Ohne Spezialequipment So einfach gehen Zeitraffer und Zeitlupe

Um Aufnahmen zu verlangsamen oder schneller ablaufen zu lassen, ist keine besondere Hardware nötig. Selbst Smartphones können das. "Docma"-Autor Michael J. Hußmann zeigt, was möglich ist.

Fotomontage aus Zeitrafferaufnahmen
Emeric`s Timelapse/ Adobe Stock

Fotomontage aus Zeitrafferaufnahmen


Streng genommen sind die Begriffe Zeitraffer und Zeitlupe nur auf Bewegtbilder anwendbar. Für eine Zeitlupe wird die Bildfrequenz einer Filmkamera heraufgesetzt, der Film dann aber mit der üblichen Bildfrequenz abgespielt; das Ergebnis ist eine flüssige Bildsequenz, die Bewegungen verlangsamt zeigt.

Eine Zeitrafferaufnahme ist der umgekehrte Fall: die Aufnahmefrequenz ist niedriger als die Bildrate bei der Wiedergabe. Aufnahmeserien mit Frequenzen von Hunderten von Bildern pro Sekunde oder Aufnahmen im Abstand einiger Minuten können aber auch nützlich sein, wenn es Ihnen am Ende nur um ein Einzelbild geht.

Beispielsweise hilft eine Aufnahmeserie, den entscheidenden Moment im Bild festzuhalten - sei es, weil eine Bewegung zu schnell ist, als dass man zum optimalen Zeitpunkt manuell auslösen könnte, oder weil man stundenlang auf den richtigen Zeitpunkt warten müsste. Die einzelnen Aufnahmen lassen sich auch zu einem Bild kombinieren - HDR-Bilder sind ein Beispiel dafür, aber auch Montagen wie im Aufmacherbild oben.

Eine Frage der Technik

Zeitrafferaufnahmen sind keine technologische Herausforderung. Es bedarf nur einer Intervallsteuerung, die die Kamera periodisch auslöst. Zeitlupenaufnahmen mit extrem hoher Bildfrequenz sind anspruchsvoller, aber schon vor rund 140 Jahren gelang es Eadweard Muybridge, die Bewegungen von Pferden festzuhalten und damit die Streitfrage zu entscheiden, ob alle vier Beine eines trabenden Pferdes zeitweise in der Luft wären (sie sind es). Muybridge benutzte Plattenkameras, die zunächst über gespannte Drähte durch die Pferde selbst und später über ein Uhrwerk ausgelöst wurden. Heute genügt dazu eine Digitalkamera.

Die Voraussetzung dafür schuf vor knapp einem Jahrzehnt eine neue Generation von CMOS-Sensoren, deren Pixel nicht mehr nur über zwei oder vier Kanäle ausgelesen wurden - vielmehr war ein A/D-Wandler pro Pixelspalte auf dem Sensorchip integriert.

Die massiv parallele Digitalisierung Tausender Pixel gleichzeitig machte es möglich, die Bildfrequenz auf 60 Aufnahmen pro Sekunde zu steigern - und noch weit darüber hinaus, wenn man sich mit einer geringeren Auflösung zufrieden gab.

Diese Sensoren wurden von Sony entwickelt, aber die ersten Kameras, die von deren Fähigkeiten Gebrauch machten, kamen von Casio. Die Exilim Pro EX-F1 aus dem Jahre 2008 konnte 60 Bilder pro Sekunde mit voller Auflösung und bei reduzierter Pixelzahl bis zu 1200 Bilder pro Sekunde aufzeichnen.

Wenn zur Intervallaufnahme noch eine Kamerafahrt kommen soll, brauchen Sie einen motorisierten Kameraschlitten wie den SliderPLUS von edelkrone (edelkrone.com).
edelkrone

Wenn zur Intervallaufnahme noch eine Kamerafahrt kommen soll, brauchen Sie einen motorisierten Kameraschlitten wie den SliderPLUS von edelkrone (edelkrone.com).

Heutzutage ist diese Technologie Stand der Technik - jedenfalls für Aufnahmen mit dem elektronischen Verschluss, denn der mechanische Schlitzverschluss ist nicht so schnell. Die Aufnahmegeschwindigkeit wird weniger vom Sensor bestimmt, sondern vor allem vom Prozessor, der die Zahl der Pixel beschränkt, die pro Sekunde verarbeitet werden können. Während Casios EX-F1 einen 6-Megapixel-Sensor hatte, sind die Auflösungen heute vielfach höher und die maximale Bildfrequenz ist daher geringer.

Auf der anderen Seite ist die Auflösung im Movie-Modus heute 4K oder sogar 6K, so dass einzelne Frames aus Filmen eine Alternative zu den im Serienbildmodus aufgenommenen Bildern sein können - insbesondere wenn die Kamera keinen elektronischen Verschluss unterstützt und die Serienbildgeschwindigkeit durch den Schlitzverschluss limitiert ist.

Intervallaufnahmen

Im Gegensatz zu einer Hochgeschwindigkeitsaufnahme, die einen entsprechend schnell auslesbaren Sensor erfordert, stößt eine Zeitrafferaufnahme auf keine technischen Herausforderungen. Alles, was benötigt wird, ist eine Steuerung, die die Kamera in einem vorgegebenen Rhythmus auslöst. Digitalkameras wären dazu schon immer in der Lage gewesen; dennoch gibt es noch immer Modelle ohne einen programmierbaren Intervalltimer.

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Mit dem jeweils passenden Kabel kann der Pluto Trigger die meisten aktuellen Kameramodelle steuern.
Michael J. Hußmann/ DOCMA

Mit dem jeweils passenden Kabel kann der Pluto Trigger die meisten aktuellen Kameramodelle steuern.

Für solche Kameras benötigen Sie ein externes Steuergerät, das Sie mit dem Fernauslöseranschluss verbinden. Solche Trigger bieten dann aber noch viele über eine Intervallsteuerung hinausgehende Funktionen. Der beliebte Triggertrap wird nach der Insolvenz seines gleichnamigen Herstellers nicht mehr produziert und unterstützt. Aber neben den Triggern von Miops (miops.com) für rund 240 Euro gibt es den Pluto Trigger (plutotrigger.com) für rund 110 Euro - beide werden über eine Smartphone-App unter Android oder iOS gesteuert.

Ein externer Auslöser wie der Pluto Trigger lässt sich über ein Smartphone für Intervall- Aufnahmen programmieren.
DOCMA

Ein externer Auslöser wie der Pluto Trigger lässt sich über ein Smartphone für Intervall- Aufnahmen programmieren.

Nachdem Sie die gewünschte Zahl von Aufnahmen und deren zeitlichen Abstand über die App programmiert haben, können Sie die Bluetooth-Verbindung der externen Steuereinheit abschalten, um Strom zu sparen.

Sie sind aber nicht auf den starren Zeitplan eines Intervall-Timers angewiesen, sondern können den Trigger auch auf die Auslösung durch Geräusche, (Gewitter-) Blitze oder eine Laser-Lichtschranke programmieren. Zusammen mit dem Smartphone sowie dessen Kamera und Mikrofon lassen sich noch weitere Funktionen realisieren, so dass ein externer Trigger selbst dann eine lohnende Investition sein kann, wenn Ihre Kamera bereits einen Intervall-Timer besitzt.



insgesamt 5 Beiträge
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Flying Rain 25.06.2017
1.
Also diese "Trigger" sind für die meisten Timelapseaufnahmen völlig übertrieben. Die meisten simplen Fernauslöser (kabel oder funk) bekommt man für 20-30€ und diese können dann auch Intervallaufnahme und es lassen sich die Auslösungen einstellen. Ein Kameraschlitten der zwischen den Auslösungen fährt!) lässt sich (wenn man überhaupt einem braucht) für unter 100€ bauen wenn man ein wenig handwerkliches Geschick mitbringt. Ansonsten braucht es dann aber wenn man einen guten Workflow haben will eine gute Software welche die Bilder zu einem Video zusammenbringt wobei ich hier auf LRTimelapse setze was der teuerste Posten auf der Liste wäre. Wer natürlich noch zusätzlichen Bedarf hatt für Tonauslösung und ähnliches dem kann man einen solchen Auslöser (Trigger hui was für ein Wort) natürlich ans Herz legen, macht bei Makroaufnahmen doch ab und an Spaß wenn man etwa einen Apfel ins Wasser wirft und dann (wenn richtig eingestellt) die Kamera genau im richtigen Moment auslöst. Für reine Zeitraffer sind die Dinger aber trotzdem viel zu teuer und unnütz weil man diese etwa bei einem Slider auch wieder integrieren muss was Kabelgebunden doch einfacher ist.
2cv 25.06.2017
2. Zeitraffer bei iOS kostenlos
Wenn der Untertitel der Artikel-Überschrift schon suggeriert, es gebe Zeitraffer und Zeitlupe für Smartphones, dann sollten diese auch erwähnt werden. Bei iOS beispielsweise ist seit iPhone 4s / iOS8 die Zeitraffer- und Zeitlupen-Funktion kostenfrei in der Kamera App integriert, und keine extra Hardware oder Software ist notwendig. Bei Android Geräten hängt es an der Integration des Herstellers, ob Zusatzsoftware notwendig ist. Im Übrigen liest sich der Artikel eher wie ein Advertorial - und damit gesponserte Nachricht...
Nonvaio01 25.06.2017
3. bei android auch,
Zitat von 2cvWenn der Untertitel der Artikel-Überschrift schon suggeriert, es gebe Zeitraffer und Zeitlupe für Smartphones, dann sollten diese auch erwähnt werden. Bei iOS beispielsweise ist seit iPhone 4s / iOS8 die Zeitraffer- und Zeitlupen-Funktion kostenfrei in der Kamera App integriert, und keine extra Hardware oder Software ist notwendig. Bei Android Geräten hängt es an der Integration des Herstellers, ob Zusatzsoftware notwendig ist. Im Übrigen liest sich der Artikel eher wie ein Advertorial - und damit gesponserte Nachricht...
seit Android 5, ich hab die Eisbucket challenge von meinem Sohn auf Kamera in Zeitlupe aufgenommen.
Tom451 25.06.2017
4. ...und wie mache ich nun Zeitlupe?
Im Artikel wird auf Zeitraffer detailliert eingegangen. Zur Zeitlupe wird aber nicht viel mehr geschrieben, als dass es sie schon vor 140 Jahren gab und heute "Stand der Technik" sei -- aha! Ich suche schon länger nach einer Zeitlupe für mein Handy. Herausgefunden habe ich, dass mein Handy keine höheren Bildfrequenzen erzeugen kann, die für eine "echte" Zeitlupe nötig wären. Mit entsprechenden Apps ist etwas ähnliches wie eine Zeitlupe möglich, was durch langsameres Abspielen der aufgenommenen Filme erzeugt wird - ruckelnde Bilderfolgen sind das Ergebnis. Dies ließe sich zwar mit entsprechender Software mehr oder weniger überzeugend durch Berechnung von Zwischenbildern in "echte" Zeitlupe umwandeln, doch eine entsprechende App habe ich für mein Handy noch nicht gefunden. Für den PC gibt es jedoch die Freeware SlowMoVideo, welche allerdings etwas hakelig zu bedienen ist, somit eher etwas für Freaks. Ansonsten bleiben dann nur noch teure Videoschnitt-Editoren, welche die Umrechnung in Zeitlupe ebenfalls beherrschen, die mir als Gelegenheits-Filmer aber zu teuer sind.
Motorpsycho 26.06.2017
5.
Aufnahmen schneller oder langsamer ablaufen zu lassen ist nicht Aufgabe des Aufnahmegeräts sondern eine Frage des Abspielgeräts. Das kann jeder etwas bessere Videoplayer inklusive Pitch-Korrektur für den Ton. Das Aufnahmegerät kommt nur dann ins Spiel, wenn man dabei eine Mindestbildfrequenz haben möchte oder beim Zeitraffer, sehr lange Zeiträume abdecken möchte, denn eine periodische Auslösung ist bei Zeitrafferaufnahmen nicht unbedingt nötig. Die braucht man nur, wenn die Aufnahmedauer begrenzt ist und der Aufnahmezeitraum diese übersteigt. Ansonsten ist das eine reine Frage der Software die Zwischenbilder herauszunehmen. Das macht, wie gesagt, so ziemlich jeder Videoplayer. Und wie man das bei der Zeitlupe nun macht, da schweigt sich der Artikel auch eher aus, abgesehen von der Andeutung, dass es Handys gibt, die mit 60fps aufzeichnen können, was mit 30fps abgespielt, dann den Faktor 2:1 ergibt. Was da möglich ist, zeigt z. B. das Sony XZ Premium, welches Aufnahmen mit 960 fps machen kann, das allerdings nur für sehr kurze Zeit.
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