Mit Selberbau-Anleitung Wissenschaftler erfindet Hobby-Tricorder

Bitte nachbauen: Ein US-Wissenschaftler hat den Tricorder aus der TV-Serie "Star Trek" nachgebaut. Daran haben sich schon viele andere versucht, sind aber meist gescheitert. Nicht so Peter Jansen, denn dessen Multimessgerät funktioniert wirklich -  wenn auch anders als das Original.


Wenn Spock das wüsste: In den USA hat ein Wissenschaftler das wichtigste Messinstrument des berühmten Sternenflottenoffiziers aus der US-TV-Serie "Star Trek" nachgebaut, den Tricorder. Und das auch noch lange vor dessen eigentlicher Erfindung, die dem Plot der Serie zufolge noch über hundert Jahre auf sich warten lassen dürfte. Schließlich spielt die erste Staffel der Weltraumoper im 22. Jahrhundert.

Aber von solchen Details wollte sich der Erkenntnistheoretiker Peter Jansen offenbar nicht aufhalten lassen. Das Leitmotto: "Der Spaß, Dinge zu begreifen." So hat Jansen den ersten Eintrag in seinem Blog betitelt. An dem Projekt, dass er gerade verwirklicht, haben sich jedenfalls schon viele andere die Zähne ausgebissen. Einen Tricorder zu bauen, wie ihn Spock und der Raumschiffdoktor "Pille" benutzten, macht man nicht so nebenbei.

Tatsächlich hat Jansen schon fünf Jahre Arbeit in sein Projekt investiert. Mit der aktuellen Entwicklungsstufe, dem Science Tricorder Mark 4, scheint er seinem Ziel ein gutes Stück näher gekommen zu sein. Was daran herausragend ist: Im Gegensatz zu manch anderem Tricorder-Projekt und vor allem den Smartphone-Tricorder-Apps, die längst angeboten werden, bietet Jansens Tricorder echte Funktionalität. Er kann atmosphärische Daten und elektromagnetische Felder ebenso messen wie Entfernungen und Positionen. Anders ausgedrückt: Er hat jede Menge Sensoren eingebaut, die sogar moderne Smartphones alt aussehen lassen. Die Tricorder-Apps, die es bislang gibt, können in der Regel bloß blinken und piepsen.

Bitte nachbauen

Zur Ausstattung von Jansens Tricorder gehören beispielsweise ein kontaktloses Infrarotthermometer vom Typ Melexis MLX90614, der Ultraschall-Entfernungsmesser MaxBotix MaxSonar LV sowie der dreiachsige Magnetfeldsensor PNI Corp MicroMag3. Jansen listet all diese Bauteile und noch Dutzende mehr auf seiner Website zum Tricorder-Projekt auf, weil er sein Science-Fiction-Messgerät als sogenannte Open-Source-Hardware für jedermann zum Nachbauen freigibt. Wer also mag und sich das zutraut, kann sich Bauteillisten, Schaltpläne und Platinen-Layouts des Tricorders herunterladen.

Die Hoffnung, daraus ein echtes Star-Trek-Analysegerät zusammenbauen zu können, sollte man aber lieber begraben. Auch wenn Jansens Konstruktion schon einiges kann, ist sie von den 200 Funktionen, mit denen Spock ganze Planeten analysierte, noch weit entfernt.

Nicht einmal Hoffnung auf denTricorder X-Prize der X-Price-Foundation kann er sich machen. Zehn Millionen Dollar hat die vom Chip-Hersteller Qualcomm gegründete Stiftung für denjenigen ausgelobt, der als erster ein benutzerfreundliches medizinisches Diagnosegerät nach Vorbild des medizinischen Tricorders aus "Star Trek" entwickelt. Ausgerechnet medizinische Funktionen aber bietet Jansens Tricorder nicht.

mak

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
aintnostyle 29.03.2012
1. Ähm
Zitat von sysopBitte nachbauen: Ein US-Wissenschaftler hat den Tricorder aus der TV-Serie Star Trek nachgebaut. Daran haben sich schon viele andere versucht, sind aber meist gescheitert. Anders Peter Jansen, denn dessen Multimessgerät funktioniert wirklich - wenn auch anders als das Original. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,824500,00.html
Somit hat er keinen Tricorder erfunden, man könnte es ehr als Prä-Corder (oder english precorder) bezeichnen. Aber immerhin ein Grundstein. Desweiteren ist das aus der Serie (oder der prophetischen verkündung einer möglichen zukunft) entlehnte "erfindungsdatum" also noch gegeben. Natürlich aber könnte der in 100 Jahren erfundene "finale" Tricorder auf den Grundlagen von Jansen fußen.
Arno Nühm 29.03.2012
2. Nach nicht so ganz...
Immer langsam mit den jungen Pferden. Das Alleinstellungsmerkmal des Tricorders ist ja, dass man damit auch Sachen messen kann, die man noch gar nicht kennt.
miruwa 29.03.2012
3.
Zitat von sysopBitte nachbauen: Ein US-Wissenschaftler hat den Tricorder aus der TV-Serie Star Trek nachgebaut. Daran haben sich schon viele andere versucht, sind aber meist gescheitert. Anders Peter Jansen, denn dessen Multimessgerät funktioniert wirklich - wenn auch anders als das Original. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,824500,00.html
Da man ja offensichtlich mit dem Warpantrieb seine Zielwelt komplett röstet im Strahlungshagel, braucht es nun auch deutlich weniger Funktionen. Lebenszeichen dürften dann zumindest überschaubar sein. ;)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.