macht man in den USA alles größer, perfekter und klinisch reiner als im Rest der Welt. Nur ist es darum liebenswerter? Frohe Weihnachten.
bloub 24.12.2015
3.
der grossteil der deutschen ist sicher froh, in dem punkt entwicklungsland zu sein und auch zu bleiben.
Rengel75 24.12.2015
4. Völlig ausreichend
Für meinen Geschmack völlig ausreichend, man muss nun ja nicht wirklich alles aus den USA übernehmen.
donostia-sansebastian 24.12.2015
5. solala
Na ja, wenn man's braucht und schön findet. Unnötig eher oder ein Spielfeld für Selbstdarsteller?
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