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13.06.2010
 

Geocaching-Boom

Die Welt, eine Schatzinsel

Von Tom Hillenbrand

Geocaching: Mit dem iPhone auf Schatzsuche
Fotos
SPIEGEL ONLINE

Mit Hilfe von GPS-Empfängern versteckte Kisten aufzustöbern, galt lange als Zeitvertreib für Nerds. Inzwischen aber haben Smartphones die Zahl der Nutzer explodieren lassen, weltweit gibt es über eine Million Verstecke - die Hightech-Schatzsuche namens Geocaching ist zum Trendsport geworden.

Dave Ulmer ahnte wohl nicht, was er da anrichtete. Der Amerikaner hatte gehört, Bill Clinton werde das vom US-Militär entwickelte Ortungssystem GPS Navstar für die Allgemeinheit freigeben. Ulmer wollte die neue Technik testen - und versteckte Mitte 2000 einen alten Eimer in der Nähe seines Hauses bei Portland. Dessen Inhalt: Eine Zwille, ein Buch von Ross Perot und die Videokassette "George of the Jungle". Die Koordinaten postete er in einem Forum. Binnen weniger Tage pilgerten mehrere Leute zu Ulmers abgeschiedener Hütte, um den "Schatz" zu heben.

Zehn Jahre später liegt die Zahl solcher Verstecke (Caches) bei über einer Million. Es gibt sie in großen Städten, in entlegenen Waldgebieten, sogar in der Antarktis. Über vier Millionen Menschen praktizieren inzwischen Geocaching. Und einige Beobachter glauben, dass dies erst der Anfang eines enormen Booms sein könnte.

Der Ablauf der Hightech-Schatzsuche ist recht einfach. Jemand versteckt eine kleine Kiste oder ein Filmdöschen - und stellt die Koordinaten nebst einer Beschreibung des Ortes in einer Datenbank ein. Andere Geocacher navigieren dann per GPS-Gerät zu dem Schatz und schreiben ihren Namen in ein im Behälter bereitliegendes Logbuch - zum Beweis, dass sie wirklich da waren.

Lost Places in der eigenen Stadt

Die größte Plattform der Community ist Geocaching.com. Hier sind aktuell 1.081.885 Caches verzeichnet, es gibt etwa vier Millionen aktive Spieler. "Angefangen hat es eher als Outdoor-Aktivität", sagt die beim Betreiber Groundspeak zuständige Produktmanagerin Jen Sonstelie. Spieler liefen stundenlang durch Wald und Flur, um einen Cache zu finden. "Inzwischen hat sich das Hobby in die Stadt verlagert."

Manchmal befinden sich die Verstecke in der Nähe von Sehenswürdigkeiten - oft jedoch eher an Orten, die man gemeinhin als lost places bezeichnet: Vergessene Ecken im Unterbauch der Metropole, wie etwa das Berliner Gleisdreieck. "Man erhält völlig neue Einblicke in seine Stadt, erforscht Ecken die man vorher noch nie gesehen hat", sagt Marco Hopp* aus Frankfurt.

Der Bankmanager hat bereits über 400 Caches aufgesucht - geloggt, wie man in der Szene sagt. Tatsächlich ist es erstaunlich, worauf man beim Geocaching so stößt. Der Autor fand beim Selbstversuch in einem Hamburger Hinterhof beispielsweise ein gigantisches Graffito, an dem er zuvor Dutzende Male ahnungslos vorbeigelaufen war.

Rasantes Wachstum dank Smartphones

Von Dave Ulmers erstem Cache bis zu Nummer 500.000 dauerte es sieben Jahre, für die nächsten 500.000 Verstecke brauchte Geocaching.com nur noch drei. Das rasante Wachstum dürfte vor allem von drei technologischen Entwicklungen ausgelöst worden sein: Der Verbreitung des Internets, dem sinkenden Preis von GPS-Empfängern - und vor allem dem Aufstieg des Smartphones. "Die Sache hat sich stark aufs Mobiltelefon verlagert", sagt Sonstelie.

Es gibt immer mehr Smartphones - und immer weniger Telefone die noch ohne GPS ausgeliefert werden. Der Marktforscher Gartner rechnet damit, dass 2013 die Hälfte aller neuen Handys das Ortungsfeature besitzen wird. Während sich Geocacher noch vor wenigen Jahren händisch Koordinaten notierten und dann mit klobigem Gerät auf die Pirsch gingen, verläuft die Schatzsuche heute wesentlich komfortabler.

Per iPhone-App lassen sich jederzeit Cache-Daten in der Nähe abrufen. Gepaart mit den kürzeren Wegen bei der innerstädtischen Schatzsuche wird Geocaching so von einer zeitaufwändigen Wochenendbeschäftigung zu einem Zwischendurch-Hobby, wie man an vielen Logeinträgen auf Geocaching.com sehen kann: "Nach der Arbeit noch kurz vorbeigeschaut" heißt es da oder "Habe hier in der Mittagspause mal schnell geloggt."

Virtuelle Schätze im Cache

Smartphones der nächsten Generation könnten das GPS-Spiel zudem zu etwas völlig Neuem mutieren lassen. Ole Braukmeyer*, IT-Spezialist aus Essen, bevorzugt schon heute sogenannte Multicaches, bei denen man den nächsten Cache nur finden kann, wenn man ein im vorherigen liegendes Rätsel oder Puzzle löst. "Es gibt aber auch schon Multicaches, die zum Beispiel über Audiodateien funktionieren, die man herunterladen muss", so Braukmeyer.

Geocaching-Expertin Sonstelie glaubt, dass solche Multimedia-Elemente in Zukunft verstärkt zum Einsatz kommen werden. Ihre Firma könne sich im Prinzip auch den Einsatz von sogenannter Augmented-Reality-Software vorstellen: "Beim Blick durch seine Handy-Kamera könnte man dann vielleicht virtuelle Schätze sehen, zusätzlich zu den normalen Sachen, die im Cache liegen".

Theoretisch wären dann auch völlig virtuelle Caches denkbar - niemand müsste mehr eine mit Magneten gesicherte Tupperbox unter Brücken oder Torbögen verstecken. Nicht allen Geocachern behagt diese Vorstellung - manche wollen Dinge lieber weiter offline verstecken und suchen. Auch Braukmeyer ist eher Traditionalist: "Geocaching ist nämlich ideal, um lauffaule Kinder vor die Tür zu bekommen."

*Name von der Redaktion geändert

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insgesamt 12 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.06.2010 von GM64: Ic hatte danach panische Angst an den Ort zu gehen

weil ich Angst hatte diesen Leuten zu begegnen. Die sind zu allem fähig. Ich hatte auch ein Buch in den Cache getan, weil ich dachte es wäre auch nett Bücher wandern zu lassen. Aber nach dem was ich erlebt hatte, wollte ich [...] mehr...

14.06.2010 von Nosoj: Da is wohl jemand beleidigt ?!

Das is natürlich schade, wenn die Leute, die das gleiche Hobby ausüben wie man selbst nich sympathisch sind und man eventuell eine andere Sicht der Dinge hat. Vielleicht is man ja aber auch nur beratungsresistent und nimmt einen [...] mehr...

14.06.2010 von antares85: ...

Bin selber ja noch ein Neuling, aber es ist einfach ein schönes Hobby. Man kommt raus, trifft immer mal wieder nette Geocachekollegen und man hat immer was zu tun. Mit den Neulingen stimme ich soweit zu, dass meine bisherigen [...] mehr...

14.06.2010 von GM64: Ein Spiel für Raser

Also ich hab kurz bei Geocaching mitgemacht. Ich wollte schöne Orte kennen lernen. Aber ich habe es sehr bereut. Man hat einen nur beschimpft, weil der Cache nicht schön genug war. Einige hier in Franken wollten es Neulingen [...] mehr...

14.06.2010 von Nosoj: Natur + Technik = Geocaching

Bin jetzt auch schon seid einigen Jahren mit großer Freude dabei und hab schon einige sehr lustige Dinge auf der "Schatzsuche" erlebt. Gerade die Verbindung von Technik und Natur finde ich besonders reizvoll und es führt [...] mehr...

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