SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Februar 2013, 08:32 Uhr

Das neue "SimCity"

Klein, krumm, wunderschön

Von

Der Städtesimulator "SimCity" ist zurück - und sieht toll aus. Nach zehn Jahren Pause bringt die fünfte Auflage langersehnte Funktionen wie 3D und krumme Straßen. Aber macht es auch noch Spaß? Wir haben das neue "SimCity" eine Stunde angespielt.

Mit "SimCity" haben Computerspieler schon vor 24 Jahren Stunden vor ihren Rechnern mit dem Bau von Städten zugebracht: hier noch ein paar Gewerbeflächen, dort ein Kraftwerk, noch schnell die Villa des Bürgermeisters einweihen und die Steuern nicht zu hoch, damit die Sims nicht wieder wegziehen.

Das legendäre Simulationsspiel bekam mehrere Fortsetzungen. Die Auskopplung "Die Sims", bei der man mit einer kleinen Sim-Familie spielt, wurde zur millionenfach verkauften Spielereihe und überschattete das Städtespiel. Zuletzt erschien 2003 ein "SimCity", das technisch aber nicht begeistern konnte: Wie bei den Vorgängern gab es keine 3-D-Grafik, sondern nur eine Draufsicht von schräg oben.

Nach zehn Jahren Pause ist "SimCity" nun zurück - sieht man von einem vergleichsweise simplen Facebook-Spiel ab. Anfang März erscheint "SimCity 2013". Diesmal mit echtem 3D und einem aufgebohrten Multiplayer-Modus. Der verlangt eine ständige Online-Verbindung zu den Servern des Herstellers, was auch dazu dienen dürfte, illegale Kopien einzudämmen.

Ausgiebig testen konnten wir das Spiel bisher nicht, hatten aber Zugang zu einer Beta-Version. Bei der endeten angefangene Spiele nach jeweils einer Stunde - also gerade ausreichend für einen Kurztest. Ob zum Beispiel bei anhaltender Arbeitslosigkeit "Occupy"-Demonstranten das Rathaus besetzen oder Nachbarschaften gegen neue Shopping-Meilen protestieren, konnte nicht festgestellt werden. Was auffällt:

1. Es sieht wunderschön aus

"SimCity 2013" verlangt nach vier Gigabyte Arbeitsspeicher und schneller Grafikkarte, zeigt dafür aber Städte endlich in 3D an. Mit der linken und rechten Maustaste steuert man sich wie in Google Earth durch die Gegend, mit dem Mausrad wird gezoomt. Blickt man nicht von oben auf die Szenerie, sondern begibt sich mit den Sims auf Augenhöhe, gibt es einen sogenannten Tilt-Shift-Effekt zu sehen. Dabei sind Dinge in einer bestimmten Entfernung scharf gestellt, alles davor oder dahinter verschwimmt leicht. "SimCity" sieht damit aus wie ein Miniaturwunderland. Wie schon bei "SimCity 4" gibt es Tages- und Nachtzeiten, was den Wow-Effekt nochmal verstärkt. Das Herumfliegen in der 3-D-Welt läuft flüssig ab - und ermöglicht einen Blick auf Details.

2. Jeder Sim ist ein Zahnrädchen

Das neue "SimCity" ist weitaus detaillierter als die Vorgänger. Ein Beispiel: Man kann zusehen, wie ein Arbeiter zu Hause aufbricht, zur Fabrik fährt, sein Auto parkt und in der Fabrikhalle verschwindet. Bald darauf kommen Laster, um die produzierte Ware abzuholen. Die Animationen zeigen dabei offenbar recht genau, was im Hintergrund berechnet wird. Stecken die Arbeiter zum Beispiel morgens im Stau, kann die Fabrik nicht mit der Produktion anfangen.

Das "SimCity"-Studio Maxis ist zu Recht stolz auf GlassBox, die neue Simulationssoftware. Im Gegensatz zu bisherigen Versionen, bei denen im Hintergrund Statistiken ausgerechnet und dazu mehr oder weniger passende Animationen angezeigt wurden, besteht die Sim-Welt nun aus einzelnen Objekten, die nach bestimmten Regeln miteinander agieren.

3. Es gibt krumme Straßen

Die Straßen müssen keinem vorgegebenen Raster mehr folgen, sondern lassen sich frei Hand in die Landschaft setzen. Mehrere Werkzeuge stehen zum Straßenbau zur Verfügung, so dass sich Kreisel, Kurven und Blöcke einfach errichten lassen. Ohne Straßen geht nichts: Musste man sich bei früheren Versionen noch extra um Strom- und Wasserleitungen kümmern, sind diese nun fest in das Straßennetz integriert. Die schiefen Straßen sorgen jedenfalls dafür, dass die Städte individueller aussehen.

4. Städte sind kleiner, dafür gibt es Regionen

Die Fläche, die man bebauen kann, ist nach einer Stunde Spielzeit schon recht gut gefüllt. Überall sind Straßen, rund 18.000 Sims sind eingezogen. Im Verlauf des Spiels werden dann aus kleinen Häusern große Wohnblöcke, jedenfalls wenn die anliegenden Straßen ausreichend dimensioniert sind. Letztlich sollen in einer Stadt mehr als 100.000 Sims leben können.

Wie schon in "SimCity 4" liegen Städte in einer Region. Die insgesamt 16 Flächen kann man alleine bebauen oder sich über das Origin-Netzwerk Mitspieler einladen. Dazu wählt man Flächen aus und gibt diese entweder für bestimmte Freunde oder für beliebige Mitspieler frei. Damit Spieler nicht nur an ihrer eigenen Stadt herumwerkeln, soll es nun mehr Anreize zur Kooperation geben. Man spezialisiert sich mit seiner Stadt etwa auf Bergbau, Bildung oder Handel und geht dafür Deals mit umliegenden Städten ein.

5. Es ist immer noch "SimCity"

Trotz der Neuerungen: So völlig anders als die vorherigen Titel der Reihe spielt sich "SimCity 2013" nicht - zumindest nicht in der ersten Stunde. Dafür sieht es endlich so gut aus, wie man es sich von einem aktuellen Computerspiel wünscht. Von seiner Faszination hat es auch nichts eingebüßt: Nach einer Stunde möchte man unbedingt weiterspielen, als mächtiger Bürgermeister die Stadt formen, ihr beim Wachsen zusehen und ausprobieren, was es an neuen Gebäuden gibt und wie das mit den Spezialisierungen funktioniert. Wenn es jetzt nur noch ein Datum für die versprochene Mac-Version gäbe!

"SimCity" von Maxis, für PC, ca. 60 Euro; Download über Origin

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH