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07.09.2009
 

Game-Kunst

Kampf um den besten Blick

Von Moses Grohé

Die Szenerien auf den Bildern von James Barnett kommen vielen Gamern seltsam vertraut vor. Kein Wunder, denn er findet seine Motive in Videospielen. Manchmal muss er sich die Orte, die er malen möchte, im Spiel erst freikämpfen.

Läuft der Maler James Barnett durch Videospielwelten, nimmt er sie anders wahr als andere. Auch wenn er gerne spielt und viel Zeit mit "Team Fortress 2" und "City Of Heroes" verbringt, gibt es für ihn mehr zu entdecken als das Ende eines Spiels oder neue Strategien. Ihm geht es um mehr: Er hält Ausschau nach guten Motiven wie ein Landschaftsmaler, der durch Felder spaziert.

"Fauxvism Series" hat er eine Reihe von Bildern genannt, die er mit Ölfarben auf Holz gemalt und deren Vorbilder er in Videospielen gefunden hat. Die Idee dazu ist ihm gekommen, als er in "Half-Life 2" aus einem dunken Gebäude ins Freie trat: "Ich war beeindruckt, wie realistisch das Licht fiel und wie sehr es nach echtem Sonnenschein aussah", sagt er. Daraufhin hat er erst einmal einige Porträts der weiblichen Hauptdarstellerin Alyx gemalt, doch erst mit seinen Landschaftsbildern bekam er weltweit Aufmerksamkeit - was ihn überrascht und begeistert: "Ich hätte nie gedacht, dass sich mal Leute auf Russisch, Japanisch und in Sprachen, die ich nicht mal kenne, über meine Bilder unterhalten."

Dass die Motive aus Videospielen stammen, ist dabei nicht das Entscheidende für Barnett: "Ich möchte, dass die Bilder für sich stehen", sagt er, "wenn der Betrachter ein Gamer ist und die Gegend wiedererkennt, ist das ein Bonus." Eines seiner "Team Fortress 2"-Bilder haben Käufer als Hochzeitsgeschenk mit einer kleinen Notiz versehen: "Herzlichen Glückwunsch, Brad und Lisa. Lisa, viel Spaß mit dem Gemälde der überdachten Brücke. Brad: Pssst."

"Genau so hatte ich mir das gedacht", freut sich Barnett. Stilistisch orientiert er sich mit seinen Bildern am Fauvismus (siehe Kasten). Um die Games in Öl zu bannen, fertigt der Künstler Screenshots an, die ihm dann als Vorlage dienen. Manchmal muss er sich die Orte, die er malen möchte, im Spiel erst freikämpfen, bevor er den Screenshot aus der besten Perspektive machen kann. Manchmal fliegt er auch per Cheat direkt zu den Stellen, die er sich beim normalen Spielen gemerkt hat. Um das Bild zu malen, braucht er dann 5 bis 20 Stunden.

Richtig gelernt hat er das nicht. Während seines Grafikdesign-Studiums hat er zwar einen Kunstkurs besucht, sieht sich aber als Autodidakten. Und obwohl er seit zehn Jahren Kunst verkauft, hat er mit den Videospiel-Gemälden etwas ganz Besonderes erreicht: "Das ist die erste Serie von mir, die auch meiner Mutter gefällt."

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