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16.06.2010
 

Videospielmesse E3

Nintendo verblüfft mit 3D ohne Brille

Aus Los Angeles berichtet Christian Stöcker

3D mit und ohne Brille: Spielkonsolen mit Tiefenwirkung
Fotos
REUTERS

So viel Hardware-Wumms war nie: Bei der Videospielmesse E3 überbieten sich die Branchengiganten mit Science-Fiction-Technologien. Neben Bewegungssteuerung mit oder ohne Controller ist vor allem 3-D-Gaming das große Thema. Bei Nintendo sogar ohne lästige Spezialbrille.

Dass ausgerechnet Nintendo bei dieser Electronic Entertainment Expo (E3) ein wirklich verblüffendes Produkt präsentieren würde, hatte keiner so recht geglaubt. Im Wettrüsten der Konkurrenten Microsoft und Sony schien der Ur-Videospielkonzern aus Japan ein bisschen an den Rand gedrängt worden zu sein, zumindest, was die Publicity angeht. Und tatsächlich klang Nintendos Amerika-Chef Reggie Fils-Aime fast ein bisschen defensiv, als er bei der Pressekonferenz seines Arbeitgebers zunächst versuchte, mit eindrucksvollen Verkaufszahlen die Annahme zu entkräften, dass die Wii-Konsole und die dazugehörige Software im Markt etwas an Schwung verloren hätten.

Am Ende aber präsentierten Fils-Aime und sein Chef Satoru Iwata voller Stolz etwas, das Nintendo einmal mehr als avantgardistischen Innovator dastehen lässt: die erste tragbare Spielkonsole mit einem 3-D-Bildschirm - und zwar einem, der ohne eine Spezialbrille auskommt. Zudem enthält der neue "3DS" eine 3-D-Kamera und soll auch Filme mit Tiefeneindruck wiedergeben können.

Einmal mehr hat der Konzern aus Japan es damit geschafft, eine Technologie zur Marktreife zu bringen, die man eigentlich für Science-Fiction gehalten hätte. Zwar war schon vorher klar, dass 3D neben Bewegungssteuerung das zweite große Thema der Messe sein würde - dass Nintendos 3-D-Konsole tatsächlich ohne Brille funktioniert, überraschte dann aber doch. SPIEGEL ONLINE bekam Gelegenheit, einen Blick auf das 3,5-Zoll-Display mit Tiefenwirkung zu werfen, und der erste Eindruck war durchaus überzeugend: Hochaufgelöste 3-D-Bilder gab es da zu sehen, mit körperlich und massiv wirkenden räumlichen Objekten, die sich mit dem neuen Analog-Stick des "3DS" genannten Geräts hin- und herdrehen ließen. Der Tiefeneindruck war sehr realistisch, ohne Doppelbilder oder Verzerrungen.

Die günstigste 3-D-Kamera?

Ein Preis für den 3DS wurde ebenso wenig genannt wie ein Datum für die offizielle Markteinführung - doch die gezeigten Demonstrationsgeräte waren offenkundig keine Prototypen, sondern fertige Produkte. Und wenn Nintendo sich auch in der Preispolitik treu bleibt, dürfte der 3DS nicht mehr als einige hundert Euro teuer werden - und damit nebenbei zur günstigsten 3-D-Kamera auf dem Markt.

Auch Sony betonte in seiner Pressekonferenz das Thema Tiefeneindruck: Der dritte Teil des Sci-Fi-Shooters "Killzone" wurde gleich zu Beginn in eindruckvoller 3-D-Optik vorgeführt, das Fachpublikum zu diesem Zweck aber eben mit Polarisationsbrillen ausgestattet. Wer Spiele mit Sonys Konsole künftig samt Tiefeneindruck genießen will, wird zudem tief in die Tasche greifen müssen. Ob die Bereitschaft dazu momentan sehr groß ist, wird selbst innerhalb der Spielebranche offen bezweifelt.

"Ich glaube angesichts der weltwirtschaftlichen Situation nicht, dass viele Leute derzeit bereit sind, für einen 3-D-Fernseher 3000 Dollar auszugeben", sagte etwa Frank Gibeau, Leiter der Spieleentwicklung beim Branchenriesen Electronic Arts (EA), im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Es werde sicherlich einige Hardcore-Gamer geben, die sich schon zu Weihnachten mit entsprechenden Geräten ausstatten würden, doch der Massenmarkt in diesem Bereich liege womöglich noch Jahre in der Zukunft. Trotzdem macht EA mit und wird künftig ausgewählte Titel auch als 3-D-Versionen anbieten, ebenso wie Ubisoft und andere Software-Hersteller. Jede Entwicklung auf Hardware-Seite lässt die Spielehersteller auf erhöhte Kaufbereitschaft auch für neue Spiele hoffen. "Es ist immer gut, Innovation zu haben", sagt Gibeau.

Auch die Xbox 360 kann 3D

Räumliche Tiefe erzeugen können übrigens nicht nur Sony und Nintendo: Auch Microsofts Konsole ist in der Lage, 3-D-Bilder auszugeben, mit ein wenig mehr Aufwand auf der Software-Seite. Der Shooter "Crysis 2" vom deutschen Studio Crytek etwa wird auf beiden HD-Konsolen in 3D spielbar sein. Oliver Kaltner, für das Xbox-Geschäft in Deutschland zuständig, ist aber ähnlich vorsichtig wie EA-Manager Gibeau, was das Thema Spielen mit Tiefeneindruck angeht: "Dass die Technologie reizvoll ist, ist völlig unstrittig", sagte Kaltner SPIEGEL ONLINE, die Frage sei aber, "will der Konsument sich schon wieder ein neues TV-Gerät kaufen?".

Sony ist einer von wenigen Herstellern, die bereits 3-D-TVs anbieten, und da liegt es nahe, dass auch die Hauspolitik eine Rolle dabei spielte, dass bei der Videospielmesse ein solches Gewicht auf dreidimensionale Spielerlebnisse gelegt wurde: Hardcore-Gamer sind notorische Early Adopter neuer Technologien. Das war schon beim Thema HDTV so, und Sony hofft zweifellos darauf, dass die Technik-Avantgarde auch beim Thema 3D wieder früh zuschlagen wird.

Die Spielebranche als Innovationstreiber

Sonys eigene Bewegungs-Steuerungstechnologie namens "Move" für die PS3, das Konkurrenzprodukt zu Nintendos Wii und Microsofts Kinect, musste denn auch mit einem späteren Platz innerhalb der Messepräsentation vorlieb nehmen. Garniert mit großzügig verteilten Sticheleien gegen Microsofts Controller-freies Konkurrenzprodukt ("So tun, als sei meine Hand eine Pistole? Sind wir hier in der dritten Klasse?") wurde, anders als bei Microsoft, auch ein Preis für die Bewegungssteuerung verkündet: Ein Controller mit Plastik-Leuchtkugel soll 50 Dollar, das Zusatzgerät für die zweite Hand noch einmal 30 Dollar kosten. Ein Komplettpaket mit Controller, der ebenfalls notwendigen "Playstation Eye"-Kamera und einem Sportspiel wird für zusammen 100 Dollar angeboten. Wer eine PS3 samt "Move"-Ausrüstung für zwei Spieler erwerben möchte, muss dafür mindestens 480 Dollar, in Europa vermutlich 480 Euro ausgeben. Den Verkaufsbeginn hat Sony für Europa auf den 15. September festgelegt.

Zum Vergleich: Eine Wii samt Spiel ist derzeit für gut 180 Euro zu haben. Aber die kann dann weder HD noch 3D und besitzt auch kein eingebautes Blu-ray-Laufwerk.

Auch, wenn viele all die Investitionen erst einmal scheuen sollten - eines jedenfalls hat der Beginn der E3 mehr als deutlich gezeigt: Was die drei großen Hardwarehersteller da in Los Angeles vorführen, zementiert den Status der Spielebranche als Innovationstreiber im Bereich Unterhaltungselektronik. 3D ohne Brille, Bewegungssteuerung mit oder ohne Controller, bei Microsoft zusätzlich auch noch Live-Fernsehprogramme auf der Konsole, verknüpft mit Community-Elementen wie parallel laufenden Quizspielen oder Livechat, dazu Gesichtserkennung und Stimm-Steuerung für die eigene Unterhaltungszentrale: Die Electronic Entertainment Expo ist im Jahr 2010 der Ort, an dem ein Blick in die Zukunft der Wohnzimmerunterhaltung geworfen werden kann.

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.06.2010 von Loosa: Mal abwarten

Bei den kleinen Displays von Nintendo mag dieses 3D-Verfahren überzeugend funktionieren. Bei 30-40" großen Bildschirmen habe ich aber bisher noch keinen einzigen gesehen der nicht Probleme mit Doppelbildern und Störungen [...] mehr...

16.06.2010 von Parzival v. d. Dräuen: Das muss langsam mal schneller werden.

Nintendo muss sich eher beeilen, damit sie das Weihnachtsgeschäft 2010 noch mitnehmen können. Eine gewisse Vorlaufzeit für die Early-Adopters, damit die Geräte auf dem Schulhof vorgeführt werden können und Begehrlichkeiten [...] mehr...

16.06.2010 von tetaro: ..

Nintendo macht es im Grunde wieder richtig... der PC- und Spielemarkt wird immer mobiler und kompakter... auf mobile Konsolen zu setzen und hier neue Technologie zu positionieren, ist ein kluger Schachzug. Zudem bringt das [...] mehr...

16.06.2010 von Paul Panda: warum nicht

Danke für die Info. Dieses alte Prinzip kenne ich natürlich noch sehr gut von den Wackelbildchen aus meiner Kindheit. Und das soll jetzt die sensationelle, neue 3-D-Technik sein? Na - ich weiß nicht recht! Aber oft ist es ja so, [...] mehr...

16.06.2010 von Websingularität: ja geil

Cooles Teil dieses Nintendo Gerät. Wenn man damit auch Telefonieren kann, bzw. Smartphone eingebaut ist, würde ich's kaufen. Ansonsten hat man zwei Geräte. Der einzige Hersteller der das heute anbietet, ist Apple. Das ist [...] mehr...

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