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"American Truck Simulator": Der Zauber der Gemächlichkeit

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Fotostrecke: Im Truck durch den amerikanischen Westen Fotos
Astragon

Wer sich an die Verkehrsregeln hält, wird belohnt: "American Truck Simulator" ist das Gegenteil eines Rennspiels. Trotzdem wünscht man sich beim Spielen in ein echtes Fahrerhaus.

Trucks steuern, Geld verdienen, selbst einen Truck kaufen, eine Firma, ein Imperium aufbauen: "American Truck Simulator" ist eines der Spiele, deren Inhalt eher langweilig klingt. Und doch: Das Spiel entfaltet schnell seinen ganz eigenen Zauber, wirkt sehr entspannend.

Das Spiel setzt auf die Faszination von großen Maschinen und schickt seine Nutzer auf Fahrten durch den amerikanischen Westen. Anfangs sind das Kalifornien und Nevada, Arizona soll demnächst das Gebiet ergänzen, die Entwickler träumen davon, irgendwann die ganzen USA als Fahrtgebiet zu haben. Doch das, so sagen sie, wird noch Jahre dauern, wenn es denn überhaupt geschieht.

Es ist ein Spiel, bei dem ich mir das erste Mal seit Langem wünsche, ich hätte ein Lenkrad und Fußpedale, um den Truck noch genauer zu steuern, ihn noch besser zu kontrollieren. Auf einmal kann ich die Menschen besser verstehen, die sich Pilotenkabinen in ihren Keller bauen. Ich hätte nämlich jetzt gerne das Führerhaus eines Trucks.

Fotostrecke

27  Bilder
Alltag zum Spielen: 25 Simulatoren im Überblick
Ein Spiel, in dem Umsicht zum Gewinn führt

Bei "American Truck Simulator" muss man sich gut benehmen: keine Verkehrsverstöße, keine zu eng genommenen Kurven. Blinken und Blick in den Spiegel beim Spurwechsel sind ein Muss, genauso vorsichtiges Bremsen vor der Ampel und weites Ausholen bei engen Kurven. Auf Wohnmobile, die mit erratischer Fahrweise vor einem fahren, muss der Trucker Rücksicht nehmen.

Ich drücke aufs Gas, langsam setzt sich der Koloss in Bewegung. Ein roter Peterbilt-Truck, beladen mit Rohren. Ich soll ihn von Barstow nach Los Angeles fahren, den Interstate 15 entlang, 55 Meilen pro Stunde müssen gehalten werden. Zuerst durch die Wüste, dann durch die Großstadt mit höchstens 30 Meilen pro Stunde.

"American Truck Simulator" ist kein Rennspiel, es ist das Gegenteil: ein Spiel, in dem Umsicht zum Gewinn führt, nicht Rücksichtslosigkeit. Ich muss auf Polizeistreifen achten, auf rote Ampeln und auf die richtige Beleuchtung. Ich muss Pausen einlegen, tanken und sorgfältig einparken. Für Anfänger gibt es zum Glück die Möglichkeit, den Truck automatisch einparken zu lassen. Das gibt zwar weniger Erfahrungspunkte, verhindert aber, dass ich das mühsam verdiente Geld gleich für Reparaturen ausgeben muss.

Unterwegs an der Westküste der USA

Ich fahre weiter. Mit der nächsten Ladung über den nächsten Highway. Von Los Angeles nach Las Vegas, von Barstow nach San Francisco. Durch die Wüste und durch die Obstplantagen von Kalifornien. Durch Städte, die alle recht ähnlich aussehen, aber trotzdem die USA komprimieren, so wie sie von der Straße aus eben aussehen: Tankstellen, Motels, Fast Food-Läden, Neonlicht.

Das Erfolgsgeheimnis von "American Truck Simulator" ist, dass es eben kein echter Simulator ist. Er führt nicht den tatsächlichen Arbeitsalltag der Trucker vor: Den Kampf um Ladungen, die tagelangen Touren, das schlechte Essen in den Trucker-Restaurants, der Termindruck, die Kosten, das Spiel mit der Gesundheit und das Fernsein von der Familie.

Diese Simulatoren gibt es wirklich
Seilbahn-Simulator

Bei diesem Simulator baut der Spieler Seilbahnen und Sessellifte in ein Skigebiet. Das ist nicht so einfach, denn er muss teure Pfosten sparen und die Neigungswinkel des Seils beachten. Macht er das alles richtig, kann er neue Seilbahntypen freischalten.

"Seilbahn-Simulator" von Astragon, für PC, ab 13 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Müllabfuhr-Simulator

Ein Spiel für Menschen, die es gerne sauber haben. Die Aufgabe: Mit dem Müllwagen durch "Kehrrichtstadt" fahren und die Stadt frei von Abfall zu halten, damit die Bewohner zufrieden sind. Gleichzeitig soll der Spieler die Umwelt schonen, indem er Abfall verdichtet.

"Recycle: Der Müllabfuhr-Simulator" von Rondomedia, für PC, ab 13 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Ziegen-Simulator

Wer gerne wissen möchte, wie sich eine Ziege fühlt, kann das mit diesem Spiel ausprobieren: dem Goat-Simulator. Der Ziegen-Simulator war eigentlich nicht als Spiel geplant, eigentlich sollte er dazu dienen, Entwickler des schwedischen Coffee Stain Studios mit einer neuen Software vertraut zu machen. Weil sie davon aber ein Video ins Netz stellten und daraufhin viele Nutzer den Ziegen-Simulator selbst ausprobieren wollten, veröffentlichten die Entwickler das Spiel.

"Goat Simulator: Der Ziegen-Simulator" von Coffee Stain Studios für PC und Xbox ab 10 Dollar, mobil für iOs und Android ab 5 Dollar; USK: Ab 12 Jahren

Baustellen-Simulator

Straßenbaustellen sind für Autofahrer ein Ärgernis, aber offenbar für manche auch faszinierend. Alle, die im Stau stehend die Bauarbeiter um ihren Job beneiden, kann der Road Construction Simulator helfen: Hier kann man Straßenbaustellen nachspielen – vom Presslufthammer bis zur Dampfwalze.

"Road Construction Simulator 2011" von Rondomedia, für PC, ab 7 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Werft-Simulator

Mit dem Gabelstapler oder dem Kran durch eine große Fabrikhalle fahren und Schiffe bauen. Wer diesen Traum hat, kann ihn sich mit dem Werft-Simulator 2013 erfüllen.

"Werft-Simulator" von Astragon, für PC, ab 7 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Großfeuerwerk-Simulator

Auch der Beruf des Feuerwerkers wurde bereits simuliert. Mit dem Großfeuerwerk-Simulator können die Spieler ihr eigens Feuerwerk zusammenstellen und zum Beispiel über Köln oder dem Münchner Olympiapark abbrennen lassen.

"Großfeuerwerk-Simulator" von Rondomedia, für PC, ab 18 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Mars-Simulator

Simulatoren bilden die Realität ab – und nicht nur die irdische. Im Mars-Simulator muss der Spieler mit einem Rover die Umgebung auf dem fremden Planten erkunden. Er ist befindet sich auf Forschungsmission und soll zum Beispiel Fotos machen von dem, was er entdeckt. Also hauptsächlich Sand und Steine.

"Mars-Simulator" von Simtek Games, für PC, ab 9 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Garten-Simulator 2010

Bagger, LKW, Gabelstapler - in Simulatoren kann man besondere Fahrzeuge steuern. Der Garten-Simulator 2010 fügt dieser Reihe den Rasenmähertraktor hinzu. Die Fahrphysik ist unterirdisch und die Grafik miserabel. Aber wer gärtnern will und keinen Garten hat, findet in dem Simulator vermutlich Trost.

"Garten-Simulator 2010" von Astragon, für PC, ab 7 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Abschleppwagen-Simulator 2010

Ein weiterer Simulator für Menschen, die gerne für Ordnung sorgen, ist der Abschleppwagen-Simulator. Die Aufgabe: Falschparker und Pannenfahrzeuge einsammeln. Die Grafik ist auf dem Niveau von kostenlosen Smartphone-Apps. Aber auch hier gilt: Wer nicht in einem Abschleppunternehmen arbeiten will, kommt wohl dem Gefühl, einen Abschleppwagen zu fahren, nie näher als mit diesem Spiel.

"Abschleppwagen-Simulator 2010" von Astragon, für PC, ab 5 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Kehrmaschinen-Simulator 2011

Für fast jeden Beruf gibt es eine passende Simulation, so auch für den öffentlichen Reinigungsdienst. Hat man die realistischen Straßenzüge endlich von Schmutz und Abfall befreit, erzielt die Simulation tatsächlich einen seltsamen Befriedigungseffekt – trotz spartanischer Grafik und mäßiger Bedienung.

"Kehrmaschinen-Simulator 2011" von Astragon, für PC, ab 20 Euro; USK: Ab 0 Jahren

Das Spiel weckt romantische Vorstellungen, die über Popkultur transportiert wurden. Über Filme wie "Convoy" und unzählige Countrysongs, die das Leben der Trucker beschreiben. Es nutzt die Faszination der großen Maschinen und lässt Spieler ganz naiv träumen.


"American Truck Simulator" von Astragon, Download für PC, Mac, Linux, 19,99 Euro

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Hat sich
felisconcolor 11.02.2016
bei dem Spiel wenigstens mal einer die Mühe gemacht und echte Sounds gesampelt? Oder klingen die Trucks einer wie der andere und eher nach Dieselgenerator im Spielzeugschiff aus dem rostigen Eimer. Bei den meisten Billigsimulatoren gibt es da auch nur Leerlauf und Vollgas im Sound. Da ist jeder Cent verschenkt
2.
Thomas Heinrich 11.02.2016
Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass es die europäische Variante (Euro Truck Simulator 2) schon länger gibt und dass durch eine unermüdlich Modding-Community z.B. Promods erscheint, womit z.B. die deutschen Autobahnen nicht nur gut aussehen, sondern auch einen großen Wiedererkennungswert haben.
3.
Minster 11.02.2016
Zitat von felisconcolorbei dem Spiel wenigstens mal einer die Mühe gemacht und echte Sounds gesampelt? Oder klingen die Trucks einer wie der andere und eher nach Dieselgenerator im Spielzeugschiff aus dem rostigen Eimer. Bei den meisten Billigsimulatoren gibt es da auch nur Leerlauf und Vollgas im Sound. Da ist jeder Cent verschenkt
Einfach mal ein Lets Play Video auf YT schauen, da hören sie den Original Sound. Es wurden "echte" Motorengeräusche eingebaut, so dass das Fahren btw. die Kraft des Trucks vom Sound her durchaus zur Geltung kommt, inkl. Außensound bei den Außenkameras. Die KI ist auch recht ok, wenn sie wohl auch noch nicht das aktuellste Update von Euro2 Simulator beinhaltet (das Einfädeln in eine Spur und so manche Kreuzung stellt die KI vor Problemen, kommt aber nicht häufig vor). Ich persönlich finde die Außendarstellung gelungen, man hat, trotz des deutlich kleineren Maßstab, manche Eigenheiten der besuchten Städte/Dörfer übernommen inkl. Umgebungssachen (Sandsturm, Küstenwellen) und dynamisches Wetter (inkl. Wolkenzug) mit fortlaufender Entwicklung (es regnet nicht überall gleich).
4. Deutsche
felisconcolor 11.02.2016
Zitat von Thomas HeinrichEs sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass es die europäische Variante (Euro Truck Simulator 2) schon länger gibt und dass durch eine unermüdlich Modding-Community z.B. Promods erscheint, womit z.B. die deutschen Autobahnen nicht nur gut aussehen, sondern auch einen großen Wiedererkennungswert haben.
Autobahnen die gut aussehen? das können dann aber nicht viele Kilometer sein oder ist mit dem Wiedererkennungswert auch die Anzahl der Schlaglöcher auf diversen Streckenabschnitten gemeint ;-) (und die Baustellen nicht zu vergessen, die so manchen Trucker in den Wahnsinn treiben)
5. Ich warte noch auf einen bestimmten Simulator ...
shinobi42 11.02.2016
... und zwar für das Bestattungsgewerbe. Bis dahin muss ich halt weiter ab und zu Harold and Maude schauen. Wäre aber zu schön, die passenden Särge und Urnen für das eigene Sortiment anzuschaffen, einen selbst gestalteten Fuhrpark an Bestattungsfahrzeugen zu betreiben und exotische Bestattungsriten anzubieten. Es dürfte eine menge Raum für schwarzen Humor haben. Daneben wären noch weitere Titel schön. Beispielsweise Simulatoren für Steuerfachgehilfen, ARGE Kundenbetreuer oder auch Fleischerei-Fachverkäufer im Leiharbeitsverhältnis. Toll wäre der Prekär-Job-Simulator 2016 als Motivationshilfe im Germanistik-Studium.
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus.


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