Streitgespräch zu Windows 10 Jetzt noch schnell gratis installieren?

Nur noch wenige Tage, dann endet Microsofts Angebot, kostenlos auf Windows 10 umzusteigen. Andreas Albert und Matthias Kremp haben unterschiedliche Ansichten, ob ein Upgrade jetzt sinnvoll ist.

SPIEGEL ONLINE

Viel Zeit bleibt nicht mehr. Nur noch bis zum 29. Juli kann man das Upgrade auf Windows 10 kostenlos bekommen. Wenige Tage später, am 2. August, will Microsoft das erste große Update seines neuen Betriebssystems freigeben, das sogenannte Anniversary Update.

Wer diese Frist verpasst, muss künftig tief in die Tasche greifen. Für Windows 10 Home wird Microsoft 135 Euro verlangen, Windows 10 Pro soll 279 Euro kosten. Erfahrungsgemäß werden die Straßenpreise deutlich unter diesen Preisempfehlungen liegen.

Wer also jetzt noch schnell gratis umsteigt, kann gegenüber einem späteren Upgrade eine Menge Geld sparen. Zudem bekommen alle Nutzer, die das Windows-10-Upgrade bis zum 29. Juli installieren, auch das Anniversary Update nach dessen Erscheinen kostenlos. Die wichtigsten Neuerungen, die das erste große Update für Windows 10 mitbringt, können Sie in dieser Fotostrecke sehen:

Aber ist das Upgrade überhaupt sinnvoll? Lohnt sich der Umstieg auf Windows 10 für Nutzer von Windows 7 und Windows 8.1 wirklich? Andreas Albert und Matthias Kremp haben diskutiert:

Matthias Kremp: Ob man das kostenlose Upgrade auf Windows 10 machen soll? Für mich war die Antwort ganz klar ja, als das System vor einem Jahr auf den Markt kam. Schon deshalb, weil auf meinen Rechnern noch Windows 7 lief. Daran hatte ich mich zwar gewöhnt, aber das Support-Ende ist abzusehen, ab 2020 wird es nicht mal mehr Updates gegen neue Sicherheitslücken geben. Das Gratisangebot ist die beste Möglichkeit, die Haltbarkeit meiner alten Hardware zu verlängern.

Andreas Albert: Gratisangebot schön und gut, aber diese Offerte hat einige Haken. Windows 10 läuft auf deiner alten Hardware? Bei mir und bei vielen anderen hat das leider nicht geklappt. Das fängt mit meiner alten TV-Karte an, die seit sechs Jahren ihren Dienst tut. Außerdem müsste die Grafikkarte erneuert werden, und zum Schluss würde sogar mein Fernseher dran glauben müssen, den ich als Monitor benutze. Der ist auch schon alt und löst höchstens mit 1024 x 720 Pixeln auf.

Matthias Kremp: Was die Kompatibilität mit alter Hardware angeht: Zugegeben, ganz so alt wie dein PC sind meine Notebooks mit vier und fünf Jahren nicht. Und auf einige spezielle Hardware-Treiber musste ich monatelang warten, was an den jeweiligen Herstellern lag. Trotzdem liefen beide Rechner von Anfang an mit Windows 10. Für mich waren es die bisher einfachsten Windows-Updates.

Andreas Albert: Ich habe seit Windows 3.11 alle Versionen bis Windows 7 mitgenommen. Ich habe sogar die Millennium Edition auf einem Notebook installiert und Vista gegen Kritiker verteidigt - schließlich kann man die Häufigkeit der Sicherheitsnachfragen einschränken. Aber Windows 7 war das bisher beste Betriebssystem von Microsoft - und das wird es für mich auch bleiben. Ich bin damit rundum zufrieden. Hinzu kommt, dass unter Windows 10 wichtige Software nicht mehr funktioniert. Dass es kein Media Center mehr gibt, finde ich einen Skandal.

Matthias Kremp: Das Media Center gehörte ja schon bei Windows 8 nicht mehr zum Standard-Lieferumfang, sondern musste hinzugekauft werden. Dass es aus Windows 10 komplett gestrichen wurde, kann ich verschmerzen. Umso mehr, als man die Funktionen des Media Center heute problemlos mit anderer, modernerer Software nutzen kann. Hast du mal Media Portal ausprobiert? Zum Abspielen von Videos benutze ich sowieso schon seit Jahren nur noch den VLC-Player.

Andreas Albert: Das Mediacenter nimmt zuverlässig auf, und ich kann per Fernbedienung durch meine Mediathek scrollen. Warum sollte ich ein System aufgeben, das gut funktioniert? Mir reicht schon, dass ich mir nächstes Jahr eine neue DVB-T-Karte kaufen muss für den neuen Standard - hoffentlich hält der ein bisschen länger. Mein Rechner ist ja inzwischen auch fast zehn Jahre alt.

Matthias Kremp: Einer der großen Vorteile von Windows 10 ist doch, wie das System mit Updates versorgt wird und wie es damit umgeht. Zum einen muss man nicht mehr jahrelang warten, bis eine neue Version mit neuen Funktionen kommt, Windows 10 soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Das erste solche Update erschien im November 2015, der nächste Schritt ist das Anniversary Update, das am 2. August kommt. Und zwischendurch wird man ständig mit kleinen Updates versorgt, die Sicherheitslücken abdichten oder Fehler beseitigen.

Andreas Albert: Zugegeben, das ist ein guter Punkt. Ich habe bei mir die automatischen Updates eingestellt, die es auch schon seit Vista gibt. Die Funktion soll vor allem Sicherheitslücken schließen. Ich brauche aber keine weiteren neuen Funktionen. Gerade bekam ich einen Newsletter, dass mein Onlinebanking-Programm mit dem Jubiläums-Update von Windows 10 nicht mehr funktionieren wird. Ich will mir aber nicht dauernd neue Software kaufen müssen. Mein Outlook 2007 funktioniert so gut, als wäre es 2016 herausgekommen.

Matthias Kremp: Eine Funktion, auf die man gar nicht mehr verzichten will, wenn man sich daran gewöhnt hat, ist Cortana. Warum soll ich mir mühsam selbst Informationen im Netz zusammensuchen, wenn das auch die sprachgesteuerte Assistentin erledigen kann? Für Windows 7 und 8 gibt es so etwas nicht einmal zum Nachrüsten, die Systeme sind einfach zu alt.

Andreas Albert: Auf Cortana kann ich verzichten. Dann tippe ich halt in meine Suchmaschine ein, was ich finden will. Nenne mich altmodisch, aber sprechen muss ich mit meinem Rechner noch nicht. Zwar ist Cortana praktisch, und auch bei Vorhersagen soll sie ganz gut funktionieren. Aber bisher komme ich gut ohne sie zurecht.

Matthias Kremp: Wie lange willst du eigentlich noch auf moderne Software verzichten? Wie wäre es mit einem Webbrowser, der Flash abschalten kann, um Strom zu sparen? So wie Edge in Windows 10. Und würdest du dich nicht auch lieber mit deinem Gesicht oder einem Fingerabdruck am PC anmelden, statt immer dein Passwort einzutippen?

Andreas Albert: Mit meinem Fingerabdruck habe ich mich schon mal bei Vista an meinem Rechner angemeldet. Das war okay, die Funktion wurde aber in Windows 7 wieder abgeschaltet, weil sie zu unsicher war. Du hast recht, Passwörter sind ein Gräuel, und inzwischen sind die alternativen Verfahren viel sicherer als früher, aber auch hier muss ich sagen: Mein Passwort für den PC kenne ich inzwischen im Schlaf, und das Tippen geht auch recht flott von der Hand.

Matthias Kremp: Lass das bloß die bösen Jungs nicht hören. Du weißt doch genau, dass man seine Passwörter regelmäßig ändern sollte. Aber da dein PC schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, hast du wohl kein großes Interesse an aktuellen Computerspielen. Wenn sich das ändern sollte, wärst du auf Windows 10 angewiesen. Die Spieletechnologie DirectX 12, die in Zukunft viele PC-Games voraussetzen werden, gibt es nur für das neue Windows.

Andreas Albert: Ich spiele tatsächlich nicht am Computer. Klar, wenn du viel spielst, brauchst du öfter neue Hard- und Software. Dann führt wohl kein Weg an Windows 10 vorbei. Eigentlich gefällt mir Kacheloptik mittlerweile auch ganz gut. Sie wirkt aufgeräumt und ist besonders für Touchscreen-Geräte optimal geeignet. Aber ich habe keinen Touchscreen-PC, also keinen Bedarf.

Matthias Kremp: Hast du Windows 10 denn überhaupt schon mal ausführlich ausprobiert? Zumindest testweise solltest du es auf deinen PC loslassen, kostet ja - noch - nichts. Allein wie viel schneller es startet als seine Vorgänger, ist beeindruckend. Und wenn es dir trotzdem nicht gefällt, kannst du es innerhalb von 30 Tagen wieder rückstandslos entfernen und weiter dein altes Windows 7 benutzen.

Andreas Albert: Ich habe damals Windows 8 probehalber installiert - nichts funktionierte mehr. Und die Neuinstallation hat mich einige Nerven gekostet. In vielen Foren findest du Beispiele von Nutzern, die Windows 10 installiert haben und wieder zurück wollten - auch das lief offenbar in einigen Fällen nicht problemlos ab. Wenn ich jetzt schon weiß, dass meine alten Programme und Hardware nicht mehr laufen, dann versuche ich das gar nicht erst - gratis hin oder her.

Wie stehen Sie zu Windows 10? Wollen Sie umsteigen oder sind Sie es schon? Oder bleiben Sie bei einer alten Version? Oder nutzen Sie überhaupt kein Windows? Schreiben Sie es uns in den Kommentaren.



insgesamt 283 Beiträge
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dimax 21.07.2016
1. Das Kernproblem wird gar nicht angesprochen
Windows 10 ist eine Art Smartphone wuf dem PC/Laptop und meldet, alles, was der User tut, an die Datenbanken von Microsoft. Alles, wie ein Keylogger-Programm. Diese Datensucht lässt sich vielleicht umständlich irgendwie einschränken, aber nicht abschalten. Mircrosoft kann das machen, ich mache das nicht mit. Zur Not auf ein Linux-System (schon mal früher ausprobiert, das sah eigentich besser aus als alles, was MS bislang hatte). Die künstlich erzeugte Terminnot ist als Marketing-Trick bestens bekannt und natürlich sowieso nicht ernst zu nehmen. Ist der Termin vorüber, kommen die nächsten verlockenden Sondernangebote, die natürlich dann immer "nur noch 78 Stunden" gültig sind. Oder in Packages gratis. Microsoft 10 ist mit seinem "Überwachsungscharkter" das Betriebssystem für Naive.
wo_st 21.07.2016
2. Farben!
In manchen älteren Programmen werden die Farben in Menüs und Infoflächen schlecht dargestellt, da kommt schon mal weiße Schrift auf weißem Hintergrund vor. Einstellen kann man das fast nicht. Wer Windoofs 10 braucht soll sich ärgern.??
Fragende_Leere 21.07.2016
3. Tja: eine Reihe von Features sind bei Windows 10 integriert
die es sonst so auf dem Markt auch schon gab. Für mich ist die Frage ob jetzt noch umstellen lohnt, irgendwie nicht beantwortet. Und wenn 7 noch bis 2020 läuft, wären die 80 bis 135 €, die 10 dann kosten wird auch verschmerzbar.
andi5lebt 21.07.2016
4. Für PC spieler (leider) Pflicht. Sonst sehe ich keine Vorteile.
Gäbe es das Thema Spiele und directx12 nicht, sähe ich keinerlei Sinn in oder Motivation für einen Wechsel. Eine andere (nicht notwendigerweise bessere) Bedienung in einem ansonsten weitgehend identischen Betriebssystem. Ich habe es tatsächlich installiert und getestet und relativ schnell wieder auf Win7 zurückgepatcht. Ich hatte kein großes Problem, aber viele kleine Nervereien und eben keinerlei erkennbaren Vorteil im Gegenzug.
jujo 21.07.2016
5. ...
Ich bin kein Experte, habe mich aber umgehört bei Leuten die es besser wissen, keiner ist umgestiegen. Die für mich überzeugende Begründung war, das Mcrosoft noch längere Zeit W7 upgradet, wenn das vorbei ist, ist auch ein neuer PC fällig. Dann sind auch die Kinderkrankheiten von W10 vorbei.
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