"Alien: Isolation" angespielt  Wenn Nervenkitzel nur noch nervt

"Alien: Isolation" macht vieles besser als das misslungene "Alien: Colonial Marines". Trotzdem frustriert das Schleich-Horrorspiel nach einer gewissen Zeit. Das fiese Alien wirkt dann wie ein anstrengender Wachhund.

Von

Sega

Nicht schon wieder! Ich bin langsam durch den Flur der Raumstation geschlichen. Möbel liegen herum, an der Seite tritt Rauch aus, von oben höre ich Geklapper aus den Luftschächten. Ich halte den Atem an. Schleiche langsam weiter, schaue mich nach Verstecken um. Hole den Bewegungssensor aus der Tasche. Er piept, langsam, immer schneller. Ich drehe mich um, suche, spähe, gerate in Panik. Öffne einen Wandschrank.

Zu spät.

Ich kann nur noch nach unten sehen, wo aus meinem Bauch ein blutiger Stachel ragt. Ich bin erwischt worden, mal wieder. Tot. Kann zurück zum letzten Speicherpunkt. Ich bin vom Alien genervt. Ein schlechtes Zeichen, eigentlich sollte ich doch Angst haben.

Versuch der Widergutmachung

"Alien: Isolation" ist der Versuch, ein Spiel zu machen, dass sich nicht auf "Aliens" bezieht, sondern auf "Alien" und das zudem Wiedergutmachung leisten will für das freudlose "Alien: Colonial Marines", um dessen Qualitäten sich Käufer und Hersteller Sega sogar vor Gericht gestritten haben. Beides gelingt nur in Ansätzen.

Dabei stimmt erst einmal vieles beim Schleich-Horrorspiel: Anders als sein Vorgänger setzt es nicht auf Action, sondern auf Überleben. Es stattet Spieler mit einer Handvoll Hilfsmittel aus, die nicht dem Gewinnen dienen, sondern dem Versuch, nicht zu verlieren. Lampen, Verbandsmittel, Geräuscherzeuger und der aus "Alien" bekannte Bewegungssensor machen klar: Es geht darum, durchzukommen. Irgendwie.

Nicht schön ist vor allem, dass man sich oft nicht nur hilflos dem Alien, sondern auch dem Spiel gegenüber fühlt. Das scheint nämlich seine Regeln nicht preisgeben zu wollen, man muss sie sich erst langsam erarbeiten. Manchmal wirken sie auch willkürlich: Schleicht das Alien oft genug an Verstecken vorbei, fängt es unvermittelt an, diese aufzumachen. Das nervt vor allem, weil die Speicherpunkte recht weit auseinander liegen.

Alien an Bord

Protagonistin des Spiels ist Amanda Ripley, Tochter von Ellen Ripley. Die Suche nach ihrer verschwundenen Mutter führt sie auf die Raumstation Sevastopol, irgendwo am Rand des bekannten Universums. Die Station steht kurz vor der Schließung, die Räumung hat begonnen. Dort ist der Flugschreiber der Nostromo aufgetaucht, dem Raumschiff aus dem ersten "Alien"-Film. Ripley erhofft sich von ihm die Klärung des Schicksals ihrer Mutter.

Neben dem Flugschreiber - es ist unschwer zu erahnen - ist auch das Alien an Bord der Station gekommen. Wie der Film, so nimmt sich auch das Spiel erst einmal sehr viel Zeit, in der kaum etwas geschieht, aber eine dichte Atmosphäre aufgebaut wird, so dass das erste Auftauchen des Alien einer der erschreckendsten Momente des Spiels ist.

Das eine Problem aber ist: Man kann sich nur eine gewisse Zahl von Malen erschrecken, bevor das nicht mehr wirkt. Und das andere Problem: So unheimlich das Alien aussieht, so sehr gewöhnt man sich daran, wenn man es zu oft sieht. Dann ist es einfach nur noch ein nerviger Wachhund mit fiesem Gebiss, den man irgendwie umgehen muss. Und genau diese Gewöhnung geschieht in "Alien: Isolation" bald. Immer wieder hört man es in den Luftschächten kriechen, irgendwo rumoren. Man kann es auf dem Bewegungssensor verfolgen, es läuft in den Nebenräumen umher.

Die Androiden sind unheimlicher

Bald stelle ich fest, dass ich die Androiden, die die Raumstation bevölkern, sehr viel unheimlicher finde. Sie sind darauf programmiert, jeden Eindringling zu verfolgen und sie tun das auf eine Art, die mir Schauer über den Rücken jagt. Emotionslos, stoisch, nicht von ihrer Aufgabe abzubringen schauen sie aus leeren, glühenden Augen und jagen mich, bis ich es schließlich in einen sicheren Bereich geschafft habe.

Doch kaum habe ich mich erholt, piept wieder der Bewegungssensor: Das Nervvieh meldet sich zurück. Verfolgt mich, schleicht vor dem Spind herum, in dem ich mich versteckt habe. Ich fühle mich sicher. Bis es auch diesen öffnet und mich verspeist. Eine gefühlte Ewigkeit nach dem letzten Speicherpunkt. Ich gebe auf.


"Alien: Isolation" von von Sega, für Playstation 3 und 4, Xbox 360 und One, PC, ab 50 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
BiffBoffo 13.10.2014
1. Spiegel hat
Es ist nicht Battlefield und auch kein Call of Duty. Im warsten sinne ist dies ein Gedult spiel. Warten und sich die Wege des Aliens merken. Wer reinrennt und keine Gedult hat > Siehe Spiegel Artikel :)
wosenjohn 13.10.2014
2.
Ich kann dem Artikel nicht ganz zustimmen. Was stimmt, die Angst und der Schrecken kommt bei mir nicht richtig auf, jedoch der Nervenkitzel. Wenn ich von einem Speicherpunkt zum nächsten teilweise über 30 Minuten brauche, dann will man es um jeden Preis schaffen, und sobald man vom Alien gesehen wird wars das, 30 Minuten vergebens. Umso größer aber das Erfolgsgefühl wenn man es geschafft hat. Die Androiden kann man, im Gegensatz zum Alien, bekämpfen, jedoch halten diese viel aus, 6 Schüsse aus dem Revolver in den Kopf überstehen sie meist. Aber sie sind langsam, man kann ihnen entkommen. Dafür scheinen sie ihre Aktionen untereinander zu koordinieren. Gelegentlich habe ich mir schon das Alien herbei gewünscht in der Hoffnung es erledigt die Androiden. Von der Optik und Soundkulisse haben sie alles richtig gemacht. Mit der Oculus Rift fühlt man sich dann wirklich in diese Welt versetzt. Aber das ist kein Action Shooter, man kann hier nicht Rambo mäßig durchrennen. Man muss am leben bleiben, und das darf doch auch eine Herausforderung sein.
an°n 13.10.2014
3. Schonmal Outlast gespielt?
Solche Spiele sind dazu da, dass man sich schwach fühlt. Du stehst einem übergroßen Monster gegenüber, welches dich in Sekunden zerreißen kann. So etwas macht ein Survival Horror Spiel aus - und das macht es auch extrem gut.
lyi 13.10.2014
4. Das Problem von AAA Horrospielen
Alien Isolation ist eben die Mainstreamvariante, die nach den Erfolgen von Indiegames folgen musste. Spiele wie Slenderman oder Amnesia überzeugen durch klasse Atmosphäre und stimmiges Design, ohne Blockbuster sein zu wollen. Bei Alien Isolation gibt es so viele gescriptete Sequenzen und Knalleffekte, dass es mehr nach Call of Duty ohne Waffen aussieht. Weniger ist bei solchen Games eben mehr.
Msc 13.10.2014
5.
Das ist eines dieser Spiele, wo ein Let's Play anschauen völlig ausreicht. Langweilige Stelle? Einfach vorspulen. Gestorben? Nicht mein Problem.
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