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Windows Mobile 6.5: Microsoft floppt mit iPhone-Killer

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Es sieht zwar verdammt gut aus, ist aber kein iPhone-Killer: Microsofts neues Handy-Betriebssystem Windows Mobile 6.5 glänzt zwar mit einer innovativen Oberfläche und teilweise vereinfachter Bedienung. Unter der schönen Schale aber verbergen sich reichlich Altlasten - und ein Software-Shop ohne Auswahl.

SPIEGEL ONLINE

Ob das Absicht war? Auf Microsofts Venture Capital Summit soll Microsoft-Chef Steve Ballmer persönlich eine Breitseite gegen Microsofts neues Handy-Betriebssystem Windows Mobile 6.5 abgefeuert haben. Via Twitter zitierte ihn Paul Jozefak mit den Worten, Microsoft habe sein Handy-Betriebssystem vollkommen vermasselt, Ballmer würden sich wünschen, Windows Mobile 7 wäre schon fertig.

Nach einer Woche Windows Mobile 6.5 kann ich diesen Wunsch verstehen.

Relativ schnell machte sich bei mir der Eindruck breit, Microsofts Programmierer hätten nicht genug Zeit gehabt, das System wirklich konsequent umzukrempeln. Schließlich soll ganz oben auf der Pflichtenliste gestanden haben, Windows Mobile touchtauglich zu machen. Genau das scheint den Entwicklern erst einmal wunderbar gelungen zu sein. Auf dem Homescreen, sozusagen dem Desktop des Handys, findet man jetzt eine in großen Lettern gesetzte Liste von Themen wie Musik, Telefon, E-Mail und Kalender. Der jeweils ausgewählte Begriff wird von einem dicken Balken eingerahmt, dessen Verhalten ungewöhnlich und neu ist. Man kann sowohl die Liste unter dem Balken hindurch scrollen als auch den Balken selbst entlang der Liste bewegen. Das ist schön, intuitiv und schnell. Bravo.

Hinzu kommt, dass jeder Listeneintrag Informationen bereitstellen kann. Eine kleine Zahl neben dem Listeneintrag E-Mail zeigt an, wie viele ungelesene Mails noch warten. Ebenso wird angezeigt, wie viel Anrufe man nicht beantwortet hat oder wie viele SMS darauf warten gelesen zu werden. Außerdem kann jede Zeile mehrere Informationen, also etwa mehrere E-Mail-Konten, aufnehmen. Zwischen denen wechselt man einfach per Fingerstrich. Hier ist Microsoft eindeutig auf dem richtigen Weg in Richtung Touchscreen-Oberfläche.

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Ein bisschen Fingerfertig: Windows Mobile 6.5

Steigt man dann aber eine Ebene tiefer in das neue Windows ein, ist der schöne Schein schnell verflogen. Der Kalender etwa, nur einen Fingerklick vom Homescreen entfernt, unterscheidet sich nur in Teilen von seinem Vorgänger. So gibt es ein neues Menü namens "Menü" (wer denkt sich so etwas aus?) mit einigen Grundfunktionen, die sich prima per Finger bedienen lassen.

Wählt man dort aber beispielsweise "Neuer Termin" aus, landet man in derselben fingerunfreundlichen Eingabemaske wie eh und je. Hier kommt man nur mit spitzen Fingern weiter. Verwunderlich: Tippt man in eines der Eingabefelder, öffnet sich nicht, wie man es erwarten würde, eine virtuelle Tastatur, sondern es passiert das, was man eben nicht erwarten würde: gar nichts. Beim Testgerät ließen sich erst nach dem Aufschieben der eingebauten Tastatur eigene Texte eintippen. Gut, dass das Samsung-Testgerät eine Tastatur hat.

Touchscreen mit Stiftbedienung

Gut auch, dass Samsungs Ingenieure das bisschen Platz, das sich noch in dem etwas dicklichen Gehäuse freimachen ließ, genutzt haben, um einen Stift unterzubringen. Das mag für ein Touchscreen-Handy ungewöhnlich sein. Aber der Stift ist überraschend häufig nötig. Insbesondere, wenn man sich durch altbackene Menüs mit kleiner Schrift auf weißem Grund hangeln muss, wie etwa beim Kalender oder den regionalen Einstellungen.

Das ändert sich auch dann nicht wirklich, wenn man ins "Start"-Menü wechselt. Das ist eigentlich kein Menü mehr, sondern eine mit Icons bebilderte Liste der installierten Anwendungsprogramme. Vom Telefon über E-Mail bis zum RSS-Reader sind hier schon vom Start weg Dutzende Anwendungen abrufbar. Das ist einerseits schön, weil man viel Auswahl hat, vom Start weg weit mehr Funktionen geliefert bekommt als man erwartet. Lästig ist nur, dass man auf eben diese Icon-Ansicht festgenagelt ist. Denn, sich auf diese Weise durch mehr als 50 Symbole zu hangeln, kostet manchmal Zeit und Nerven. Schöner wäre es, wenn man auch ganz pragmatisch auf eine schnelle Listenansicht umschalten könnte.

Probleme mit dem W-Lan

Optisch hübsch gelöst ist die Verbindungsaufnahme mit drahtlosen Netzwerken. Hier wird das Windows-Handy wie eine Sonne im Zentrum eines Sonnensystems, umgeben von Planeten (das sind Funknetzwerke) dargestellt. Per Fingertipp auf ein solches Symbol werden die entsprechenden Konfigurationsdialoge aufgerufen, über die man beispielsweise das Netzwerk-Passwort eingeben kann. Im Test funktionierte das aber nicht immer problemlos. So nahm das Handy nicht automatisch Kontakt zu bekannten Netzwerken auf, vergaß bereits eingegebene Passworte. Gelegentlich stürzte sogar die komplette W-Lan-Software ab.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
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1. es dauert halt...
genesys, 06.10.2009
Es dauert halt ein wenig, bis die Microsoft-Programmierer die ganzen netten neuen (bei Apple geklauten) Ideen auf ihr Betriebssystem übertragen haben.
2. Angestrengte e-Journaille
taiga, 06.10.2009
Zitat von sysopEs sieht zwar verdammt gut aus, ist aber kein iPhone-Killer: Microsofts neues Handybetriebssystem Windows Mobile 6.5 glänzt zwar mit einer innovativen Oberfläche und teilweise vereinfachter Bedienung. Unter der schönen Schale aber verbergen sich reichlich Altlasten - und ein Softwareshop ohne Auswahl. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,652656,00.html
Bei jedem neuen Smartphone, das rauskommt, heißt es nur: Ist es ein iphone-Killer oder ist es keins? Was für ein Schwachsinn. Hier bauen die mit M$ in der Muttermilch aufgewachsenen e-Redakteure einen zwanghaften Popanz auf, der sich niemals selbst erfüllen wird. Dafür hat M$ schon längst seinen Zenit überschritten. Das einzige OS, das ihm mal das Wasser reichen wird, könnte Android sein – oder auch nicht ;)
3. re
Subtuppel 06.10.2009
Ich finde es erstaunlich, dass kaum jemand auf die Idee kommt, dass es Menschen gibt die überhaupt kein iPhone und auch keine tausend dusseligen Zusatzprogramme auf einem TELEFON brauchen bzw. haben wollen. Ich würde ein iPhone nicht einmal mit der Kneifzange anfassen, genauso wie den gesamten anderen Klicki-Bunti-Schrott von Apple. Ich vermute mal, dass es mit/trotz Win Mobile 6.5 und danach 7 möglich sein wird Telefonate zu führen und sonstige Nachrichten entgegenzunehmen und zu versenden, was Menschen die nicht ihre ganze Zeit damit verbringen autistisch auf einen winzigen Bildschirm zu glotzen tatsächlichen reichen könnte ;)
4. Ei-Phone
Frank Werner 06.10.2009
Also ein Ei-Phone-Killer müsste wohl erstmal nichts anbieten außer bunten Bildchen und erst nach zwei Jahren Sinnvolles wie etwa ein Navi dafür ermöglichen. Aber im Ernst: wer ein iPhone haben will, der hat eines. Und wer nicht, der kauft kaum noch eines. Die Microsoft-Handys sind ausgezeichnet programmierbar. Es gibt auf dem professionellen Markt viele Anwendungen und sehr gute Programmiersprachen. Die iPhone-Leute sind jung und brauchen das Geld nicht. Die Anwendungen für das iPhone sind rundweg in modernen Sprachen geschrieben und noch bunter und lauter als Windows 95. Mehr Gimmicks als wirklich nützliche Programme. Aber wenn sie niemand vermisst, ist es trotzdem gut. Nur die Altmodischen wie ich benutzen ein Nokia. Weil es so gut als elektronischer Assistent dient, dass man es im Alltag kaum bemerkt. Dort steht einfach alles drin, was man braucht und es stürzt Monate lang nicht ab. Die Zukunft könnte Android sein. Moderne Programmierkonzepte wie iPhone OS und ebenso schlank. Aber ständig online? Wo es immer noch tiefe Funklöcher gibt? Windows Mobile wird seine Klientel trotzdem behalten. Von der mobilen Marktführerschaft träumt in Redmond ohnenhin niemand mehr. Die MS-Nische ist viel lukrativer als die Progrämmchen von Apple. Und Nokia? Die setzen auf das, was bereits millionenfach funktioniert: Linux! Ein echter Wurf der Finnen, der wirklich einen Paradigmenwechsel bedeuten könnte. Kann man das noch toppen? Klar. Das XPPhone (www.xpphone.com) läuft mit einem alten Bekannten: Windows XP. Und vollzieht damit den großen Sprung vom Handy zum Micro-PC. Für mich ist *das* die Zukunft...denn warum sollte man ein Handy anders programmieren als einen PC? Bis dahin nutze ich meinen alten Communicator... Frank Werner
5. wen wunderts?
ozlemon 06.10.2009
die programmierer von microdoof denken einzig und allein in wirren und umwegen. so war es schon immer. selbst windows hat noch nie wirklich funktioniert und als alter pc'ler werde auch ich zu apple wechseln weil ich's nicht mehr ertragen kann. fast weniger die systeme selbst, als viel mehr jede neue ankündigung die der totale durchbruch sein soll.. harharhar.. apple hat sich von microsoft sowas von abgesetzt.. höchstens google hätte das potential einen weiteren schritt in sachen software nach vorne zu machen.. ich bin gespannt...
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