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09.09.2010
 

Ausgespielt

US-Army boykottiert Medal of Honor

Aktuelle War-Shooter: Hauptsache, es trifft den Richtigen?
Fotos
AFP

Der Spielehersteller Electronic Arts darf sich über kostenlose Publicity freuen:  Die US-Army hat entschieden, auf Armeegelände den Verkauf des Ballerspiels "Medal of Honor" zu verbieten. Die Armee-Leitung stößt sich daran, dass in dem Spiel auch die Taliban-Perspektive eingenommen werden kann.

Gängigen Vorurteilen zufolge gibt es beim Militär eine große Affinität zu Ego-Shooter-Spielen. Schon in den Achtzigern freute sich Ronald Reagans Außenminister, der Ex-Nato-Oberbefehlshaber Alexander Haig, auf die neue Generation von Piloten, die ihre Reflexe und Daumen schon im Jugendalter an Computerspielen schulten. Seitdem macht es in Sommerloch-Zeiten immer wieder Schlagzeilen, dass die eine oder andere Armee Egoshooter zu Trainingszwecken einsetze oder gelegentlich Baller-Titel finanziere.

Und natürlich ist das auch so: Gerade Team-Shooter mit ihrem hohen Stresslevel, dem heute erreichten Realismus und den Möglichkeiten, strategisches Handeln von Teams zu trainieren, sind eine reizvolle Erweiterung der Ausbildungs- und Trainingmöglichkeiten - und auch als Freizeitbeschäftigung wohl nicht ungern gesehen. Die US-Armee verfügt an 49 Standorten über eigene Gameshops, wo sich Soldaten mit Ballerspielen eindecken können. Doch auch dabei gibt es so etwas wie Political Correctness - Dinge, die akzeptabel sind, und Spiele, für die das nicht gilt.

In letztere Kategorie fällt die neueste Version des Titels Medal of Honor des Herstellers Electronic Arts. Rund zwei Wochen nachdem eine skandalumwitterte Vorführung des Titels nicht nur in den USA für reichlich Schlagzeilen gesorgt hatte wurde nun bekannt, dass die US-Armee den Titel, der am 12. Oktober erscheint, in ihren Gameshops auf Armeegelände nicht tolerieren wird. Ein förmliches Verbot für Soldaten, das Spiel außerhalb von Militärgelände zu kaufen und privat zu nutzen, wird es allerdings nicht geben.

Der Verkaufs-Verzicht wird sich in den Verkaufszahlen von Electronic Arts darum wohl kaum auswirken - er ist ein symbolischer Akt, mit dem die Armeeführung ihre Missbilligung des Titels zeigt. Woran sich die Militärs stoßen, ist die nicht nur bei Medal of Honor immer typische Möglichkeit des Perspektivwechsels: Teambasierte Shooterspiele leben davon, dass "Gute" gegen "Böse" antreten. Werden sie im Multiplayer-Modus in Teams gespielt, übernimmt immer eine Gruppe die Rolle der Bösen.

Es kommt darauf an, wer da wen erschießt

Bisher war das kein Problem. Auch daran, dass in früheren Versionen Soldaten in die Rolle von Nazis schlüpfen konnten, hatte sich niemand gestört. Bei Medal of Honor ist das anders, weil es um einen aktuellen Konflikt geht: Das Szenario ist Afghanistan, der Gegner, der da mit tödlichen Geschossen auf virtuelle US-Soldaten feuert, sind die Taliban. In Großbritannien wetterte Verteidigungsminister Liam Fox gegen das "ekelhafte" Spiel und empfahl Händlern, den Titel nicht ins Sortiment zu nehmen. Dem "Focus" sagte ein Sprecher des Deutschen Bundeswehrverbandes vor zwei Wochen, es sei "widerwärtig", ein solches Spiel zu veröffentlichen, "während in Afghanistan Menschen sterben".

Den kommerziellen Erfolg wird die Aufregung wohl eher fördern als verhindern. Schon jetzt, als reine Vorbestellung, steht das Spiel in Deutschland ganz oben in den Verkaufscharts für Shooter bei Amazon (PC Platz 4, PS3 Platz 3, Xbox Platz 14) und den USA (PC Platz 4, PS3 Platz 4, Xbox Platz 9).

Einen Dämpfer könnte Medal of Honor allerdings noch durch Activisions Titel "Call of Duty - Black Ops" erfahren, das erst im November erscheint, aber in den Verkaufscharts schon allein durch Vorbestellungen die Nase vorn hat (USA: PC Platz 1, PS3 Platz 1, Xbox Platz 4; Deutschland: PC Platz 1, PS3 Platz 2, Xbox Platz 8).

Diess Kriegsspiel darf aber wohl als unbedenklich gelten: Zur Zeit des Kalten Krieges angesiedelt kann man darin ganz political correct auf Kommunistenjagd gehen.

pat

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insgesamt 13 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.09.2010 von Osis: Titelfreies SPON: Danke

Ich glaueb die Moralfrage braucht man nicht stellen. Beim Cowboy-und-Indinaner spielt man eben auch nicht Völkermord... Diese Spiele handeln von Wirkungen des Krieges, nicht von den Ursachen. mehr...

09.09.2010 von The Phenom:

Haha. Nein. Hat damit nichts zu tun. Die Armee findet die Aktion von EA nur etwas beleidigend, was nachzuvollziehen ist. Es wird aber nicht die Soldaten in der Kaserne davon abhalten, im Spiel als Taliban auf die eigene [...] mehr...

09.09.2010 von Imhodepp: ohne

Das Problem ist wohl weniger, dass man als (Pseudo-) Taliban auf US-Soldaten schießt, sondern eher, dass ein US-Soldat durch das Spiel den Taliban als Menschen (analog "Spieler") sieht, statt als Feind. Dies könnte [...] mehr...

09.09.2010 von Demokrator2007: Ist Wirklichkeit ein Computerspiel oder ist es umgekehrt?

Was mich an sehr vielen Spielen irritiert ist die Frage: Werden Spiele an der Realität orientiert oder orientiert sich die Wirklichkeit an der Spielewelt? Ciao DerDemokrator P.S. Der selbst gelegentlich [...] mehr...

09.09.2010 von animas: Tod spielen ist besser als totmachen

Dem "Focus" sagte ein Sprecher des Deutschen Bundeswehrverbandes vor zwei Wochen, es sei "widerwärtig", ein solches Spiel zu veröffentlichen, "während in Afghanistan Menschen sterben". Aber hallo, [...] mehr...

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