Ende des Supports So alt ist Windows XP wirklich

Am 8. April beendet Microsoft den Support von Windows XP - und das ist gut so. Viel zu lange hat der Betriebssystem-Opa Nutzer davon abgehalten, auf neue Software umzusteigen. Andere Produkte aus der XP-Ära sind längst auf dem Schrottplatz gelandet.

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Fast zwölfeinhalb Jahre hat Windows XP die Welt der PC beherrscht. Am 25. Oktober 2001 wurde es mit großem Pomp veröffentlicht - als die Nachwirkungen der Terroranschläge vom 11. September Amerika noch im Bann hielten. Jetzt ist es für die alte Software Zeit zu gehen. Am 8. April beendet Microsoft offiziell, zum letzten Mal und unwiederbringlich die Unterstützung für seinen Megaseller. Eigentlich hätte das schon viel früher geschehen sollen. Doch sein Erfolg ließ das bis heute erfolgreichste Betriebssystem mehrmals in die Verlängerung gehen.

Dass Windows XP ein derart durchschlagender Erfolg wurde, dass ihm laut Microsoft immer noch rund acht Millionen Deutsche ihren Computer anvertrauen, hat mit Timing zu tun. Als das Betriebsprogramm kurz nach der Jahrtausendwende auf den Markt kam, veränderte sich das PC-Business: Computer wurden immer billiger, Multimedia war kein Fremdwort mehr, und vom Internet hatte auch schon der ein oder andere gehört.

Da kam die für damalige Verhältnisse knallbunte und supermoderne Software gerade richtig. Sie hatte eine Funktion zum Brennen von CDs direkt eingebaut, man brauchte also keine Spezialprogramme mehr, um die silbrigen Scheiben zu beschreiben. Zeitgleich wurden DVD-Brenner populär. Die Fachzeitschrift "Chip" bezeichnete den zur Cebit 2001 vorgestellten Pioneer DVR-A03 als günstig - er kostete damals 900 Mark.

Gleichzeitig schnitt Microsoft mit XP alte Zöpfe ab. Der DOS-Unterbau, mit dem sich frühere Windows-Versionen plagten, wurde entfernt, das professionelle Windows NT als Basis genommen. Windows XP war für Microsoft 2001 ein mindestens ebenso großer und wagemutiger Schritt nach vorne, wie es Windows 8 mit seiner Ausrichtung auf Touchscreens 2012 war.

Microsoft macht Angst

Aber ab jetzt ist Windows XP Vergangenheit. Wer sich weiter an die Software klammert, obwohl es dafür keine Updates mehr geben wird, begibt sich sehenden Auges in Gefahr. Das weiß auch Microsoft und weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass XP das "unsicherste aller Windows-Betriebssysteme" sei. Seine Sicherheitsarchitektur sei längst veraltet, XP deshalb "sechs Mal anfälliger für Malware als Windows 8".

In den kommenden Jahren werde sich diese Situation noch verschärfen, warnt der Konzern. Die Zahl der Infektionen mit Schadsoftware werde drastisch steigen, das würden Zahlen aus der Vergangenheit belegen. Außerdem werde es schwierig, neue Hardware mit alten Rechnern zu verbinden, weil deren Hersteller keine Treiber-Software mehr für Windows XP entwickeln. Und schließlich würde es für Unternehmen teuer werden, das alte System weiter zu nutzen, weil die Wartung intensiver sein müsse, gleichzeitig vermehrte Angriffe durch Malware zu Arbeitszeitverlusten führen würden.

Rabatte für XP-User

Damit ist klar: Der Software-Konzern nutzt den Abschied von seinem Gewinnbringer dafür, Kunden, die an XP festhalten, zum Umstieg zu bewegen - und sei es, indem man ihnen Angst macht. Dabei sollte man meinen, im letzten Jahr sei bereits so viel über das nahende Ende des alten Windows - und die damit verbundenen Gefahren - geschrieben worden, dass wirklich jeder darüber Bescheid weiß.

Aber weil man bei Microsoft weiß, dass ein Zuckerbrot vielleicht erfolgreicher ist als die Peitsche, lockt man Umsteiger auch mit Belohnungen. Wer sich mit Windows XP in den Microsoft Store einloggt, bekommt dort beim Kauf eines Surface-Pro-2-Tablets 100 Euro Rabatt. Drastischer kann man allerdings wohl kaum umsteigen als vom alten XP-PC zum neuen Microsoft-Tablet.

Umstiegsmöglichkeiten

Ansonsten bietet sich für halbwegs aktuelle Rechner die Möglichkeit an, einfach per Software-Upgrade auf das aktuelle Windows 8.1 umzusteigen. Mit dem Windows 8.1. Update 1, das am 8. April zeitgleich mit dem Support-Ende von Windows XP veröffentlicht wurde, ist das jetzt auch besser mit Maus und Tastatur nutzbar.

Wer das nicht mag oder einen alten, schwachen PC hat, den er nicht entsorgen mag, sollte sich Ubuntu oder Opensuse Linux anschauen. Die beiden kostenlosen Betriebssysteme bieten ähnlichen Komfort wie Windows, können aber kostenlos aus dem Netz geladen werden und laufen auch auf alter Hardware.

Aber auch das kann nur eine Zwischenlösung sein. Wessen Hardware so lahm ist, dass darauf nicht mal Windows 8 läuft, sollte die Anschaffung eines neuen Rechners zumindest in Erwägung ziehen. Oder würden Sie heute noch mit dem ersten iPod die "No Angels" hören? Denn so alt ist Windows XP wirklich.



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insgesamt 118 Beiträge
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inline 08.04.2014
1. Nachaltigkeit?
Zitat von sysopMicrosoft Am 8. April beendet Microsoft den Support von Windows XP - und das ist gut so. Viel zu lange hat der Betriebssystem-Opa Nutzer davon abgehalten, auf neue Software umzusteigen. Andere Produkte aus der XP-Ära sind längst auf dem Schrottplatz gelandet. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/windows-xp-so-alt-ist-das-microsoft-betriebssystem-wirklich-a-963040.html
Ja, wieso denn auch nicht. Oder klingen die auf einem aktuellen Gerät besser? Und mein Netbook (mit XP) werde ich auch nicht wegwerfen. Es ist ja nicht kaputt.
kabel-ks 08.04.2014
2.
Verdammt, ich bin mit meiner Frau jetzt auch seit 2001 verheiratet. Hat sich lange bewährt die Gute, geht jetzt aber schon fast of die 40 zu. Den finanuziellen Support ihrer Eltern hat sie auch schon verloren, und außerdem könnte sie demnächst anfällig für hormonell bedingte Betriebsstörung werden. Zeit also sie zu deinstallieren und auf eine neue umzusteigen?
seikor 08.04.2014
3. Antwort: ja, natürlich
"Oder würden Sie heute noch mit dem ersten iPod die "No Angels" hören?" Ja, wieso denn nicht? Klingt das anders? Muss man neuerdings alles, was älter als 2 Jahre ist, wegschmeißen? Was soll dieser Hype, immer dem Neuesten nachzurennen? 10 Jahre alte Laptops funktionieren mit XP einwandfrei: - man kann flüssig im Internet surfen und Emails schicken - man kann mit Youtube Videos gucken - man kann mit Word Texte schreiben ... so what? Ich finde das Verhalten von Microsoft zwar nachvollziehbar, aber trotzdem nicht akzeptabel. Es ist so, als würde VW den Ersatzteilsupport für seinen Golf für alle Baujahre vor 2004 einstellen, obwohl noch viele diese Autos fahren. Warum? Um sie zum Kauf eines neuen Autos zu zwingen... Nachhaltige Nutzung von Ressourcen sieht anders aus. Bääh, Microsoft, buuh!
Georg_Alexander 08.04.2014
4. Wer hat diesen Artikel in Auftrag gegeben?
Zitat von sysopMicrosoft Am 8. April beendet Microsoft den Support von Windows XP - und das ist gut so. Viel zu lange hat der Betriebssystem-Opa Nutzer davon abgehalten, auf neue Software umzusteigen. Andere Produkte aus der XP-Ära sind längst auf dem Schrottplatz gelandet. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/windows-xp-so-alt-ist-das-microsoft-betriebssystem-wirklich-a-963040.html
Doch nicht etwa Microsoft? Was ist wohl der Grund, warum nicht auf Vista, 7, 8 umgestiegen wurde? Der Schrott kam doch erst nach XP. Und mal unter uns, bei mir läuft auch immer noch und virenfrei ein Win2000-Uropa. Und damit schreibe ich immer noch Texte, Tabellen, Präsentationen und Fotoarchiv, .... und Internet ...! Und jetzt das Wichtigste: Der "Uropa" ist nach max. 1 Minute hochgefahren :-D Und nachdem mein Sohn jetzt Linux nutzt, habe ich ein Einsehen - und steige beim nächsten Opa auf Ubuntu um - fix gebootet und Hotline im Haus ;-)
Susi Sorglos 08.04.2014
5. Gähn...ihr Kauferzwinger
Zum Einen reicht Vielen XP aus. Zum anderen: Es gibt weiterhin Support und Updates durch Winzigweich. Das Land Niedersachsen hat sich diesen sehr teuer erkauft mit ihrem und meinen Steuern. Ich wette, dass es keine 12 Stunden dauert, bis die Updates im Netz kursieren. Die Spirale "Neues Windows => neue Hardware" klappt auch nicht mehr. Win Vista war Schrott, Win 7 fast gut. Win 8 ist wie die Müll-Edition Win ME noch unbrauchbar. Schaunmermel was Win 9 in einem Jahr bringt. So, wie ich den M$-Verein kenne, wird DAS dann wieder gut.
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