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Neues Betriebssystem: Was bei Windows 10 anders ist (und wie man diese lästigen Kacheln wegkriegt)

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Microsoft hat aus dem 8er-Debakel gelernt und will es nun mit seinem neuen Windows 10 allen recht machen: Tablet-Nutzern ebenso wie PC-mit-Maus-Enthusiasten und Systemadministratoren. Und das kommt dabei heraus.

Windows 10? Ernsthaft? Ja, Microsoft meint es ganz ernst damit, dass der Nachfolger von Windows 8 eine Versionsnummer überspringt und die Nummer 10 zugewiesen bekommt. Ein Windows 9 wird es nicht geben. Eine offizielle Begründung dafür gibt es nicht. Man könnte mutmaßen, dass es darum geht, bei der Nummerierung nicht den Anschluss an Apple zu verlieren. Die Kalifornier werden in Kürze ihr neues OS X Yosemite veröffentlichen - mit der Versionsnummer 10.10. Vielleicht hat die Entscheidung aber auch damit zu tun, dass die Zahl 9, auf Englisch ausgesprochen, dem deutschen Wort "Nein" doch sehr ähnelt.

Im Netz löste der abrupte und unerwartete Versionssprung eine Reihe mehr oder weniger ernstgemeinter Kommentare zu Microsofts Zahlensystem aus. Software-Entwickler Andy Lincoln etwa schreibt: "Das sind die Windows-Versionen: 1, 2, 3, NT, 95, 98, ME, 2000, XP, Vista, 7, 8 und jetzt 10. Microsoft kann eindeutig nicht zählen." Twitter-User The Numbered Sparky sieht das anders. Er zählt nur die tatsächlich bedeutsamen Windows-Versionen und kommt zu dem Schluss, dass Windows 10 nach Windows 3.1, 95, 98, 2000, ME, Server 2003, XP, Vista, 7 und 8 das zehnte echte Windows ist.

Bemerkenswert ist, dass Microsoft sich bei der Vorstellung des neuen Windows ganz auf die Bedürfnisse von Firmenkunden konzentrierte. Nachvollziehbar ist dieser Schritt, denn Unternehmen brauchen lange und müssen viel investieren, wenn sie von einem etablierten Windows auf eine neue Version umsteigen wollen. Sie müssen sicherstellen, dass das neue System ihre Anforderungen erfüllt und dass alle benötigten Programme laufen. Außerdem müssen Mitarbeiter geschult und möglicherweise neue Hardware angeschafft werden.

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Microsofts neues Betriebssystem: Das ist Windows 10
Ein Viertel läuft noch mit XP

Das alles kostet Zeit und Geld. Zwei Faktoren die dazu geführt haben, dass viele Firmen immer noch mit Windows XP arbeiten, für das Microsoft den Support eingestellt hat. Aktuellen Zahlen von Net Applications zufolge läuft das alte Windows immer noch auf einem Viertel aller PC. Windows 8 kommt dagegen nur auf zwölf Prozent Marktanteil.

Einer der Gründe für den mangelnden Umsteigewillen dürfte die für viele immer noch ungewohnte und schwer bedienbare Kacheloberfläche namens Metro sein, die mit Windows 8 eingeführt wurde. Sie sollte Microsofts System mit Touchscreens bedienbar machen. Da aber bisher nur vergleichsweise wenige Anwender tatsächlich entsprechende Rechner gekauft haben, ist Metro für viele eher ein Hindernis als ein Hilfsmittel. Microsoft reagierte, indem mit Windows 8.1 die Möglichkeit geschaffen wurde, das System direkt in den Desktop starten zu lassen, statt in die Kacheloberfläche.

Mit Windows 10 werden die Prioritäten nun wieder neu verteilt. Zumindest die Vorschauversion, die Microsoft-Manager Joe Belfiore am Dienstagabend zeigte, startet grundsätzlich in einen Desktop, wie man ihn von Windows 7 kennt, mit Desktop-Symbolen und Startmenü. Letzteres wurde allerdings überarbeitet und ist jetzt eine Mischung aus alt und neu. Neben der bekannten Startmenü-Struktur wurde ein Freiraum an das Startmenü angeflanscht, den der Anwender selbst mit häufig benötigten Programmsymbolen bestücken kann. Im Grunde handelt es sich um eine Miniaturausgabe von Metro.

Screenshot aus Windows 10: So sieht das neue Startmenü aus Zur Großansicht
DPA

Screenshot aus Windows 10: So sieht das neue Startmenü aus

Die Rückkehr der Kommandozeile

Eine weitere wichtige Änderung ist, dass Apps künftig grundsätzlich in Fenstern laufen und nicht mehr den gesamten Bildschirm für sich reklamieren. Wobei man sie natürlich immer noch auf Bildschirmgröße aufziehen kann. So wie man das von früher kennt. Teilweise soll das sogar automatisch geschehen, beispielsweise wenn man bei einem sogenannten Convertible-PC die Tastatur abnimmt.

Eins für alle: Microsoft-Manager Terry Myerson erklärt, wie Windows 10 auf unterschiedlichen Geräten funktioniert Zur Großansicht
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Eins für alle: Microsoft-Manager Terry Myerson erklärt, wie Windows 10 auf unterschiedlichen Geräten funktioniert

Letztlich hört sich das nach einer eleganten Lösung an, die Bedürfnisse von Desktop- und Tablet-Nutzern unter einen Hut zu bringen. Denn das gehört ohnehin zu den Zielen: Windows 10 soll auf vielen verschiedenen Geräten laufen, auf der Xbox ebenso wie auf Smartphones, Tablets und PC. Das soll es Anwendern erleichtern, sich einzugewöhnen, und Entwicklern die Möglichkeit geben, Apps so zu programmieren, dass sie auch auf all diesen Geräten laufen.

Trotzdem treibt Microsoft derzeit die Priorisierung des Desktop voran. So lassen sich in Windows 10 mehrere Desktops einrichten, zwischen denen man im Betrieb umschalten kann. Mehr Übersicht beim Multitasking soll der Task-View-Button bringen, der alle geöffneten Apps verkleinert nebeneinander anzeigt, so dass man bequem von einem Programm zum anderen umschalten kann. Mac-Anwender kennen das als Mission Control. Für großes Staunen sorgte die Ankündigung, dass auch ein ganz alter Bekannter mit Windows 10 eine Renaissance erleben soll: Die Kommandozeile, das letzte Überbleibsel der DOS-Ära, wird zurückkehren. Ein Feiertag für Windows-Profis, die das System gerne und schnell mit Tastaturbefehlen herumscheuchen.

Kann man das auch ausprobieren?

Wer das neue Windows jetzt schon ausprobieren will, bekommt bald die Gelegenheit dazu. Eine sogenannte Technical Preview von Windows 10 wird ab dem 1. Oktober gegen 18 Uhr bereit stehen. Zu den Systemvoraussetzungen dieser Vorab-Software hat der Konzern sich bisher nicht geäußert. Wer neugierig ist und sich darauf einlassen will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass es sich hierbei um eine unfertige Software handelt, die noch Fehler enthalten kann (und wird) und möglicherweise nicht mit jeder Software und jedem Gerät kompatibel ist. Besser ist es, so etwas auf einem PC zu installieren, den man nicht für die tägliche Arbeit braucht.

Mehr Schreibtisch wagen: Windows 10 bietet die Möglichkeit, mehrere virtuelle Desktops anzulegen Zur Großansicht
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Mehr Schreibtisch wagen: Windows 10 bietet die Möglichkeit, mehrere virtuelle Desktops anzulegen

Das fertige Windows 10 wird später kommen, als es in Gerüchten bisher angenommen worden war. Im Januar, so viel ließ man durchblicken, will Microsoft weitere Informationen zum Windows-8-Nachfolger bekannt geben und sich dann ganz auf die Bedürfnisse von Privatanwendern konzentrieren. Einen genauen Starttermin für die finale Version nannte der Konzern bisher aber nicht. Sicher ist, dass die Software erst deutlich nach Microsofts turnusmäßiger Entwicklerkonferenz Build erscheinen wird, also nach dem April 2015.

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insgesamt 142 Beiträge
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1. Metro?
zyndstoff 01.10.2014
Der Fachautor scheint nicht ganz auf der Höhe derZeit. Metro hieß schon vor der Einführung von Win 8 nicht mehr Metro, sondern Modern UI. Den Rest des Artikels habe ich aufgrund offensichtlicher Inkompetenz des Verfassers nicht mehr gelesen.
2. Pc
ChristofPfeiffer 01.10.2014
..dafür gibts es Virtualisierungslösungen.
3.
Vergil 01.10.2014
"Vielleicht hat die Entscheidung aber auch damit zu tun, dass die Zahl 9, auf Englisch ausgesprochen, dem deutschen Wort "Nein" doch sehr ähnelt. " Amüsant. Wirklich amüsant. Ja, das englische "nine" "ähnelt" "doch sehr" dem deutschen "Nein". Oder weniger gewunden: Es wird gleich ausgesprochen. Aber das heißt doch nicht, dass auch nur ein einziger Amerikaner beim Anblick der "9" oder beim Aussprechen von "Windows nine" an das deutsche "nein" denken würde!
4. Genauso wie bei Windows Vista lernt Microsoft jetzt aus dem Debakel
random5342452 01.10.2014
nur um es dann beim nächsten Betriebssystem wieder zu verbocken. Also Windows 11 wird wieder in die Hose gehen und Windows 12 wieder gut, oder heißt es dann Windows 13? Wobei die Zahl 13 abergläubische Menschen abschrecken könnte, also nennen wir es lieber Windows 14.
5. In wenigen Worten
der_diskutant 01.10.2014
Normalerweise bin ich mit meinen 26 Jahren und der spielerischen Auseinandersetzung mit Computern seit ca. 20 Jahren echt nicht rückwärtsgewandt, aber eines geht mir echt auf die Nerven: Dieses Flat-Design und der Hang zum Touch-Huppifluppi! *würg*
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