"Agatha Christie - The ABC Murders" angespielt Mörderjagd? Da muss die Frisur sitzen!

"Die Morde des Herrn ABC" zählt zu den bekanntesten Krimis von Agatha Christie. In einem neuem Videospiel kann man dem Mörder nun selbst auf die Schliche kommen - natürlich als eitler Detektiv Hercule Poirot.

Von

Microids

Ich lasse Hercule Poirot in einen Spiegel schauen. Er pickt ein Staubkorn von seiner Jacke und justiert seine Frisur. Dafür bekomme ich Zusatzpunkte, Ego-Punkte für den wahrscheinlich eitelsten Detektiv der Literaturgeschichte und Protagonisten von "The ABC Murders". Ein Spiel, das trotz anfänglicher Störrigkeit eine Menge Spaß machen kann.

"The ABC Murders" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie und wurde von der französischen Firma Microids entwickelt, die sich das Spielprinzip recht ungeniert beim dem vor zwei Jahren erschienen "Sherlock Holmes: Crimes & Punishments" abschaut. Spieler sammeln Hinweise, befragen Zeugen, setzen daraus den Fall zusammen und ermitteln zum Schluss den Täter.

Während man beim Holmes-Spiel aber noch eine moralische Komponente hatte, in der man taktisch den Falschen der Tat bezichtigen konnte, fehlt diese hier. Was konkret heißt: Hat man eine Aufgabe falsch gelöst, wird man sanft in die richtige Richtung geschickt. Das macht das Spiel einfach, aber nicht uncharmant.

Mitunter fesselnd wie ein Krimi

Hercule Poirot bekommt Briefe, in denen Morde angekündigt werden, die sich streng am Alphabet orientieren. Der Name des ersten Mordopfers beginnt mit A, es wohnt zudem in Andover, das zweit Opfer hat einen Namen, der mit B beginnt und in Bexhill wohnt. So geht es weiter, bis Poirot endlich dem Täter auf die Spur kommt.

Das ist alles kein Material, um einen Actionpreis zu bekommen: Aber das Spiel schleicht sich lieber sanft an, um dann zu fesseln. So wie es ein Agatha-Christie-Krimi auch heute noch tun kann, auch wenn man ihn als altmodisch belächeln mag.

Die Rätsel sind nicht sonderlich schwierig, wenn man sich einmal an die vor allem auf Konsolen etwas hakelige Steuerung gewöhnt hat. Dann geht es darum, Kisten und Truhen mittels komplizierter Vorrichtungen zu öffnen und zu tüfteln. Oftmals reicht aber aufmerksames Betrachten und geduldiges Probieren.

Zeit und Charaktere gut eingefangen

Die Dialoge sind etwas holzschnittartig, fügen sich allerdings gut in die Atmosphäre ein. Schade nur, dass die deutsche Untertitelung der charmanten englischen Stimmen sehr fehlerhaft ist. In einem 1936 angesiedelten Spiel von einer CD-Hülle anstelle einer Schallplattenhülle zu sprechen, ist noch amüsant - schwieriger ist es aber, wenn sich englischer Ton und deutsche Übersetzung widersprechen.

Dennoch: "Agatha Christie - The ABC Murders" ist ein solides Adventure, das in seinem Comic-Stil Zeit und Charaktere gut einfangen kann. Und das zumindest so fesselnd war, dass ich es - wie einen guten Krimi - nicht auf halber Strecke beenden konnte. Schließlich wollte ich ja wissen, wer der Mörder ist.


"Agatha Christie - The ABC Murders" von Microids, für Playstation 4, Xbox One und PC, ab 30 Euro; USK: Ab 12 Jahren

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