Heft mit Gimmick: "Yps" kommt zurück

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Generationen von Kindern liebten die Hefte mit dem Gimmick: Das Magazin "Yps" ist für viele nach 1970 geborene Deutsche eine nostalgische Erinnerung. Nun soll die Marke wiederbelebt werden - als Lifestyle-Magazin für die erwachsen gewordenen Fans von damals.

"Yps" bei Facebook: "Tagelang Angst und Alpträume" Zur Großansicht

"Yps" bei Facebook: "Tagelang Angst und Alpträume"

Bei Facebook freut man sich, auch wenn oder gerade weil die einst vom "Yps"-Heft ausgelösten Traumata nicht vergessen sind. "Wegen euch und dem blöden Solar-Zeppelin hatte ich tagelang Angst und Alpträume, dass wegen mir ein Flugzeug abstürzen könnte, als der mir abgehauen ist", kommentiert ein "Yps"-Fan, "freu mich trotzdem aufs Comeback". "Yps" hat Generationen von Kindern in Deutschland begleitet und einen langfristigen Trend vorweggenommen, den Eltern von Kindern unter zehn Jahren heute auszubaden haben: das Gimmick zum Heft.

Heute gibt es in jedem größeren Zeitschriftenladen eine Ecke für diese in Plastik eingeschweißten Hefte, denen irgendwelcher Schrott beigelegt ist. Meist aufsetzend auf Kinderunterhaltungsmarken von "Prinzessin Lillifee" über "Benjamin Blümchen" und "Bob der Baumeister" bis hin zu Janosch und "Biene Maja". Den Heften mit Comics, Rätseln, Ausmalseiten und Postern liegen Miniaturgitarren aus Plastik bei, glitzernde Zauberstäbe oder Handy-Attrappen. Eine Kinderzeitschrift ohne Plastikramsch ist heute kaum mehr zu bekommen.

Neues Heft für die Leser von damals

Nun soll "Yps" ein weiteres Mal an den Kiosk zurückkehren - diesmal allerdings für große Nerds. Genauer gesagt: für die kleinen Nerds von damals, die heute ein bisschen älter sind. Ingo Höhn, Geschäftsleiter Egmont MediaSolutions, umreißt vor dem Neustart die Zielgruppe: "Die meisten der über 34.000 Fans von 'Yps' auf Facebook sind Männer zwischen 25 und 44 Jahren." Die sollen die neue "Yps" kaufen. Mit einer stolzen Startauflage von 120.000 Exemplaren soll das Magazin am 11. Oktober 2012 in den Handel kommen, zu einem Preis von 5,90 Euro.

Damals, in den siebziger und achtziger Jahren vor allem, war das Gimmick ein "Yps"-Alleinstellungsmerkmal. Dem Heft lagen phantastisch anmutende Extras wie die "Urzeitkrebse" bei, die man in Wasser selbst heranwachsen lassen konnte. In Wahrheit handelte es sich dabei schlicht um Fischfutter. Andere Gimmicks: Periskop-Bausätze aus Pappe, Propeller mit Zahnriemenantrieb oder ein Blasrohr, mit dem man um die Ecke schießen konnte. Mal erlaubte "Yps" einem, eine Comic-Figur namens Pif aus Gips zu gießen und anschließend zu bemalen, mal durfte man mit der sensationellen "Finger-Guillotine" die eigenen Eltern kurzfristig in Angst und Schrecken versetzen (die Klinge drehte sich vor der Selbstverstümmelung verlässlich zur Seite und ließ Kinderfinger unbeschadet).

Genial war oft vor allem die extreme Schlichtheit der Beigaben: Der eingangs zitierte "Solar-Zeppelin" war eine überdimensionierte schwarze Plastiktüte, die man an den Enden zubinden und mit Luft füllen musste. Schien die Sonne lang genug darauf, erwärmte sich die Luft im Inneren ausreichend, um den Sack zum Davonschweben zu bringen.

Geheimagenten, Zaubertricks und Comics - diesmal für Männer

"Yps" war ein Geschenk für kleine Nerds, die Comics - etwa mit dem in Karo gekleideten Känguru Yps - waren stets zweitrangig. Trotz alledem wurde das Heft im Jahr 2000 nach 25 Jahren eingestellt. 2005 und 2006 versuchte es der Verlag Egmont Ehapa, der die Marke von Gruner + Jahr übernommen hatte, erneut. Nach nur drei Ausgaben wurde "Yps" erneut beerdigt. Auch ein weiterer Neustart im Jahr 2009, wieder mit den "Urzeitkrebsen", blieb eine einmalige Aktion. Die Marke überwinterte bei Facebook, auch die Domain www.yps.de leitet direkt auf die Facebook-Seite weiter, wo bereits über 1600 Menschen mit einem Klick auf den "Like"-Button ihre Freude über die Rückkehr von "Yps" bekundet haben.

Diese gereiften "Yps"-Freunde von einst sollen nun mit einem Lifestyle-Heft erreicht werden, mit Themen wie "Mit 35 Jahren noch Geheimagent werden - wie geht das eigentlich? Gimmicks und Gadgets für Agenten, Forscher und andere Erwachsene" und "Zauberei - zehn einfache Tricks für die nächste Party!". Alte und neue Comics soll es außerdem geben und dazu typische Männermagazin-Themen wie Autos, Mode und Technik, allerdings alle "mit einem Bezug zu Karos, Kängurus oder Kohl", wie der Verlag mitteilt.

Man werde "versuchen, den Geist von 'Yps', dieses positive Alles-mal-Ausprobieren, in das neue 'Yps' zu übertragen", sagt der designierte Chefredakteur Christian Kallenberg. Bis 2010 war Kallenberg Chef der deutschen Lizenzausgabe des Männermagazins "FHM", das damals von Egmont aufgegeben und einem anderen Verlag überlassen wurde. Ob sich die Expertise für legendär schräge Bildunterschriften auf "Yps" auswirkt, wird man im Herbst beurteilen können.

Nur eins lässt sich dem Verlag derzeit noch entlocken: Auch dem "Yps" für Erwachsene soll ein Gimmick beiliegen.

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insgesamt 7 Beiträge
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    Seite 1    
1. also..
angst+money 25.04.2012
ohne Yinnie, Yan und Yorrick werde ich das nie kaufen!
2. Altmodisch
BadTicket 25.04.2012
Wieso so altmodisch? Warum nicht ein eBook oder eine andere digitale Form mit je einer speziellen App? Die meisten von damals sind doch schon so alt dass sie wissen wie man moderne Geräte bedient. Das wäre ein Sprung in die Zukunft, alles andere ist zum Scheitern verurteilt!
3.
twan 25.04.2012
Zitat von BadTicketWieso so altmodisch? Warum nicht ein eBook oder eine andere digitale Form mit je einer speziellen App? Die meisten von damals sind doch schon so alt dass sie wissen wie man moderne Geräte bedient. Das wäre ein Sprung in die Zukunft, alles andere ist zum Scheitern verurteilt!
Das geht mal gar nicht! Wo bekomme ich denn das Gimmick her? Auch heute wird der redaktionelle Teil zweitrangig sein. Ach was habe ich "das Yps" geliebt. Die Urzeitkrebse, der Kristallbaum, die div. Raketen......
4.
angst+money 25.04.2012
Zitat von BadTicketWieso so altmodisch? Warum nicht ein eBook oder eine andere digitale Form mit je einer speziellen App? Die meisten von damals sind doch schon so alt dass sie wissen wie man moderne Geräte bedient. Das wäre ein Sprung in die Zukunft, alles andere ist zum Scheitern verurteilt!
und das Gimmick?
5.
twan 25.04.2012
Zitat von angst+moneyund das Gimmick?
Tja, das war wohl ein Fall von "Zwei Doofe, ein Gedanke" ;)
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