Um an die heranzukommen, braucht man freilich eine Internetverbindung. Die stellt Windows 7, zumindest bei unserem Test per DSL, ohne jede Nachfrage selbst her, sofern es über einen Router mit dem Netz verbunden ist. Bei Notebooks mit W-Lan-Anbindung zeigt das System alle verfügbaren Netze an und stellt, gegebenenfalls nach Eingabe des W-Lan-Passworts, eine drahtlose Verbindung her.
Ebenso einfach wie sich Windows 7 mit dem Internet anfreundet, macht es sich auch im Heimnetz bekannt. Über die Funktion "Heimnetzgruppe" stellt es ohne weiteres Zutun ein Netzwerk bereit, über das sich Windows-7-Computer zusammenschließen lassen. Auch mit XP- oder Vista-Rechnern klappt das einwandfrei. Auch in einem heterogenen Netzwerk mit Macs und PC funktionierte die Kommunikation problemlos.
Netzwerkfestplatten hingegen erkennt Windows 7 problemlos und spielt auch darauf gespeicherte Musik und Filme klaglos ab. Nutzt man solche Speicher oder hat seine digitalen Daten auf mehrere Rechner verteilt, kommt eine Funktion zum tragen, die eines der großen Highlights des neuen Windows ist: Bibliotheken. Diese neuen Datensammler sind praktisch, übersichtlich und nützlich zugleich. Direkt nach der Installation enthält das System nur vier Bibliotheken, die letztlich bloß auf die Ordner für eigene Bilder, Videos, Musik und Dokumente verweisen.
Ihre wahre Stärke spielen Bibliotheken aber erst aus, wenn man selbst welche einrichtet. Dann nämlich kann man Daten aus verschiedenen Quellen in einem dieser "Über-Ordner" zusammenfassen. Ein Beispiel: In meinem Heimnetzwerk ist digitale Musik auf verschiedenen Macs, einem PC und überdies auf einer Netzwerkfestplatte gespeichert. Normalerweise ist es quasi unmöglich, diese verschiedenen Musiksammlungen im Blick zu behalten. In einer Windows-7-Bibliothek konnte ich nun aber sämtliche Musikordner zusammenfassen. Das Bestechende daran: Man kann sich den gesammelten Inhalt einer solchen Musikbibliothek beispielsweise nach Interpreten oder Alben sortiert anzeigen lassen, unabhängig davon, wo die Musik tatsächlich gespeichert wird. Verschoben werden die Dateien dabei nicht, in den Bibliotheken liegen lediglich Verweise auf die Originaldateien. Im Gegensatz etwa zu iTunes, das im Prinzip ähnliche Funktionen enthält, merkt jede Bibliothek auch, wenn sich in untergeordneten Ordnern etwas ändert - also beispielsweise ein Song dazukommt. Das gleiche Prinzip funktioniert auch für Texte, Fotos oder andere Dateitypen.
Verweise auf aktive Programme und Fenster werden übersichtlicher als zuvor in der neuen Taskleiste verwaltet. Die zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie Miniaturen der zu jedem laufenden Programm gehörenden Fenster anzeigt. So findet man schnell zu einem bestimmten Window, auch wenn gerade mehrere Programme parallel mit etlichen geöffneten Fenstern den Arbeitsspeicher besiedeln. Einziger Haken: Sind in einem Browserfenster mehrere Seiten in verschiedenen Reitern (Tabs) geöffnet, wird in den Miniaturen nur die jeweils vorderste Seite angezeigt.
Was war noch mal Windows Vista?
Man will ein Programm fest in der Taskleiste verankern, um es künftig schneller starten zu können? Mit zwei Mausklicks ist das erledigt. Ein Beispiel dafür, wie sehr man sich bei Windows 7 offenbar bemüht hat, die gefühlte Geschwindigkeit des Systems zu erhöhen, indem alltägliche und wiederkehrende Aufgaben schneller erledigt werden können.
Schneller als Vista ist Windows 7 nicht geworden, zumindest nicht deutlich - so legen es Benchmark-Tests von Fachzeitschriften nahe. Aber selbst das kann man als Fortschritt verbuchen, erinnert man sich daran, wie sehr der XP-Nachfolger bei seiner Einführung mit überhöhten Hardware-Anforderungen genervt hat. Windows 7 gibt sich da bescheidener, soll selbst auf einem Ein-GHz-PC noch rund laufen.
Und damit fällt auch das letzte Argument der Update-Verweigerer: Selbst auf älteren Rechnern und schwachbrüstigen Netbooks ist das neue Windows lauffähig. Wer sich bisher - aus guten Grund - sträubte, auf Windows Vista umzusteigen, kann den Umstieg auf Windows 7 bedenkenlos wagen. Zumal sich das neue Betriebssystem - sofern das eigene Vista auf dem neuesten Stand ist - einfach übers alte darüberinstallieren lässt. Ordnerstrukturen, Dateien und zum Teil sogar Programme werden einfach übernommen. Der Umstieg von Windows XP erfordert etwas mehr Planung.
Ganz billig wird das aber nicht. Selbst für die billigste Upgrade-Version gibt Microsoft einen Listenpreis von 120 Euro an. Ein Schnäppchen können allerdings Studenten machen, denen das Upgrade bis zum 28. Februar 2010 für 35 Euro angeboten wird. Nur zum Vergleich: Apple bietet das Upgrade auf Mac OS X 10.6 Snow Leopard für 30 Euro an - für jedermann.
Trotzdem: Windows 7 hat das Potential, ein Erfolg zu werden. Zum ersten Mal hat man das Gefühl, Microsoft habe bei einem neuen Betriebssystem wirklich an die Anwender gedacht, zum ersten Mal macht ein neues Windows auf Anhieb Spaß. Auf neuen PC und Notebooks wird Windows 7 ohnehin ab dem 22. Oktober Standard sein. Das unrühmliche Windows Vista hingegen dürfte bald vollkommen in Vergessenheit geraten und Platz machen für einen Nachfolger, der das Windows ist, das Vista eigentlich sein sollte - endlich.
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