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30. April 2012, 16:53 Uhr

Konferenz WWDC

Apple-Fan will sich für Eintrittskarte umbenennen

Manchmal muss man eben verzweifelte Maßnahmen ergreifen. So wie jener Programmierer, der unbedingt noch ein Ticket für Apples ausverkaufte Entwicklerkonferenz haben will und dafür sogar seine Identität aufgeben würde. Vielleicht, weil dort ein neues iPhone erwartet wird?

Wer er ist, wollte der Unbekannte nicht preisgeben. Man kann aber vermuten, dass er mit Vornamen Jebodiah heißt. Denn 500 Dollar extra bot er, falls ihm jemand mit demselben Vornamen sein Ticket für Apples diesjährige Entwicklerkonferenz, die WWDC (World Wide Developer Conference), verkaufen würde. Aber auch ohne die Namensgleichheit ist der Verfasser einer Suchanzeige beim Kleinanzeigendienst Craigslist bereit, tief in die Tasche zu greifen und einiges zu tun, um noch an eine Eintrittskarte für die fünftägige Veranstaltung zu kommen. Sogar seinen Namen würde er ändern - und müsste das wohl auch - wenn jemand auf seine Angebot einginge.

Denn seit diesem Jahr verkauft der US-Konzern die Eintrittskarten zu seiner Fachveranstaltung namentlich personalisiert. Die Tickets seien nicht übertragbar, schreibt der Unbekannte dann auch in seiner Suchanzeige bei dem Kleinanzeigendienst Craigslist und ergänzt "deshalb bin ich natürlich gewillt, meinem Namen auf Ihren zu ändern, um Ihr Ticket zu kaufen". Darüber hinaus wolle er 2100 Dollar für die Eintrittskarte zahlen, die bei Apple 1600 Dollar gekostet hat.

Der Grund für das ungewöhnliche Angebot: Apples Entwicklerkonferenzen sind bei Programmierern so populär wie Lady-Gaga-Konzerte bei Teenagern. Die 5000 Eintrittskarten für die diesjährige WWDC, die vom 11. bis 15. Juni in San Francisco stattfindet, waren binnen zwei Stunden ausverkauft. Wer unter den Interessierten nicht zu den Frühaufstehern gehörte - der Verkauf begann am 25. April um 5:30 Uhr US-Westküstenzeit, 8:30 Ostküstenzeit - ging leer aus.

Erster Blick auf neue Hard- und Software

Dass Apple die Karten nun namentlich kennzeichnet, dürfte einen einfachen Grund haben: Weil die Veranstaltung so beliebt ist, gab es in den vergangenen Jahren einen schwunghaften Schwarzmarkt-Handel mit WWDC-Tickets, der jetzt offenbar unterbunden werden soll.

Dabei kann die Teilnahme an der WWDC für Entwickler entscheidend sein. Zum einen zeigt Apple dort zum ersten Mal geplante oder fertiggestellte Updates für seine Betriebssysteme OS X und iOS, sowie neue Anwendungsprogramme oder Online-Dienste. Außerdem nutzt der Konzern die Sommer-Veranstaltung regelmäßig, um neue Hardware vorzustellen. So wurden dort in den vergangenen Jahren die iPhones 4, 3GS und 3G sowie die Mac-Pro-Baureihe und etliche Aktualisierungen von Apple-Notebooks erstmals gezeigt.

In Workshops im Anschluss an die sogenannte Keynote, ein Eröffnungsrede am ersten Veranstaltungstag, haben Entwickler die Möglichkeit, sich tiefgehend über die neue Hard- und Software zu informieren. In diesem Jahr wird die Vorstellung eines neuen iPhone-Modells als Highlight erwartet.

"Nennen Sie Ihren Preis"

Und genau das scheint dem unbekannten Bieter aus Kalifornien jetzt enorm wichtig zu sein. Denn neben den 2100 Dollar und der Namensänderung bietet er dem potentiellen Verkäufer auch noch an, mögliche Strafen auf sich zu nehmen. Außerdem wolle er sich um sämtliche Ummeldungen bei Verkehrsbehörde kümmern und bis zu 40 Stunden gemeinnützige Arbeit übernehmen, falls es zu einer Verurteilung kommt.

Das sind reichlich Nachteile, die da jemand in Kauf zu nehmen bereits ist. Erfüllt werden wird sein Wunsch wohl trotzdem nicht, seine Anzeige wurde von Craigslist mittlerweile gelöscht. Kaum verwunderlich, zeigt sie doch klar, dass der Unbekannte vom Programmieren mehr versteht, als von der Rechtslage.

Doch allein steht er mit seinem Wunsch auch nicht da. Am Montagmittag suchten auf der Kleinanzeigenseite vier weitere Interessenten nach WWDC-Tickets. Drei davon boten zwischen 1800 und 2500 Dollar. Der vierte dagegen lässt alles offen und schreibt nur: "Nennen Sie Ihren Preis."

mak

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