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29. Mai 2017, 11:52 Uhr

Künstliche Intelligenz AlphaGo

Aus dem Go-Olymp direkt in den Ruhestand

Die Software AlphaGo hat wieder einmal klar gegen einen menschlichen Champion im Brettspiel Go gewonnen. Nun soll sie nicht mehr an Turnieren teilnehmen. Doch ihre Macher haben noch Großes vor.

Wenn sogar Ke Jie gegen die Software verliert, ist für menschliche Spieler im Go-Duell mit AlphaGo wohl nicht viel zu holen. Die aktuelle Nummer eins der Welt musste sich im Duell mit der künstlichen Intelligenz mit 3:0 geschlagen geben. Ein großer Erfolg für die Google-Tochter DeepMind, die nun auch bekannt gab, AlphaGo nicht mehr bei Turnieren einsetzen zu wollen.

Ke Jie, ein 19-jähriger Chinese, hatte bei dem Kräftemessen Mensch gegen Maschine versucht, AlphaGo mit ungewöhnlichen Spielzügen aus dem Konzept zu bringen. Zeitweise sah es laut Experten mit dieser Taktik ganz gut für ihn aus - doch am Ende rang die Software ihn jedes Mal nieder. "Im letzten Jahr spielte AlphaGo recht ähnlich wie Menschen", hatte Ke Jie nach seiner zweiten Niederlage gesagt. Mittlerweile habe er aber das Gefühl, die Software spiele wie ein Go-Gott.

Tatsächlich haben die AlphaGo-Macher von DeepMind mit dem Sieg wohl auch dem letzten Zweifler bewiesen, wie spielstark ihre künstliche Intelligenz ist.

AlphaGo ist schon seit dem März 2016 der bekannteste virtuelle Go-Spieler überhaupt. Damals besiegte die Software den südkoreanischen Champion Lee Sedol mit 4:1. Dieses Ergebnis bescherte AlphaGo weltweit Aufmerksamkeit, denn Go galt lange als zu komplex für Computer.

Ein komplexes Spiel

Das Spiel, in dem abwechselnd weiße und schwarze Steine auf dem Brett platziert werden, bietet viel mehr mögliche Kombinationen als Schach - zu viele, um sie komplett durchzurechnen. AlphaGo berechnet deshalb die Züge, die ein Mensch wahrscheinlich spielen würde, und konzentriert sich nur darauf.

DeepMind fütterte das Programm erst mit mehreren Dutzend Millionen Zügen aus Spielen menschlicher Meister. Dann spielte die Software Millionen Partien gegen sich selbst - und analysierte, welche Züge sie ans Ziel brachten.

50 dieser Partien sind jetzt ins Netz gestellt worden, damit die Go-Spielergemeinde sie auswerten kann. Ebenso sollen demnächst noch ein Forschungspapier zum Thema AlphaGo sowie ein Lernwerkzeug, das beim Analysieren von Go-Positionen hilft, veröffentlicht werden. So haben Go-Fans auch nach dem Karriereende von AlphaGo noch Möglichkeiten, sich mit den Fähigkeiten der Software auseinanderzusetzen - und so vielleicht auch ihr eigenes Spiel zu optimieren.

Demis Hassabis, Mitgründer und Chef von DeepMind, sagte am Samstag, sein Team werde sich künftig auf allgemeinere Algorithmen konzentrieren, die der Menschheit helfen sollen. Dazu gehörten Arzneien für Krankheiten, die Senkung des Energieverbrauchs oder das Erfinden neuer Materialien.

"Wir haben immer an das Potenzial künstlicher Intelligenz geglaubt, der Gesellschaft zu helfen, Wissen zu entdecken und davon zu profitieren - und AlphaGo gibt uns einen frühen Blick darauf, was möglich ist", erklärte Hassabis. "Wir hoffen, dass die Geschichte von AlphaGo nur der Anfang ist."

Ke Jie hatte übrigens schon vor Beginn seiner Partien gegen AlphaGo angekündigt, dass er danach nicht noch einmal gegen den virtuellen Gegner spielen wolle. "Er wird immer eine kalte Maschine sein", sagte er. "Anders als beim Menschen kann ich bei ihm keine Leidenschaft und kein Verlangen nach dem Go-Spiel spüren."

mbö/dpa/Reuters

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