Angespielt: Alan Wake

Von Carsten Görig

Alan Wake: Für Thrillerfreunde und Leser Fotos

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Bright Falls rüstet sich für das alljährliche "Deerfest". Der kleine Ort im Nordwesten der USA erwartet viele Besucher. Zwei davon sind allerdings nicht wegen der Feier da, sie wollen einfach nur Urlaub machen in der herbstlichen Idylle. Der Schriftsteller Alan Wake und seine Frau Alice. Was sie nicht ahnen: Der Urlaub wird zum Albtraum werden.

Ungefähr so könnte der Klappentext zu "Alan Wake" lauten. Und "Alan Wake" hält sich auch daran: Klischees werden bedient, Grusel erzeugt und nach einigen Stunden Spiel wird man den Controller zufrieden zur Seite legen, denn man hat ein Spiel hinter sich gebracht, in dem man Schockmomente erlebt, sich unglaublich gruseln und sich nicht zuletzt über eine großartige Grafik freuen kann. "Alan Wake" wäre dann ein sehr gutes, aber kein außergewöhnliches Spiel.

Ein außergewöhnliches Spiel aber ist es. Nicht wegen seiner Geschichte, sondern der Art, wie diese erzählt wird. Wie Fernsehen, Radio und Text im Spiel die Geschichte begleiten und erweitern, wie verschiedene Realitätsebenen miteinander verwoben werden, wie man irgendwann einfach nicht mehr weiß, was wahr und was falsch ist.

Zudem spielt "Alan Wake" mit popkultureller Geschichte. Nimmt Elemente von "Lost", von "Twin Peaks", "Akte X". Zitiert Stephen King, Paul Auster und Brett Easton Ellis, erinnert sich an Spieleklassiker wie "Alone in the Dark" oder "Resident Evil" und greift immer wieder auf seine Herkunft in dem finnischen Spielestudio Remedy zurück. Das hat vorher zwei düstere Shooter Noir mit dem Helden Max Payne gemacht. Und der darf auch immer wieder in Anspielungen vorkommen.

"Alan Wake" ist ein großartig aussehendes Spiel, das sich postmodern plündernd in der Entertainmentgeschichte umschaut, und dann mit einem selbstironischen Grinsen unglaublich gruselig werden kann. Ein Werk, das man wahrscheinlich zehnmal spielen muss, um es wirklich zu verstehen. Toll!

"Alan Wake" von Microsoft für Xbox 360, ca. 50 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Massenware und Anspruch
z101 07.06.2010
Alan Wake ist das, was von einer großen Idee übrig blieb. Die anfänglich guten Ideen der Entwickler (das Spiel war immerhin vier Jahre in Produktion) wurde vom Produzenten Microsoft verworfen und heraus kam gefällige Massenware für Teenager. Wer ein richtig gutes, wenn auch nicht so bombastisch daherkommendes Horror-Spiel sucht, sollte sich eher das Anfang des Jahres erschienene Silent Hill: Shattered Memories ( http://www.zimmer101.de/wii-spiele/kommentare/silent-hill-shattered-memories.html ) ansehen, das mit Psychogrusel und einer spannenderen Geschichte glänzt.
2. Sorry,
Falcon030 07.06.2010
aber da widerspreche ich mal. Sowohl die Erzählstruktur als auch die angenehme Unblutigkeit des Spielprinzips (bei trotzdem hohem Gruselfaktor) machen das Spiel aus meiner Sicht eben nicht zu einem Machwerk für Pubertierende (allein wegen einer USK-Freigabe von 16 Jahren muss es ja nicht ausschließlich für Jugendliche gedacht sein). Ich empfinde es eher als ein Spiel, dass sich an eine ältere Zielgruppe richtet und habe mich mit meinen 40 Jahren großartig unterhalten gefühlt.
3. ...
Savryn 07.06.2010
Zitat von z101Alan Wake ist das, was von einer großen Idee übrig blieb. Die anfänglich guten Ideen der Entwickler (das Spiel war immerhin vier Jahre in Produktion) wurde vom Produzenten Microsoft verworfen und heraus kam gefällige Massenware für Teenager. Wer ein richtig gutes, wenn auch nicht so bombastisch daherkommendes Horror-Spiel sucht, sollte sich eher das Anfang des Jahres erschienene Silent Hill: Shattered Memories ( http://www.zimmer101.de/wii-spiele/kommentare/silent-hill-shattered-memories.html ) ansehen, das mit Psychogrusel und einer spannenderen Geschichte glänzt.
Also das kann ich jetzt so nicht unterschreiben. "Alan Wake" ist ein brilliant inszeniertes Spiel. Storytelling, Setting, grafische Umsetzung und Musik sind überragend. Dazu diese nette Idee mit dem Serienformat. Klasse! M.E. ist "Alan Wake" auch definitiv keine 'gefällige Massenware für Teenager'. Im Gegenteil, gerade die verstehen die meisten Anspielungen ("Twin Peaks", etc.) sowieso nicht. Ausserdem ist die Geschichte zu komplex und interpretationsbedürftig um massentauglich zu sein. Auch bezüglich "Silent Hill: Shattered Memories" angeht, muss ich widersprechen. Das ist insgesamt ganz nett, aber weder wirklich gruselig (mal von den Verfolgungs-Sequenzen die echt grausam sind) noch wirklich fesselnd. Dieser Teil kommt bei weitem nicht an die ersten 3 Teile der "Silent Hill"-Reihe heran.
4. Mal wieder euphorisch...
sozialminister 07.06.2010
Alan Wake war für mich eine große Enttäuschung, obwohl es hier mal wieder in den Himmel gelobt wird. Man merkt das die Spon-Redaktion sich noch nicht lange mit dem Medium Spiel beschäftigt hat. Es werden vorallemdingen immer wieder Nebensächlichkeiten hervorgehoben. Fast immer wird von der tollen Grafik und der Story bzw. ihrer Erzählung berichtet. Das wichtigste an einem Videospiel, nämlich das Gameplay, wird fast grundsätzlich ausgeblendet. In diesem Fall sogar völlig. Ich gebe gerne zu, daß Alan Wake wirklich eine packende Geschichte erzählt und das in einem Stil, wie man ihn bislang nicht kannte. Nur leider passt das überhaupt nicht so recht in ein Videospiel. Das hätte man auch alles in einen Film packen können ohne den Spieler mit albernen Ballersequenzen zu langweilen. Wo überhaupt ist der hier angesprochene Gruselfaktor? Ich kann einfach keine Angst empfinden, wenn ich mich in einem Spiel unsterblich fühle. Wirklicher Grusel wird auch nur dann erzeugt, wenn es dem Spieler immer wieder schwer gemacht wird und die Konsequenzen für das Scheitern auch hart sind. All das macht Alan Wake überhaupt nicht und zerstört somit durch schwaches Spieldesign die Immersion. Da hab ich mich ja beim letzten Megaman mehr gegruselt... Also liebe Redaktion, bitte hört auf Videospiele nach Maßstäben eines Hollywoodfilms zu kritisieren. Videospiele verlangen etwas eigenes und sind nicht nur dafür da uns auf interaktive Weise eine Geschichte zu erzählen. Das ist so, als ob ihr bei Musikalben auch hauptsächlich darauf achten würdet, ob die Songtexte irgendwelche Geschichten erzählen und die Melodien werden komplett ignoriert. Aber da verwendet ihr ja auch musik-spezifische Kriterien. Das solltet ihr bei Videospielen doch auch können :)
5. Zielgruppe...
Savryn 08.06.2010
Zitat von Falcon030aber da widerspreche ich mal. Sowohl die Erzählstruktur als auch die angenehme Unblutigkeit des Spielprinzips (bei trotzdem hohem Gruselfaktor) machen das Spiel aus meiner Sicht eben nicht zu einem Machwerk für Pubertierende (allein wegen einer USK-Freigabe von 16 Jahren muss es ja nicht ausschließlich für Jugendliche gedacht sein). Ich empfinde es eher als ein Spiel, dass sich an eine ältere Zielgruppe richtet und habe mich mit meinen 40 Jahren großartig unterhalten gefühlt.
Sehe ich genauso Falcon. Die USK-Freigaben haben ja ohnehin ja nur etwas mit dem Maß der Gewaltdarstellung etc. zu tun. So sind ja auch bei Filmen hochkomplexe Dramen meist FSK 12. M.E. ist die Story von "Alan Wake" schlicht zu komplex für den durchschnittlichen Teenager. Ist halt problematisch, wenn der Großteil der Gruseleffekte darauf beruht, was sich der Spieler selber vorstellt und nicht auf abgetrennten Körperteilen und Blut. Ich habe mich beim Spielen mehrfach dabei erwischt, dass ich wild mit der Taschenlampe rumgefuchtelt hab weil ich dachte ich hätte da im Wald was gesehen.
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