Hype um .io-Games Sie haben heute noch etwas vor? Vergessen Sie's!

Der Hype begann mit "Agar.io": Immer wieder sind Minispiele mit einem ".io" im Namen Online-Hits. Was verbindet die Games - und welche machen wirklich Spaß? Die fünf wichtigsten Antworten.

agar.io

Wer sich durch Googles oder Apples App-Store klickt oder Videos von Gaming-YouTubern anschaut, kann den sogenannten .io-Games kaum entgehen. Spiele wie "Agar.io" von 2015 oder "Slither.io" von 2016 sind die Aushängeschilder eines der spannendsten Indie-Trends der letzten Jahre. Ihren Namen haben die Spiele daher, dass bei den meisten die Internetadresse, unter der man sie im Browser aufrufen kann, auf ".io" endet.

Meist als kleines Browserspiel gestartet, sind einige der .io-Minispiele im Mainstream und in der Popkultur gelandet. "Agar.io" etwa hatte in seiner Smartphone-Version einen Gastauftritt in der vierten Staffel von "House of Cards". "Sie spielen jetzt live gegen andere Menschen?", fragt Serien-Protagonist Frank Underwood, als ihm ein politischer Konkurrent das Spiel erklärt. "Ja, gegen Spieler weltweit", antwortet sein Widersacher und reicht das Handy weiter.

Welche .io-Games gibt es?

Mittlerweile gibt es Hunderte Minispiele, die als .io-Games daherkommen. Wirklich populär sind davon vielleicht ein Dutzend. Manche Spiele wirken auch, als wären sie nur programmiert worden, damit ihr Entwickler etwas vom Hype um "Agar.io" und Co. abbekommt und so vielleicht ein wenig schnelles Geld macht.

In unserer Fotostrecke zeigen wir Ihnen sechs bekannte .io-Games - per Klick oder Wischen kommen Sie jeweils zum nächsten Bild:

Was macht ein .io-Game aus?

Dafür, was ein .io-Game ist und was nicht, gibt es - abgesehen von der Namensgebung - keine feste Definition. Es gibt aber bestimmte Dinge, die die meisten erfolgreichen .io-Games verbinden:

  • In der Regel spielt man online gegen mehrere, oft auch gegen sehr viele andere menschliche Gegner gleichzeitig.
  • Beliebtere Spiele gibt es meist als Browser- und als App-Version.
  • Technisch, vom Prinzip und von der Steuerung her sind die Spiele simpel. Sie sind schnell zu lernen, aber schwer zu meistern.
  • Fast immer gibt es eine Live-Bestenliste, die sich während des Spielens ständig aktualisiert.
  • Die Spiele sind Live-Spiele, man spielt für den Moment. Loggt man sich aus, ist etwa die eigene Spitzenposition schnell futsch - anders als bei klassischeren Browserspielen, die man über einen langen Zeitraum hinweg spielt und bei denen man seinen Fortschritt oft auch speichern kann.
  • Oft wurden die Spiele nur von einem oder sehr wenigen Entwicklern programmiert.
  • Die Spiele sind meistens kostenlos und finanzieren sich höchstens durch Werbeeinblendungen oder auf Mobilgeräten durch optionale In-App-Käufe.
  • In den Spielen tritt man mit einem selbst gewählten Namen an, teils lässt sich auch das Aussehen der eigenen Figur individualisieren, etwa mit Farben oder Flaggen.

Jamie Cason, Executive Producer der Spielefirma Miniclip, die die "Agar.io"-Apps verantwortet, spricht im Zusammenhang von .io-Games gern von "E-Sports im Browser" und self-perpetuating phenomena, also von "sich selbst erhaltenden Phänomenen". Die Spiele hätten alle einen sozialen Aspekt, sagt Cason. Er sieht in ihnen eine neuen Generation von Browserspielen.

Video zu "Slither.io":

Slither.io

Wofür steht eigentlich das ".io"?

Grundsätzlich ist .io die Top-Level-Domain des Britischen Territoriums im Indischen Ozean. In der Informatik steht I/O zudem für Input/Output. Das mag erklären, warum Softwareentwickler genau diese Top-Level-Domain schon seit Langem gern verwenden.

Wer spielt .io-Games?

Bei einem Vortrag auf der Entwicklerkonferenz Casual Connect in Berlin sagte Jamie Cason, dass die meisten Spieler von .io-Games aus den USA kommen. Ansonsten seien die Spiele vor allem in Ländern ohne großen Konsolenmarkt beliebt, etwa in Brasilien, der Türkei und Russland.

Jamie Cason auf der Casual Connect
Casual Connect Europe

Jamie Cason auf der Casual Connect

Allgemein dürfte die Zielgruppe von .io-Games breiter sein als bei klassischen Computerspielen: Die Spiele sind nicht nur extrem einsteigerfreundlich, sondern lassen sich auch auf fast jedem Gerät spielen. Und sie sind so schnell gestartet wie wieder beendet. Gerade im Büro ist das ein Vorteil, etwa, wenn sich eine Abteilung in "Slither.io" duellieren will - aber eben nur so lange, bis der Chef zurückkommt.

Manche .io-Games verdanken ihre Popularität auch Erwähnungen bekannter YouTuber. Wenn etwa PewDiePie ein noch nicht allzu bekanntes Spiel vorstellt, wird es danach oft von Zehn- oder Hunderttausenden Nutzern ausprobiert. Und wenn die noch ihre Freunde zum Mitspielen motivieren, dauert es nicht lange, bis aus einem Minispiel ein viraler Hit wird.

Bei vielen .io-Spielen kommt es allerdings immer wieder zu Serverfehlern: Zwar sind die Spiele sind vom Prinzip her auf große Multiplayer-Partien ausgelegt. Wenn aber wirklich mal Massen spielen wollen, sind die Spieleserver oft überfordert.

Wie lange hält der Hype?

Bald zwei Jahre nach dem Durchbruch von "Agar.io" fühlen sich viele .io-Games noch immer frisch und ein Stück weit anarchisch an, auch weil man online zum Beispiel auf Nutzer trifft, die sich etwa "Hitler" nennen.

Anderseits versuchen mittlerweile einige Firmen, aufstrebende Spiele zu lizenzieren und dann durch möglichst viel Werbung zu einem guten Geschäft für sich zu machen. Ebenso könnte der Versuch mancher Entwickler, auch aufwendigere und komplexere Spiele per .io-Domain zu vermarkten, schnell dazu führen, dass der ohnehin lose Oberbegriff .io-Game weiter verwässert.

Dass es bei den Minispielen schon jetzt mitunter um viel Geld geht - was Spieler schnell skeptisch macht -, zeigt übrigens schon ein Spitzname, den Jamie Casons Arbeitgeber in manchem Spieleforum bekommen hat: Die Firma Miniclip heißt dort "Moneyclip".


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mbö

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Putin-Troll 05.03.2017
1. Meh
Browsergames konnten mich noch nie so recht begeistern. Will nicht sagen, dass sie alle schlecht sind, aber es gibt so viel gute Games für wenig bis gar kein Geld, da brauche ich mit sowas nicht meine Zeit verschwenden.
urmedanwalt 06.03.2017
2. Gähn
Den Hype um den Pixelschrott verstehe ich nicht. Die Spielideen sind so was von vorgestrig (snake, pacman, charade u.ä. remodeled).Aber wenn ich in der U-Bahn sehe, dass Leute mit ihrem super Smartphone die tausendste Variante von Tetris daddeln, wundert mich nix mehr. Mir wäre die Zeit zu schade.
grabenkaempfer 06.03.2017
3.
welcher Hype? Nur weil der Betreiber einer Firma die solche Dinger vermarktet das sagt, gibt es noch lange keinen Hype.
echoanswer 06.03.2017
4.
Alle, die diese Games zum Zeitpunkt ihrer Erfindung schon erlebt haben, werden nicht einmal müde lächeln. Damit kann man allemal nur Kids überraschen, die satt sind von gestylten Games. Der Hype bleibt mir ein Rätsel und hat übrigens mit Netzwelt wenig zu tun. Kinderkram.
seb.mazur@googlemail.com 07.03.2017
5. der hype,
von dem man nicht mitbekam, daß es ihn gab... .iogames??? noch nie gehört, bis jetzt. es scheint aber sich um wirklich inovative spiele zu handeln, noch nie gesehen vorher!
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