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King Entertainment: Activision zahlt 5,9 Milliarden Dollar für "Candy Crush"-Hersteller

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Fast sechs Milliarden Dollar für ein einziges Erfolgsspiel: Der Branchengigant Activision übernimmt die Spielefirma King Entertainment für eine atemberaubend erscheinende Summe. Der Deal erinnert an die Taktik von Facebook.

Spiel "Candy Crush Soda Saga": Nachfolger des Superhits, aber ein Erfolg? Zur Großansicht
DPA

Spiel "Candy Crush Soda Saga": Nachfolger des Superhits, aber ein Erfolg?

Diese Übernahme hat Symbolkraft. Sie steht für den Wandel einer Branche, deren Geschäftsmodell von der mobilen Revolution umgekrempelt wird, obwohl sie doch schon immer digital war: Activision, das Schwergewicht, der Veteran der Videospielindustrie, übernimmt den Emporkömmling King Digital Entertainment, besser bekannt als die Firma hinter "Candy Crush Saga". Activision gibt es seit 1979, King seit 2002. Nun zahlt der Branchensenior 5,9 Milliarden Dollar für den Junior.

King Digital Entertainment solle nach der Übernahme weiterhin unabhängig agieren, sagt der Firmenchef und -gründer Riccardo Zacconi. Er selbst wird demnach weiter an der Spitze bleiben.

Activision Blizzard verkauft teure Konsolen- und PC-Spiele wie "Call of Duty" und"Skylanders", aber auch Abonnements für das Online-Rollenspiel "World of Warcraft". King Digital ist einer der erfolgreichsten Anbieter von Smartphone-Spielen, die kostenlos angeboten werden. Verdient wird an der Bereitschaft mancher Nutzer, für virtuelle Güter oder andere Spielhilfen zu bezahlen. "Candy Crush Saga" ist ein simples Spiel, bei dem die Spieler Reihen oder bestimmte Formationen von gleichen Objekten - Süßigkeiten - bilden müssen, in gewisser Weise eine Variation des "Vier gewinnt"-Prinzips.

Ein Dutzend Knöpfe und zwei Analogsticks?

Die Entwicklung von teuren Konsolen und Gaming-PC hin zu Smartphones und Tablets, von Hochpreis-Spielen hin zu Free-to-Play-Titeln macht den Giganten der Branche zunehmend Probleme. Die großen Publisher, etwa Ubisoft, Electronic Arts oder eben Activision, haben es bislang nicht geschafft, mit ihren Spielemarken ähnliche Erfolge in diesem neuen Markt zu landen wie jüngere Firmen wie King. King und Co. konkurrieren mit den Giganten der Branche dabei vor allem um eine Ressource: die begrenzte Zeit der potenziellen Kundschaft. Und um die große Masse derer, denen die Bedienung eines Gamecontrollers mit einem Dutzend Knöpfen und zwei Joysticks zu kompliziert ist. Echte Hardcore-Gamer sind heute schon eine Minderheit.

Die berühmtesten Erfolgstitel für Smartphones und Tablets, Spiele wie "Angry Birds", "Clash of Clans" oder "Game of War" stammen sämtlich von kleineren, zunächst unabhängigen Unternehmen, die sich von Anfang an auf das neue Geschäftsmodell eingestellt haben. King war zunächst als Anbieter von Facebook-Spielen erfolgreich, schaffte aber, anders als etwa der Konkurrent Zynga, den Übergang auf mobile Plattformen mit großem Erfolg. Viele der neuen Stars der Branche sind allerdings One-Hit-Wonder: Firmen wie Rovio ("Angry Birds") oder eben Zynga ("Farmville") tun sich oft schwer, an ihre großen Erfolge anzuknüpfen.

Moderater Aufschlag auf den Schlusskurs

Die Entscheidung von Activision, viel Geld in King und damit dieses relativ neue Geschäftsmodell zu stecken, erinnert an die großen Deals aus der Web-Branche: Facebook kaufte schnell wachsende, kleinere Konkurrenten wie Instagram und WhatsApp für horrende Summen, um dem rasanten Wandel hin zu Mobilgeräten zu begegnen. Und nun investiert der 36 Jahre alte Games-Riese Activision in einen Markt, den die eigenen Entwickler augenscheinlich nicht knacken konnten, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

King-Aktien waren vor dem Deal schon viel Geld wert, Activision Blizzard bezahlt nun 18 Dollar pro Anteil - ein relativ moderater Aufschlag von knapp 16 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag.

"Candy Crush Saga" und seine Ableger sind allerdings der einzige echte Superhit, den King zu bieten hat. Andere King-Titel wie "Scrubby Dubby Saga" und "Alpha Betty Saga" blieben weitgehend unbekannt. "Candy Crush" dagegen ist so erfolgreich, dass Microsoft sich mit King darauf einigte, den Titel auf Rechnern mit dem neuen Betriebssystem Windows 10 Home automatisch mitzuliefern.

In jüngerer Zeit ließ das Interesse der Nutzer an "Candy Crush" allerdings nach, ein ähnlich erfolgreiches neues Spiel konnte King nicht nachschieben. Im zweiten Quartal sank der Umsatz binnen drei Monaten um 14 Prozent auf 490 Millionen Dollar. Der Gewinn fiel im Vergleich zum ersten Vierteljahr um 27 Prozent auf 119 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Im dritten Quartal machte Activision Blizzard zuletzt 127 Millionen Dollar Gewinn bei 990 Millionen Dollar Umsatz.

Die Zahl der aktiven Nutzer bei King ging um neun Prozent zurück - es waren aber immer noch gut 500 Millionen im Monat. Davon geben allerdings nur 7,6 Millionen auch Geld in King-Spielen aus, elf Prozent weniger als drei Monate zuvor.

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Nur wer zahlt, siegt - so funktionieren viele vermeintliche Gratisspiele auf iPad und Co. Bei "Hearthstone" für iOS und Android ist das anders: Das Sammelkarten-Duell vom "World of Warcraft"-Macher Blizzard macht auch Spaß, wenn man die angebotenen In-App-Käufe ignoriert. Vorstellen kann man sich das Spiel als einsteigerfreundliche Digitalvariante von Spielen wie "Magic: The Gathering". Unseren Test zu "Hearthstone" finden Sie hier.

Gleich für alle drei großen Mobilplattformen gibt es "Leo's Fortune": Das Geschicklichkeitsspiel für iOS, Android und Windows Phone überrascht immer wieder - etwa, indem es Hits wie "Super Mario Bros." und "Little Big Planet" zitiert. Mit einer grünen Fellkugel als Hauptfigur hat es aber auch seinen ganz eigenen Charme. Unseren Test zum Spiel finden Sie hier.

Ein wenig wie "Flappy Bird" in cool spielt sich "Duet": In der App für iOS und Android geht es darum, auf dem Weg Hindernissen auszuweichen - durch geschicktes Drehen zweier synchroner Formen. Das Spiel ist leicht zu verstehen, aber schwer zu meistern. Außerdem bietet es einen tollen, antreibenden Elektro-Soundtrack und jede Menge Levels.

Eher eine Meditationsübung als ein Spiel ist "Mountain" für iOS und Android: Das Programm simuliert einen Berg, weitgehend unabhängig vom Spieler. Mal ziehen dichte Wolken um den Gipfel, mal regnet oder schneit es. Ein andermal landen auf den Berghängen Dinge wie eine Bowlingkugel, eine Flaschenpost, ein Pferd oder eine Banane. Das alles klingt banal, ist aber irgendwie beruhigend. Unseren Test zur App finden Sie hier.

Wer mehr machen will als einen Berg anstarren, kann sein Glück bei "Threes!" suchen, einem Mix aus Schiebepuzzle und Rechenaufgabe. Obwohl nur auf einem vier mal vier Felder großen Spielfeld Zahlen addiert werden müssen, ist die App für iOS, Android und Windows Phone ein hinterhältiges Spiel: Es erscheint simpel, kann aber nach kurzer Zeit Suchteffekte auslösen. Unseren Test zum Spiel finden Sie hier.

Mit Material von dpa

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insgesamt 40 Beiträge
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1. free to play...
GnRH 03.11.2015
... wird recht häufig zu einem pay to win. Es ist teils wunderschön versteckt und wenn man lange genug dabei bleibt kommt man auf die 50-70€ für ein PC/Konsolentitel doch ran.
2. wow...
joko_shots 03.11.2015
5,9 Milliarden? Heftig, hätte ich nie gedacht. Ich nehme diese Spiele wo man Obst, Edelsteine oder Süssigkeite in 3er Reihen kaputtmachen muss als dumm und nervig war. Nicht nur das ich das sterbenslangweilig finde, diese Spiele basieren nicht auf Können und Denken sondern einfach nach dem Zufallsprinzip... Ich denke das ein nich unerheblicher Teil des Erfolges solcher spiele darauf basiert, dass man sie mit Facebook verbinden kann, und dadurch so eine Art Ehrgeiz oder Gruppenzwang entsteht. ich habe vor einiger Zeit mal eine Anfrage angenommen, auch mal ein paar Level gespielt bis ich gemerkt habe das es im endeffekt nur darauf hinausläuft andere zu nerven mir Leben zu schicken oder echtes Geld zu investieren... Ich bekomme ab und zu noch Sprüche zu hören: "Naaaaa? kommse nich weiter?" doch, ich bin weitergekommen weil ich zock diesen Mist nicht mehr! ich warte lieber aud Fallout 4
3. Zwei paar Schuhe!
maw36 03.11.2015
Hier werden Konsolen- / PC-Spiele mit billigen Casual-Games verglichen. Das ist absurd, denn nur weil bei beiden "Game" draufsteht, handelt es sich doch um zwei komplett unterschiedliche Märkte. Der Casual-Game Markt feierte zwar rasant schnell sehr große (vor allem kommerzielle) Erfolge, wird aber in kurzer Zeit dem Ende geweiht sein. So wie es z.B. auch mit den Klingelton-Abos geschehen ist. Die Spielmechanik der meisten aktuellen Casual-Games ist einzig darauf aufgebaut, dem Kunden so viel wie möglich Geld aus der Tasche zu ziehen. Innovationen und ausgefallene Ideen Fehlanzeige. Die umsatzstärksten Apps im AppStore sind seit Jahren jene, die "gratis" sind. Aber beim Kunden klingelt es leider noch nicht. Da lobe ich mir doch die "echten" Konsolen-Games, für deren Titel man zwar von Anfang an 50-60 € auf den Tisch legt, dafür aber auch echt was geboten bekommt! Gute Gamplays, und echte Competition auf Augenhöhe, ohne dass sich der Gegner einen Vorteil mit Echtgeld erkaufen kann (schwarze Schafe bestätigen die Regel). Totgesagte leben länger!
4. Hm
meinefresse 03.11.2015
Und - behauptet noch jemand, wir hätten keine Inflation? Bei den Gütern des täglichen Bedarfs vielleicht nicht. Aber die Vermögenspreise sind schon lange absolut vom realen Leben entkoppelt. Solche Fantasiebeträge für eine mittelgroße Spielefirma sind ein gutes Beispiel dafür.
5. Was für ein Fehlkauf!
Geldmaschine 03.11.2015
King ist doch kein "guter" Spielehersteller, sondern nur ein glücklicher. Zynga ist das perfekte Beispiel für die Nachhaltigkeit dieser Art von Herstellern. Das sieht mir nach dem Ergebnis von Managern aus, die von der Branche im Grunde keine Ahnung haben, sondern die Standard-Vorgehensweise einfach durchziehen. Man lässt die Gelddruckmaschine World of Warcraft links liegen, wodurch sich die Abozahlen halbiert haben innerhalb der letzten Monate und verpulvert die Kohle in vergangene Glückstreffer.
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