Windows-Updates Microsoft stellt Sprachassistentin für Handys vor

Microsoft buhlt um seine Kundschaft. Auf der Entwicklerkonferenz Build stellte Manager Joe Belfiore jetzt Neuerungen für Windows 8 und Windows Phone vor. Das charmanteste Gadget hat man bei der Konkurrenz abgeguckt.

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AP/dpa

San Francisco - Diese Veranstaltung erforderte Sitzfleisch. Drei Stunden dauerte die Keynote, mit der Microsoft seine Entwicklerkonferenz Build in San Francisco einläutete. Ein Ausblick auf Windows 9 war erwartet worden, doch den gab es nicht. Stattdessen liefert der Konzern reichlich Updates, die seine Windows-Betriebssysteme einerseits vom Touchscreen befreien, sich ihm andererseits anpassen sollen.

Das Highlight war jedoch die neue sprachgesteuerte Assistentin Cortana für das Windows-Phone-Betriebssystem, mit der Microsoft zu Google und vor allem Apple aufschließen will. Die Art, wie Windows-Manager Joe Belfiore die Fähigkeiten von Cortana demonstrierte, erinnerte in weiten Teilen daran, wie Apple 2011 sein Siri präsentierte.

Genau wie Apples Technik reagiert Cortana auf umgangssprachliche gesprochene Befehle und beantwortet diese auch so. In der Präsentation machte die Funktion einen guten Eindruck. Man kann sie beispielsweise nutzen, um Kalendereinträge zu diktieren, Anrufe einzuleiten, Apps zu starten oder Wissen abzufragen. Die Treffsicherheit soll dabei verbessert werden, indem man in einer Art Notizbuch persönliche Vorlieben und Interessen definiert. Hinter Cortana steht die Datenbank des Microsoft-Suchdienstes Bing.

Interessant: Cortana kann auch kontextbezogene Hinweise geben, etwa, um an Gesprächsthemen zu erinnern, wenn man mit einer bestimmten Person spricht. Allerdings funktionierte nicht alles, was Belfiore mit Cortana zeigen wollte, wie geplant. Aber das muss man verzeihen, das System steckt noch in der Betaphase. Ein Wermutstropfen: Cortana wird es vorerst nur in den USA geben. Später solle die digitale Assistentin auch in Großbritannien und China nutzbar sein. Von weiteren Ländern war nicht die Rede.

Windows Phone 8.1

Neben Cortana zeigte Belfiore ausführlich das neue Windows Phone 8.1, das "in den nächsten Monaten" als Update für diverse Geräte verteilt werden soll. Neue Handy-Modelle, auf denen es bereits installiert ist, sollen schon Ende April erscheinen. Zu den Neuerungen gehört ein als First Look bezeichneter Sperrbildschirm, der so modifiziert werden kann, dass aktuelle Informationen auf unterschiedliche Weise darauf angezeigt werden können. Als Beispiele dienten diagonale und kreisrunde Darstellungsformen.

Weitere Neuerungen, die das Update bringt:

  • Der Startbildschirm kann mit eigenen Hintergrundbildern hinterlegt werden.
  • Im Action Center werden aktuelle Nachrichten aus verschiedenen Apps wie E-Mail oder Facebook zusammengefasst.
  • Eine neue virtuelle Tastatur soll schnelleres Schreiben ermöglichen, indem man über die Buchstaben wischt, statt sie anzutippen. Eine Technik, die an die Android-App Swype erinnert.
  • Per VPN kann man sichere Verbindungen zu entfernten Firmennetzwerken herstellen.
  • E-Mails können wahlweise per S/MIME verschlüsselt werden.

Neue Nokia-Smartphones

Nokia-Chef Stephen Elop kündigte passend zum neuen Handy-Windows das Lumia 930 an, ein Highend-Smartphone mit 2,2-GHz-Prozessor, Fünf-Zoll-Display, Wireless-Charging, 20-Megapixel-Kamera, einem Metallrahmen und natürlich Windows Phone 8.1. Das Gerät soll ab Juni zuerst in Europa auf den Markt kommen und 500 Dollar zuzüglich Steuern kosten.

Deutlich billiger werden die Lowcost-Modelle Lumia 630 und 635, sie kommen dagegen mit austauschbaren Kunststoffhüllen. Mit dem Lumia 630 führt Nokia zudem sein ersten Dual-Sim-Windows-Handy ein. Als Antrieb dienen Quadcore-Prozessoren. Außerdem soll ein sogenannter Sensorcore stromsparend beispielsweise Schritte zählen. Eine Technik, die an den M7-Chip im iPhone 5s erinnert. Verkaufsbeginn soll im Mai sein, die Preise liegen bei 159 bis 189 Dollar plus Steuern.

Windows 8.1 Update 1

Für den 8. April hat Belfiore das Windows 8.1 Update 1 angekündigt. Es kommt also zeitgleich mit dem Support-Ende von Windows XP. Die Software, die der Manager auf einem Desktop PC mit Tastatur und Maus, aber ohne Touchscreen zeigte, ist im Wesentlichen ein Rückbau vieler Windows-8-Neuerungen. Unterschiede zwischen alten Windows-Programmen und neue Windows-Apps sollen damit ausgeglichen werden. So erscheinen Windows-8-Apps jetzt auch im Task Bar und bekommen einen Minimieren-Knopf, damit man sie schnell aus dem Blickfeld entfernen kann.

In die entgegensetzte Richtung zielt eine neue Office-Version. Sie wurde so modifiziert, dass sie leichter auf Touchscreens zu bedienen ist als bisherige Versionen der Bürosoftware. Das optische Erscheinungsbild erinnert stark an das Office für iPad, das Microsoft vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. In puncto Veröffentlichungstermin für das neue Windows-Office hieß es nur schwammig, es komme "in diesem Jahr".

Microsoft versucht intensiv, seine verschiedenen Plattformen und deren unterschiedliche Bedienkonzepte zusammenzubringen. So kündigte der Konzern auf der Build auch neue Software an, mit der sich Apps so programmieren lassen sollen, dass sie auf Windows-Handys, -Tablets, -PC und der Xbox gleichermaßen laufen.

Geschenke für Entwickler

Zum Schluss gab es noch zwei Überraschungen. Zum einen wurde angekündigt, dass Hersteller künftig nichts mehr an Microsoft zahlen müssen, wenn sie Windows auf Handys und Tablets installieren, die kleiner sind als 9 Zoll. Dasselbe soll für Geräte gelten, die man dem Bereich Internet of Things zuordnen kann.

Den meisten Applaus aber gab es, als angekündigt wurde, dass alle Anwesenden in San Francisco eine Xbox One und einen 500-Dollar-Gutschein für den Microsoft Store geschenkt bekommen.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Elaiza 02.04.2014
1. Microsoft?
Wieder nur Me2 und schon wieder zu spät.
e33h372 02.04.2014
2. microsoft
der mit abstand verlogenste verein von den US giganten.hilft heimlich bei den quell codes der NSA um besseren zugang zu erhalten.während sich viele us firmen beschweren so ist es ungewöhnlich still um microsoft bei diesem thema.auch von denen werden wir steuerlich richtig rasiert. ps die microsoft store hotline ist in bukarest.wer also dort seine daten mitteilt ist völlig selber schuld 08008088014 (kostenlose nr)
e33h372 02.04.2014
3. glückwunsch an alle die für eine neue
wanze geld ausgeben
Peter Werner 02.04.2014
4.
Rückbau der Änderungen von Windows 8, hört sich doch gut an. Der Minimieren-Knopf für Kachelprogramme/Spielzeugprogramme (sog. "Apps") und deren Sichtbarkeit in der normalen Taskbar ist ein erster sinnvoller Schritt. Als nächsten Schritt wünsche ich mir, diesen ganzen Kachelunsinn aus Desktop-Systemen entfernen oder nur noch wahlweise installieren zu können. Mit Classic Shell ist Windows 8.1 bereits heute ein gutes Betriebssystem, wenn man denn diesen unsäglichen Kachelquatsch samt Online-Speicher ignoriert und auf dem Dekstop bleibt.
Peter Werner 02.04.2014
5.
Zitat von e33h372wanze geld ausgeben
Na, dann können Sie ja wieder zur Brieftaube zurückkehren. Und selbst diese können abgefangen werden. Glauben Sie denn wirklich, dass Apple, Google oder Linux diesbezüglich besser sind?
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