WWDC-Entwicklerkonferenz Was uns Apple heute zeigen wird

Am Montagabend beginnt in San Francisco Apples Entwicklerkonferenz. Wir haben zusammengetragen, was der Konzern Neues zeigen könnte, von App-Updates über Notebooks bis hin zu künstlicher Intelligenz.

Apple-Logo auf dem Bill Graham Civic Auditorium in San Francisco
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Apple-Logo auf dem Bill Graham Civic Auditorium in San Francisco

Aus San Francisco berichtet


Wenn Tim Cook am Montagabend in San Francisco die Bühne betritt, werden Hunderttausende zuschauen. Ein paar Tausend live vor Ort im Bill Graham Civic Center, der Rest an Bildschirmen, auf denen die Keynote übertragen wird - oder auf Nachrichtenseiten, die darüber berichten, so wie SPIEGEL ONLINE.

Für Apple ist es wieder einmal eine wichtige Veranstaltung - und eine schwierige zugleich. Die Erwartungen sind hoch, nachdem das Unternehmen zuletzt eine nachlassende Nachfrage nach iPhones und dadurch zurückgehende Gewinne melden musste. Vor allem von einem iPhone 7 erhoffen sich viele Beobachter neuen Auftrieb für den US-Konzern.

Doch das kann man sich abschminken: Ein iPhone 7 wird am Montag nicht enthüllt, dieser Termin steht erst im September an. Ohnehin wird es nur wenig um Hardware gehen, denn bei der WWDC steht traditionell Software im Vordergrund. Neue Betriebssystemversionen, neue Tools, neue Funktionen werden hier angekündigt. Insgesamt aber wird die WWDC ein bunter Gemischtwarenladen werden, in dem von allem ein wenig zu sehen sein wird.

Siri lernt dazu

Apples sprachgesteuerte Assistenzfunktion Siri dürfte während der Keynote immer wieder auftauchen. Offenbar arbeitet das Unternehmen daran, Siri in weit mehr Bereichen als bisher nutzbar zu machen. So soll die Integration von Siri in OS X offenbar die wichtigste neue Funktion des anstehenden Betriebssystem-Updates sein.

In iOS will Apple Siri nun angeblich auch Drittanbietern zur Verfügung stellen. Die könnten Siri dann verwenden, um ihre Apps per Sprache steuern zu lassen oder Siri mit ihren Datenbeständen arbeiten zu lassen. Auch von einer Art Anrufbeantworter-Service ist die Rede. Demnach soll Siri Sprachnachrichten von der Mailbox transkribieren und per Chat-Nachricht an den Empfänger senden können.

Neben all dem könnte Siris Verständnisfähigkeit verbessert worden sein. Apple hat mehrere kleine Firmen übernommen, die sich mit Teilaspekten künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigt haben. Deren Know-how könnte helfen, die digitale Assistentin menschlicher wirken zu lassen.

Zuletzt waren auch Gerüchte aufgetaucht, wonach Apple an einem Gerät arbeitet, das Amazons Echo ähnelt. Es solle Siri im ganzen Haus nutzbar machen und neben Suchanfragen beispielsweise auch Hauselektronik steuern können. Die Angaben hierzu sind aber noch sehr vage.

iOS 10

Zur nächsten Version des iPhone- und iPad-Betriebssystems gibt es ebenfalls nur vage Gerüchte. Das Design könnte leicht verändert werden, vor allem aber dürften neue Versionen der integrierten Apple-Apps im Blickpunkt stehen. Für Apple Health und die Aktivitäts-App stehen Updates an, ebenso bei Apple Music und iTunes. Angeblich soll es für die Haussteuerungstechnologie Home Kit nun eine eigene App geben.

OS X 10.12

Neben der Integration von Siri könnte mit der zwölften Version von OS X die Möglichkeit eingeführt werden, den Mac mit dem iPhone zu entsperren. Statt das Passwort einzugeben, würde man dann auf seinem Smartphone den Fingerabdrucksensor benutzen, um sich auszuweisen. Auch hier dürften einige der mitgelieferten Apps Updates bekommen. Ein Gerücht, das sich besonders hartnäckig hält: Angeblich soll OS X in macOS umbenannt werden. So soll die Namensgebung vereinheitlicht werden: iOS, watchOS, tvOS, macOS. Allerdings hieß auch der Vorgänger von OS X Mac OS.

Apple Pay

In den USA ist Apples Bezahldienst mittlerweile eine feste Größe. In Tausenden Geschäften kann man mit iPhone und Apple Watch bezahlen. Im Rest der Welt sieht das anders aus. Viele Beobachter gehen davon aus, dass sich das nun ändern wird und Apple Pay in weiteren Ländern eingeführt wird, möglicherweise auch in Deutschland. Wichtiger könnte noch sein, dass Apple Pay einem Bericht von Digital Trends zufolge bald auch im Web genutzt werden könnte, sodass man Online-Einkäufe ebenfalls über Apple abrechnet. Möglicherweise würde das aber nur auf Geräten mit Fingerabdrucksensor funktionieren, derzeit also nur auf einem iPhone mit TouchID.

Apple Music

Für die Apple-Music-App stehen offenbar größere Veränderungen an. Das Design soll geändert, die Benutzung vereinfacht werden, heißt es in verschiedenen Berichten. So soll es unter anderem leichter gemacht werden, neue Musik zu finden.

App Store

In einem Interview mit dem britischen "Telegraph" hat Apple-Marketingchef Phil Schiller bereits verraten, dass Apple Entwicklern künftig bezahlte Werbung in den Suchergebnissen des App Store anbieten will. Ähnlich wie bei Googles Adwords könnten Entwickler damit dafür sorgen, dass ihre App ganz oben in den Suchergebnissen angezeigt wird, wenn jemand im Store nach bestimmten Begriffen sucht. Außerdem sollen Entwickler ihre Apps künftig auch als Abos anbieten können. Vor allem langfristige Abos wären hier lukrativ, weil Apple seinen Anteil nach dem ersten Jahr von 30 auf 15 Prozent der Einnahmen halbiert.

watchOS 3, tvOS 2, iMessage und iCloud

Dass ein watchOS 3 und tvOS 2 fällig sind, steht außer Frage. Darüber, was die neuen Versionen von ihren Vorgängern unterscheiden wird, ist bisher kaum etwas nach außen gedrungen. Man kann annehmen, dass auch hier Siri etwas tiefer integriert wird. Laut einem neuen Gerücht könnte Apple zudem eine Android-Version seiner Chat-App iMessage veröffentlichen. Der Gedanke mag für Apple verlockend sein - fragt sich nur, welche Motivation Android-Nutzer haben sollten, iMessage zu benutzen. Da sie in der Mehrheit sind, dürften sie ohnehin längst viele Apple-Nutzer dazu gebracht haben, WhatsApp zu nutzen - das gibt es für beide Parteien.

WWDC-Schriftzug in San Francisco
DPA

WWDC-Schriftzug in San Francisco

Interessant sind Berichte, wonach Apple die Verschlüsselung von Daten in iCloud verstärken will. Nach dem Streit mit dem FBI um die Entschlüsselung des iPhones eines Massenmörders, würde ein solcher Schritt in den USA sicher neue Diskussionen auslösen.

Hardware

Spekulationen um neue Hardware, die Apple ankündigen könnte, weisen verschiedene Möglichkeiten auf. Am wahrscheinlichsten ist es noch, dass neue MacBooks vorgestellt werden. Statt mit herkömmlichen Funktionstasten sollen diese oberhalb der Tastatur ein schmales Display haben, über das verschiedene Funktionen aufgerufen werden können. Das Design könnte sich dadurch erstmals seit Jahren ändern. Dass sie außerdem mit den neuesten Intel-Prozessoren bestückt werden, liegt auf der Hand.

Möglich wäre auch ein Update des Profi-Rechners Mac Pro, dessen aktuelle Version auf der WWDC 2013 vorgestellt wurde. Ebenso gibt es Gerüchte, wonach Apple einen neuen Bildschirm vorstellen wird. Die aktuellen sogenannten Thunderbolt-Displays werden seit fünf Jahren unverändert angeboten.

Mit einer Auflösung von 2560 × 1440 Pixeln auf 27 Zoll haben sie eine weit geringere Auflösung als der iMac 5K, dessen Bildschirm 5120 x 2880 Pixel anzeigt. Ein Hardware-Update ist überfällig. Das neue Modell habe außerdem eine eingebaute Grafikkarte, um die vergleichsweise schwachen Grafikkarten der Apple-Notebooks zu entlasten, lauten Gerüchte. Andere Berichte bezweifeln jedoch, dass es überhaupt ein neues Modell geben wird.

Welche dieser Gerüchte sich am Ende als wahr und falsch entpuppen werden, erfahren wir am Montagabend ab 19 Uhr deutscher Zeit. Wir sind vor Ort in San Francisco dabei und werden berichten. Apples WWDC-Keynotes dauern gern mal zwei Stunden und länger. Angesichts der vielen möglichen Neuerungen darf man vermuten, dass es auch dieses Jahr nicht viel schneller gehen wird.



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
sickandinsane 13.06.2016
1. Apple hat für mich
seinen Innovationsgeist schon längst verloren. Vor 6 Jahren hatte ich noch ein IPhone 3GS, das war damals das modernste was man bekommen konnte. Inzwischen legen eher Samsung, Sony, HTC, etc. vor wie es aussehen muss. Obendrein noch die unverschämte Preis/Leistung sämtlicher Apple Produkte. Nein danke.
mhwse 13.06.2016
2. Insel oder Plattform?
So wie es aussieht will Apple eine, wenn auch exclusive Insel bleiben. Haustechnik heisst Masse, heisst, zwar Technik fähige und interessierte aber auf keine an Freak und Tussi gebundene Hard und Software angewiesen zu sein. Ich denke nicht, dass sich grosse Hausgeräte Hersteller da vorschreiben lassen werden, wie sie ihre Hardware anzusteuern haben. Ohne integrierbare Hausgeräte macht inselgebundene und überteuerte Haustechnik wenig Sinn.. Siemens und Philips können davon ein Lied singen .. Samsung baut vom Kühlschrank bis zum TV alles für die Masse .. Apple bisher gerade mal ein Dutzend elektronische Highendgatchets. Sollte man mal die eine oder andere Milliarde nehmen mit Samsung, Philips, Sony, GE und ggf. Siemens einen offenen Standard ausarbeiten .. dann kann es aber bald Essig mit dem Inseltelefon sein .. ikomplettHaustechnik, offen von allen, für alle wird also ein Wunsch bleiben, damit auch das nachrüstbare intelligente Haus ... (Mir wäre es recht .. von mir auch ein 'apple - iBus' - wenn ich das Protokoll auch bei anderen Herstellern finden kann ..)
klemer 13.06.2016
3.
Die WWDC war mal ein richtiges Event in der Tech Szene, auf der Innovationen vorgestellt wurden, die der ganzen Industrie Anstöße gaben. Jetzt kann man sich auf ein paar Updates und Spielereien freuen, die es zum großen Teil schon woanders gibt. Ohne das psychopathische Genie Jobs geht Apple nun den Weg weiter, den es vor seiner Rückkehr schon eingeschlagen hatte.
GrinderFX 13.06.2016
4.
Zitat von sickandinsaneseinen Innovationsgeist schon längst verloren. Vor 6 Jahren hatte ich noch ein IPhone 3GS, das war damals das modernste was man bekommen konnte. Inzwischen legen eher Samsung, Sony, HTC, etc. vor wie es aussehen muss. Obendrein noch die unverschämte Preis/Leistung sämtlicher Apple Produkte. Nein danke.
Was legen die denn bitte vor? Jede Menge Sicherheitslücken und jede Menge Hardware mit einer Sollbruchstelle, welche paar Tage nach dem Garantieablauf eintritt. Sorry aber mit Samsung bin ich durch, nachdem so ziemlich alles nachweislich aufgrund der geplanten Sollbruchstelle bei mir von Samsung den Geist aufgegeben hat. Und auch ihre Smartphones kränkeln an jeder Ecke. Es wird immer über Apple geflamed aber in Wirklichkeit machen die echt alles besser. Hätte Apple auch nur 1% der Fehler die andere Hersteller haben, wäre das Geschrei riesengroß. Beste Beispiel das Biegeproblem bei den Telefonen. Samsung macht da ein riesen Fass auf, am Ende biegen sich die Samsung Telefone deutlich schneller als das iPhone. Auch kann man keinen 1:1 Vergleich bei der Hardware machen, da Android nachweislich doppelt so viel RAM benötigt wie IOS. Von den unzähligen Sicherheitsproblemen wollen wir gar nicht erst anfangen. Man kann sagen was man will aber man muss einfach zugeben, dass Apple deutlich performanter mit der Hardware umgeht, diese deutlich länger hält, eindeutig weniger Fehler hat und deutlich sicherer ist und genau das lieben die Menschen da dran.
Paddel2 13.06.2016
5. @sickandinsane
Das müssten Sie einmal näher erläutern. Neueste Smartphones von Samsung und Co. kosten nicht weniger als ein iPhone. Sie erleiden zwar einen massiven Preisverfall, dafür können sie Altgeräte von Apple gebraucht noch zu einem hohen Preis verkaufen, was nachhaltiger ist. Innovativ sind die Geräte der Konkurrenz ebenfalls nicht, oder kennen Sie irgendeine Funktion, die bahnbrechend für die Smartphoneentwicklung war? Ich habe mir vor fünf Jahren ein Macbook Pro gekauft. Fazit: Bisher keine Reparaturkosten, das Gerät läuft ruckelfrei wie am ersten Tag, das System arbeitet perfekt mit dem iPhone zusammen und der Akku hält ebenfalls noch problemlos 6 Stunden durch. Für neue Betriebssysteme musste ich auch nichts bezahlen. Die Anschaffungskosten waren in der Tat hoch, sie haben sich aber über die Zeit gerechnet. Und das Gerät sieht immer noch verdammt gut aus!
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