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Withings Activité im Test: Diese smarte Uhr ist keine Smartwatch

Von

Fitness-Smartwatch: Withings Activité im Test Fotos
Matthias Kremp

Die Activité von Withings sieht aus wie eine gewöhnliche Armbanduhr. Unter dem Ziffernblatt aber steckt ausgefeilte Technik, die sie zum edlen Fitness-Tracker macht.

Man muss schon wissen, dass diese Uhr mehr ist als bloß ein weiterer Zeitmesser fürs Handgelenk. Von außen jedenfalls ist der Activité des französischen Herstellers Withings nicht anzusehen, was in ihr steckt. Zwei normale Zeiger, ein Ziffernblatt mit einem kleinen Zusatz-Ziffernblatt - so sehen Armbanduhren heute eben aus.

Wie unauffällig sie ist, zeigen die Reaktionen von Bekannten. Als ich Geräte wie die Moto 360, die G Watch R oder die Zenwatch testete, wurde ich ständig auf sie angesprochen. Was das denn sei, ob das eine dieser neuen Computeruhren sei, ob man die auch mal anlegen dürfe.

Oft bekam ich böse Kommentare von Technik-Skeptikern zu hören, wenn die Displays solcher Geräte an meinem Handgelenk aufleuchteten: Sowas brauche kein Mensch, die müsse man ja wohl ständig wieder aufladen, und außerdem seien die ganz schön klobig.

Edler Fitness-Messer am Arm

Zur Activité dagegen hat niemand einen Kommentar abgegeben. Die vergleichsweise kleine Uhr mit ihren silbrig glänzenden Zeigern wird ganz offensichtlich viel eher akzeptiert als ein Mini-Computer am Handgelenk. Dabei steckt auch sie voller Technik. Sie hat ähnliche Sensoren verbaut, wie man sie von Fitness-Armbändern kennt. So misst sie körperliche Aktivitäten wie Laufen, Gehen und Schwimmen.

Anders als herkömmliche Smartwatches kann die Activité jedoch keine E-Mails anzeigen. Man kann sie sich nicht vor sein Gesicht halten, um über sie zu telefonieren. Man kann auch keine Apps auf sie laden und noch nicht einmal einen Wetterbericht anschauen.

Die Uhr kann also viel weniger als die Modelle von Samsung, LG und Motorola. Trotzdem ist sie viel teurer als jene Geräte mit Android-Wear-Betriebssystem. Während diese 200 bis 300 Euro kosten, verlangt Withings in seinem Onlineshop 390 Euro für eine Activité. Zum Jahresende war sie ausverkauft, bald soll sie aber wieder lieferbar sein.

Austauschbares Armband

Günstig ist der Preis nicht, anderseits bekommt man eine feine Armbanduhr, die sowohl Männern als auch Frauen gefallen kann. Das in der Schweiz hergestellte Gerät wird mit einem weichen, aber stabilen Armband aus Kalbsleder geliefert, das Ziffernblatt von kratzfestem Saphirglas geschützt. Sporttauglich ist die Uhr ebenfalls, laut Hersteller hält sie sogar bei bis zu 50 Metern Wassertiefe dicht.

Weil das Lederarmband empfindlich gegenüber Wasser und Schweiß ist, liegt für die Nutzung beim Sport ein zweites Armband aus einem weichen Kunststoff bei. Dank einer Spezialbefestigung dauerte der Armbandwechsel im Test weniger als eine Minute.

Wecker ohne Schlummertaste

Das Kunststoffarmband werden intensive Nutzer der Activité wohl regelmäßig anlegen. Denn trotz des edlen Äußeren ist die Withings-Uhr vor allem ein Fitness-Tracker, der Aktivitätsdaten liefert. Schmerzlich vermisst habe ich aber einen integrierten Pulsmesser, der für ein gut geplantes Training unerlässlich ist. Nicht mal einen Bluetooth-Pulsgurt kann man mit der Uhr verbinden.

Verbesserungsbedürftig ist auch die Weckfunktion: Über Withings' Health-Mate-App lässt sich zwar eine Weckzeit einstellen. Leider gibt es aber weder eine Alarm-Aus- noch eine Schlummertaste. Wenn der Vibrationsalarm zur eingestellten Zeit losgeht, muss man deshalb 30 Sekunden durchhalten, bis er endlich aufhört. Auch eine intelligente Schlafphasen-Weckfunktion fehlt, obwohl die Uhr das Schlafverhalten aufzeichnet.

Zur Auswertung von Aktivitäts- und Schlafdaten verbindet man die Activité mit der Healt-Mate-App, die auch Daten aller anderen Gesundheits- und Fitnessgeräte von Withings auswertet. Wer also etwa schon eine der vernetzten Personenwaagen des Unternehmens benutzt, kann hier Fitness-, Schlaf- und Gewichtsmessungen übersichtlich gemeinsam analysieren.

Fazit

Mit der Activité fordert Withings die Konkurrenz heraus. Für eine Smartwatch kann sie zu wenig, für einen Fitness-Tracker ist sie zu schön. Das Konzept - edles Design und hochwertige Verarbeitung - dürfte auch jene ansprechen, die vor dem Technikballast vieler Smartwatches zurückschrecken. Die Activité ist eben mehr Uhr als Computer. Die Reduzierung auf das Wesentliche hat dabei einen gewaltigen Vorteil: Mit einer Batterie soll die Uhr acht Monate durchhalten, ein Aufladen ist nicht nötig.

Getrübt wird die Begeisterung über die gute Verarbeitung und Materialien durch Macken in der Software: So hat die Activité Mühe, andere Sportarten als Schwimmen, Gehen und Laufen zu erkennen. Und natürlich müsste die Weckfunktion nachgebessert werden. All diese Kritikpunkte ließen sich aber per Software-Update ausräumen. Und optisch, daran besteht kein Zweifel, ist die Withings Activité der edelste Fitness-Tracker, den man derzeit kaufen kann.

Vorteile und Nachteile

Sehr edles Design

Acht Monate Batterielaufzeit

Wasserdicht

Sehr einfach zu bedienen

Armbänder leicht austauschbar

Hoher Preis

Software noch unvollständig

Nur wenige Funktionen

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insgesamt 27 Beiträge
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    Seite 1    
1. für wenige Euro eine dieser Casio-Fitness-Uhren kaufen ...
diskantus 04.01.2015
... und diese für den Sport verwenden. Und im Alltagsleben eine normale Uhr tragen. Das spart Geld für unnötiges Pillepalle - und wenn die Sportuhr kaputt ist (Sturz ...), kauft man einfach eine neue, ohne Reue.
2.
geotie 04.01.2015
Es soll ja Leute geben, denen ist es wichtig die Zeit von einer sehr teuren Uhr ablesen zu müssen, bzw. am Arm hängen zu haben. Obwohl - das Design gefällt mir schon, aber muss ich alles mitmachen? Nicht unbedingt. Habe sonst das Gefühl, die Uhr ist wichtiger als ....
3. Was kann die eigentlich?
Kismett 04.01.2015
Sie kann weder Blutdruck noch Puls messen. Auch nicht Blutzucker und die anderen Blutwerte analysieren. Dies ist längst technisch möglich ohne Beschädigung der Haut (Dorn). Offenbar kann die noch nicht einmal die Temperatur messen. Weder Hauttemperatur, Körpertemperatur noch Umgebungstemperatur. Auch nichts anderes als der alte Schrittzähler des Militärs. Nch nicht einmal Strunzen in der Ingroup kann man damit, das Hauptanliegen des Testers. Dafür ist es mit einem untauglichen Armband versehen. Ein Titan-Gliederarmband wäre nötig, statt dieses Gefummele mit gerbsäuregefärbten Leder, das Hautausschlag verursacht oder Plastik, das scheuert.
4. richtige uhr B-)
scottbreed 04.01.2015
Ich habe mir wieder nach 10 jahren ne richtige uhr gekauft. weil mir das ständige smartfon aus der Hosentasche ziehen nur um auf die Uhrzeit zu schauen auf dem Keks ging. eigentlich habe ich ja genau wegen des smartfon die uhr abgeschafft. aber nach Jahren der Nutzung bin ich zur Erkenntnis gekommen das daß nicht zielfördernd war. und es geht... denn wenn ich unterwegs bin schaue ich nicht mehr aufs Handy :-))
5. Fitness Gadgets, reine Umsatzgeneratoren
MasaGemurmel 04.01.2015
Mal ehrlich, wozu muss eine Armbanduhr den ganzen Tag meine Bewegungen, Herzaktivitäten und Puls messen - sofern man nicht akut krank ist?! Man ernähre sich gesund (Dem Wissen wie das geht kann ja kaum noch ausweichen), mache täglich einen kleinen Spaziergang (sei es 5min oder 60min) und mache 1x Woche Sport (Joggen, Schwimmen, Walking...). Und sofern man keine pathologische körperliche Probleme hat, werden Gewicht, Puls und Blutdruckganz normal sein. Diese Fitness Gadgets sind nicht mehr als Umsatzgeneratoren. "Wir haben was gefunden, womit man Geld verdienen kann" - egal ob es wirklich nützlich ist oder nicht. Murmel.
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