Es ist keine leichte Zeit für die internationale Spielebranche. Viele Jahre lang konnte man sich über gewaltige Wachstumsraten freuen, dann aber kam die Weltwirtschaftskrise. Der deutsche und der internationale Markt schrumpfen derzeit - PriceWaterhouseCoopers prognostiziert für die Spieleverkäufe einen Umsatzrückgang von 2,2 Prozent für 2010. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) will für das erste Halbjahr 2010 sogar einen Rückgang von fünf Prozent errechnet haben.
Vielleicht ist auch gar nicht der Bankencrash schuld an der Stagnation, die die Branche derzeit erlebt. Vielleicht ist es ein Mangel an Innovation. Bei der Messe Gamescom in Köln will die Branche ab Donnerstag zeigen, dass sie weiterhin Ideen produzieren und damit Geld verdienen kann. Dazu soll das Medium in zwei Richtungen wachsen: Es soll teurer werden, noch dynamischer - und gleichzeitig billiger, statischer aber sozialer. Die Branche versucht gewissermaßen, in zwei Richtungen zugleich zu marschieren: vorwärts in Richtung Holodeck und rückwärts in Richtung Monopoly.
Die Konsolen der großen Hersteller sind nun jahrelang auf dem Markt, und das Wettrüsten der Boliden-Hersteller Microsoft und Sony hat zu einem Patt geführt: Was Grafik und Rechenkraft angeht, nehmen sich Playstation 3 und Xbox 360 derzeit nicht viel - auch wenn Fanboys das anders sehen.
Auf der Ausgabeseite wird sich in den kommenden Jahren nur noch Marginales tun, wenn man einmal von dem intensiven Bemühen der Branche absieht, 3-D-Gaming als nächstes großes Ding zu etablieren. Die beiden High-End-Konsolen liefern schon jetzt nahezu fotorealistische Grafik und Kinosound. Solange nicht ein Wunder geschieht und TV-Fanatiker weltweit in Scharen sündhaft teure 3-D-Fernseher kaufen, wird da erst mal nicht viel passieren. Das sehen auch Brancheninsider so.
Onlinespiele sind die Hoffnungsträger der Branche
Raumgreifend soll künftig trotzdem gespielt werden: vor der Mattscheibe. Nachdem Nintendo bewiesen hat, dass man mit einer Steuerung, die bei Bedarf den ganzen Körper einbezieht, einen neuen Massenmarkt erschließen kann, ist der Boden zwischen Sofa und Fernseher zum neuen Schlachtfeld der Konsolenhersteller geworden. Sony und Microsoft bringen ihre Bewegungssteuerungs-Systeme diesen Herbst auf den Markt. Man braucht die erhofften neuen Zielgruppen dringend - denn mit der alten Stammklientel wird einfach nicht mehr genug verdient. Die Budgets für Spitzentitel liegen längst im zweistelligen Millionenbereich, aber in letzter Zeit haben nur wenige diese Investition auch wieder einspielen können.
Doch ohne diese teuren Titel kann die Branche in ihrer jetzigen Form kaum überleben. PriceWaterhouseCoopers zufolge werden in Deutschland im Jahr 2010 etwa 1,13 Milliarden Euro für Spiele auf Plattformen von Sony, Microsoft und Nintendo ausgegeben. Das sind 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr - aber der Löwenanteil des Gesamtumsatzes der Branche. Mit Onlinespielen, den Hoffnungsträgern der Branche, wurden 2009 nur gut 200 Millionen umgesetzt. Hier werden zweistellige Wachstumsraten erwartet - aber bis zum Volumen des klassischen Geschäftes mit Datenträgern ist der Weg noch weit.
In Köln werden Sony und Microsoft mächtig trommeln, um Fachpresse und Öffentlichkeit von ihrer jeweiligen Wii-Variante zu überzeugen. Preislich lassen sich die Systeme nur schwer vergleichen: Sony hat ein komplizierteres System, für das man mehrere Controller braucht, wenn man zu mehreren spielen will. Für beidhändiges Spielen müssen Zusatzcontroller erworben werden, wieder ein Paar pro Spieler. Microsofts Sensorsystem Kinect für 150 Euro (inklusive eines Spiels) braucht man nur in einfacher Ausfertigung. Wer eine vierköpfige Familie ausrüsten will, kommt bei Microsoft günstiger weg.
Das Wohnzimmer zum Holodeck machen
Welche Wedel-Steuerung die bessere ist, ist noch nicht ganz klar. Fest steht: Sony bemüht sich stärker, mit seinem Produkt die alte Hardcore-Gamer-Kundschaft mit ins Boot zu holen - schon bei der Electronic Entertainment Expo wurde immer wieder betont, man brauche schließlich einen Controller mit Knöpfen, um anständig spielen zu können. Microsofts Ansatz ist radikaler: Zum Spielen mit Kinect soll man prinzipiell nichts in der Hand halten. Die entscheidende Frage jedoch ist, ob Microsoft oder Sony es schaffen werden, die Wii-Klientel zu überzeugen, dass nun der Kauf einer neuen Konsole mit hochauflösender Grafik lohnt.
Darüber, ob die Gestensteuerung gepaart mit 3-D-Ausgabetechnologie (die sowohl Xbox als auch Playstation besitzen) das Wohnzimmer zum Holodeck machen kann, gehen die Meinungen noch auseinander. Fragt man Spitzenmanager von Spielesoftwareherstellern, sagen manche, die Technologie sei soweit. Andere glauben, dass die Verknüpfung der Rauminformation aus dem Wohnzimmer mit dem virtuellen Raum der Spielwelt noch lange nicht gut genug für sinnvolle Anwendungen in 3D sein wird. Vorgeführt jedenfalls hat so eine Software bislang niemand, die etwa das Kicken eines virtuellen 3-D-Balles im echten Raum ermöglichen würde. Gut möglich, dass diese nächste Stufe erst mit der nächsten Konsolengeneration erreicht wird.
Browserspiele sind die Antithese zu den hochgezüchteten Grafikfesten
Während an dieser Front das Wettrüsten weitergeht, wird andernorts mit vergleichsweise simpler Technik überraschend viel Geld verdient. Die beiden Themen, die die Branche in diesen Tagen wirklich elektrisieren, sind Browserspiele und sogenannte Social Games wie "FarmVille".
Browserspiele wie "Ikariam", "Sea Fight", "OGame" oder das nun in Köln präsentierte "Poisonville" haben in den vergangenen Jahren unauffällig einen völlig neuen Markt eröffnet, in dem deutsche Unternehmen global reüssieren. Bigpoint aus Hamburg und Gameforge aus Karlsruhe machen zweistellige Millionenumsätze, mit Titeln, die häufig erst mal gar nichts kosten. Browserspiele laufen, wie der Name schon sagt, im Web-Browser, großen Hardware-Wumms braucht man dafür nicht. Sie sind gewissermaßen die Antithese zu den hochgezüchteten Grafikfesten, die auf Spielkonsolen und Gaming-PC laufen.
Obwohl auch hier aufgerüstet wird: Bigpoints "Poisonville" ist ein Fahren-und-Ballern-Spiel in der Tradition der "Grand Theft Auto"-Serie, das in einer aufwändigen 3-D-Welt spielt. Bezahlen muss man dafür dennoch nicht, zumindest nicht sofort. Browserspiele funktionieren in der Regel nach dem alten Prinzip "Verschenke den Rasierer, verkaufe die Klingen": Wer Zeit sparen, seine Spielfigur schnell stärker machen will, kann sich Waffen, Trainingseinheiten oder andere Hilfen kaufen - für echtes Geld. Bigpoint verdoppelte 2009 die Anzahl seiner registrierten Nutzer auf über 100 Millionen, Gameforge steigerte in den letzten fünf Jahren seinen Umsatz um über 6000 Prozent.
Das Geschäft funktioniert so gut, dass nun die traditionellen Spielehäuser, die meist schon seit den Achtzigern mit Spielen auf Datenträgern ihr Geld verdienen, hektisch Browserspiel-Sparten aufbauen. Ubisoft etwa präsentiert bei der Messe die Testfassung einer Browserspiel-Variante der Bestseller-Serie "Die Siedler".
Die alten Branchengrößen versuchen in Sachen Social Games aufzuholen
Ein ähnliches Geschäftsmodell mit noch simplerer Technik treibt Social Games wie Zyngas Geldmaschinen "FarmVille" und "Mafia Wars" an: Die Spieler müssen hier nur durch ein paar Klicks virtuelle Bauernhöfe pflegen oder sich in den Rängen des Italo-Mobs hocharbeiten. Gespielt wird innerhalb von Facebook oder MySpace, der eigene digitale Freundeskreis kann zur Unterstützung herangezogen werden. Wer aber ein schnelleres Fluchtauto oder besseres Kraftfutter fürs digitale Vieh braucht, kann auch hier mit der Kreditkarte Abkürzungen kaufen. Das ist so lukrativ, dass sich derzeit alle um Zynga reißen. Google hat Gerüchten zufolge 100 Millionen Euro oder noch mehr in das Unternehmen investiert. Eben hat Zynga Owen Van Natta für den eigenen Vorstand eingekauft. Der war vorher, wenn auch nur kurz, Chef des bis vor gar nicht allzu langer Zeit größten Social Networks im Netz, MySpace.
Auch in Sachen Social Games versuchen die alten Branchengrößen nun aufzuholen: Electronic Arts kaufte im November 2009 den Anbieter Playfish - für etwa 300 Millionen Dollar. Walt Disney Co. bezahlte im Juli 2010 für das Social-Gaming-Unternehmen Playdom über 560 Millionen Dollar. Ubisoft hat sein erstes Social Game bei Facebook schon im vergangenen Sommer gestartet. Nur der derzeit weltgrößte Spielesoftwarehersteller Activision wartet noch ab. Man beschäftige sich derzeit intensiv mit dem Thema Social Gaming, sagte dessen Chef Bobby Kotick vor einigen Monaten, aber die Zeit sei noch nicht reif.
Auf der Gamescom müssen die Riesen jetzt runter in den Spagat: Zwischen den billigen, schlichten Spielen für Zwischendurch und den Millionen-Dollar-Produktionen, die noch immer das Kerngeschäft ausmachen. Zwischen Holodeck und Monopoly.
Auf anderen Social Networks posten:
Ich kann den Einträgen hier nur beipflichten. Ich Spiele nun ca. 20 Jahre und komme mir in der aktuellen Spielwelt sehr alt vor. Ich möchte keine 50€ bezahlen und dafür nur 8 Std. spielen. Was dann dazu noch ein Spiel ist in dem [...] mehr...
Und diese Entwicklung erreicht auch erneut den Punkt, wo man dieses Prinzip aufgeben muss. Gerade Game Designer werden in vielem deutschen Firmen wenig gewürdigt, die Ideen kann man schließlich irgendwo klauen/kopieren. Dass [...] mehr...
Hmm also ich hab früher sehr viel gespielt aber heute nur noch recht wenige Titel. Nicht das ich keine Lust mehr hätte aber es fehlt einfach irgendwo der Inhalt. Derzeit Spiele ich Arma 2, Anno 1404 und Hearts of Iron 3. Hearts [...] mehr...
Ich würde gerne mal wieder ein aktuelles Spiel kaufen, aber wegen der aktuellen Kopierschutzverfahren lasse ich es lieber. - Ohne Internetverbindung installieren sich die Spiele kaum noch. - Selbst bei Offline-Spielen wird [...] mehr...
Innovation sucht man in der Games-Branche in den letzen jahren leider vergeblich. Innovativ tätig waren die großen Publisher wie ActivisionBlizzard, EA, Take2 und Ubisoft in den letzten Jahren nur im Bereich Vertrieb respektive [...] mehr...
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