Angespielt: DmC - Devil May Cry

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Surrealer Kampf gegen Dämonen: DmC - Devil May Cry Fotos
Capcom

Electro-Rock statt Gothic, Union Jack statt Lack und Leder: Mit einem neuen Konzept hat der japanische Spielehersteller Capcom seine "Devil May Cry"-Serie renovieren lassen, das Grundkonzept aber beibehalten. Ein Neustart mit unverständlichen und doch eindrucksvollen Bildern.

Eine Perücke mit langem weißem Haar landet auf Dantes Kopf. Er schaut in den Spiegel, verzieht das Gesicht und zieht sie wieder ab, wirft sie weg. "Bloß das nicht", scheint er zu denken. Mir geht es ähnlich. Die weißen Haare sind eine kurze Erinnerung an die ersten Spiele der "Devil May Cry"-Serie. An Zeiten, als Designer mit Lack- und Lederfetisch an dem Spiel gearbeitet haben. Ich zucke noch einmal zusammen, als Dante ankündigt, seinen Mantel anziehen zu wollen. Doch der ist nicht aus lila Vinyl, sondern zerschlissen mit Union Jack auf dem Arm. Was zur Umgebung passt, denn als erstes zieht Dante durch einen Vergnügungspark, nicht unähnlich dem Palace Pier in Brighton. Nach mehr als zwei Stunden Spiel lehne ich mich entspannt zurück. Jetzt dürfte nichts mehr passieren. Dante bleibt bei seinem Kurzhaarschnitt und seinem entfernt an den jungen Damon Albarn erinnernden Gesicht.

Fans sind natürlich Sturm gelaufen. Aber Fans laufen immer Sturm, wenn sich etwas ändert. Doch der japanische Spielehersteller Capcom wollte "Devil May Cry" ändern, wollte die Serie neu erfinden lassen und hat sie deshalb aus der Hand gegeben und das englische Studio Ninja Theory beauftragt. Dessen Designer haben in den letzten Jahren zwei gute, aber kommerziell glücklose Titel entwickelt. "Heavenly Sword" und vor allem "Enslaved: Odyssey to the East", beide erzählerisch und spielerisch gut. Beide aber auch so speziell, dass Spieler damit wenig anfangen konnten. Oder sich nicht getraut haben, weil kein bekannter Name auf der Packung stand. Das ist jetzt anders.

Rückblenden, Graffitis, Alptraumsequenzen

Ninja Theory haben "Devil May Cry" gut getan, soviel lässt sich schon nach kurzer Zeit im Spiel sagen. Der Gothic-Fetisch wurde durch schmutzigen Techno und Electro-Rock ersetzt, die Umgebung ist urban, schmutzig und spannend. Der Stadt wurde ein eigenes Leben eingehaucht, sie ist nicht nur Kulisse, sondern auch Gegner. Sie verengt ihre Gassen, lässt Straßen auseinander brechen, reißt Häuser in Kleinteile und baut so immer neue Wege, die Dante navigieren muss. Wenn er nicht gerade mit Schwert, Sense oder Axt gegen Dämonen kämpft. Immer auf der Suche nach formvollendeten Moves, nach Kampfsequenzen, die perfektes Timing haben, abwechslungsreich sind. Die Geschichte - wenngleich nicht sonderlich originell - wird gut erzählt. Mal in Rückblenden, mal in Graffitis, mal in Alptraumsequenzen.

Ich habe nach einer Stunde nicht aufhören wollen und ich will es auch nach mehr als drei Stunden nicht. "DmC - Devil May Cry" schafft einen Rausch, der immer wieder überwältigen kann und dessen Bilder unverständlich aber eindrucksvoll sind. Immer wieder erinnert es mehr an das großartige "Bayonetta" als an die alten Teile. Und das darf als Kompliment gewertet werden.

Das sagen die Anderen: Ein erfolgreicher Neustart der Serie, darin sind sich die meisten Kritiker einig und loben den Mut des englischen Studios, sich vom japanischen Vorbild zu entfernen und trotzdem den Kern der Serie, Dämonen und ausgefeilte Kämpfe beizubehalten und deutlich zu verbessern.

"DmC - Devil May Cry" von Capcom, für Playstation 3 und Xbox 360 (PC ab 25. Januar); ab 55 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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insgesamt 14 Beiträge
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1. hammer!
dianaberlin 27.01.2013
Auch wenn es etwas kurz ist macht auch der dritte Durchgang immer noch Spaß, sexy Dante ist einfach der perfekte Mann - ich bekomme nicht genug von ihm und der Damönenschlacht
2.
gbk666 27.01.2013
Ist eher ein Spiel für Twilight und Supernatural fans geworden... Dieses Spiel ist Popkornkino ohne Substanz.
3. Heute bleibt die Playse kalt
Ty Coon, 27.01.2013
Hab die Demo mal kurz angespielt. War ganz interessant, aber nichts für mich. Die Hauptfigur kam so Christian-Haydensen-, äh, Hayden-Christiansen-mäßig rüber. Ist aber auch gerade 'ne flaue Zeit für Gamer, worüber soll man schreiben ... "Assassin's Creed" hat nach 'ner Woche keinen Spaß mehr gemacht, ich befürchte für "Tomb Raider" auch so einen geskripteten Schlauch à la "Uncharted". Meine größten Hoffnungen ruhen derzeit auf "The Last of Us". Und, kleiner Tip, wer's noch nicht kennt: "The Cave". Demo ziehen, dann das ganze Spiel kaufen. :)
4.
kurap1ka 27.01.2013
Zitat von gbk666Ist eher ein Spiel für Twilight und Supernatural fans geworden... Dieses Spiel ist Popkornkino ohne Substanz.
Bei Devil May Cry ging es immer nur um Style und Action, das hat aber nichts mit Twilight oder Supernatural zu tun... Das ist mit Spielen, wie mit Filmen. Man erwartet halt bei einem Jason Statham Film keine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Problemen der Gesellschaft. Da müsste man halt bei Spielen eher auf Deus Ex oder Fallout zurückgreifen. Popkornkino ist nichts schlechtes, nur etwas anderes, aber deshalb weiß man ja eigentlich vorher worauf man sich einlässt, gerade bei Spielreihen, die schon in die 4. Instanz gehen...
5. Enslaved: Odyssey to the WEST
Wade Wilson 27.01.2013
Das Spiel hieß "Enslaved: Odyssey to the West" und nicht East ;-) Zu DmC kann ich noch nicht viel sagen. Allerdings gefällt mir Dante optisch nicht. Generell wirkt das Spiel viel zu "westlich". Gerade dieser Anime/Manga-(was auch immer)-Style war doch das, was Devil May Cry bzw. Date so ausmachte. Zum Gameplay etc. kann ich aber noch nichts sagen.
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.



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