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"Fantasia: Music Evolved" angespielt: Musikalische Langeweile

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Angespielt: Fantasia: Music Evolved Fotos
Disney Interactive

Es klingt vielversprechend: Die Spieler sollen Musik per Geste manipulieren und mit ihren Händen eine Melodie zeichnen können. Doch eine Stunde mit "Fantasia: Music Evolved" ernüchtert. Die Aufgaben bleiben stumpf.

Ich soll 25-mal Pfeile treffen und mit einer Wischbewegung vom Bildschirm fegen. Eine leichte Aufgabe. Wirklich. Ich habe sie bereits nach einer halben Minute erledigt. Doch das Level ist damit nicht vorbei, nur die Spannung raus. Jetzt warte ich darauf, dass "Message in a Bottle" von The Police endlich vorbei ist. Ich wische weiter Pfeile weg, erreiche lustlos 65 und versuche dann, das Lied alleine bis zum Ende laufen zu lassen. Die Gitarre ist jetzt leise. Ich versuche, kurz in die Küche zu gehen und einen Kaffee zu holen, bis der Song endet. Leider entdeckt die Kinect-Kamera der Xbox One mein Vorhaben und unterbricht das Spiel.

"Fantasia: Music Evolved" startete mit großen Ambitionen. Mit Gesten soll Musik nicht nur unterstrichen, sondern auch manipuliert werden können. Ein Remix per Handbewegung, in den eigene Melodien einfließen sollen, die Spieler mit einer Handbewegung zeichnen.

Harmonix hat das Spiel entwickelt, ein amerikanisches Studio, das mit den Musikspielen "Guitar Hero", "Rock Band" und "Dance Central" bekannt geworden ist. Auftraggeber ist Disney, die sich eine Fortsetzung des von Walt Disney produzierten Klassikers "Fantasia" von 1940 mit anderen Mitteln erhofft haben. Irgendwas muss auf dem Weg dahin passiert sein. "Fantasia: Music Evolved" wirkt wie ein Spiel, das große Ideen hatte, sie aber unterwegs verloren hat. Es wirkt halbherzig, nicht zu Ende gedacht.

Mit dem Spiel kann man vielleicht Kinder kurz begeistern

Ich stelle mich wieder vor den Fernseher, lasse mich von der Kinect-Kamera entdecken und halte die Hand hoch. Will "Fortsetzen" treffen, schaffe es aber nicht ganz und lasse aus Versehen das ganze Lied von vorn starten. Noch einmal "Message in a Bottle", noch einmal den öden Vorspann. In Kombination mit langen Ladezeiten macht mich das ungeduldig. Ein Gefühl, das sich im Laufe der Zeit ständig steigert.

"Fantasia: Music Evolved" hat den richtigen Zeitpunkt zur Veröffentlichung verpasst. Wäre es letztes Jahr erschienen, als Microsoft noch jedem Spieler die Kinect-Kamera aufgezwungen hat, wäre es ein schönes Beispiel dafür geworden, was man mit ihr anstellen kann. Inzwischen sind die meisten Spieler froh, dass die Kamera nicht mehr zwingend zur Konsole gehört. Und die Aufmerksamkeit für Kinect-Spiele geht gegen Null. Jetzt ist "Fantasia: Music Evolved" ein Spiel, mit dem man vielleicht Kinder für kurze Zeit begeistern kann.

Am ausgestreckten Arm verhungert

Endlich habe ich "Message in a Bottle" geschafft. Jetzt kommt ein klassisches Stück. Ich soll nicht nur wischen, sondern ab und an auf Punkte hauen, um in der Musik Akzente zu setzen. Wieder ist die Aufgabe innerhalb der ersten Minute geschafft, den Rest der Zeit bringe ich irgendwie herum. Ich würde gerne endlich das machen, was mir in der Einleitung versprochen wurde.

Dort hat mich "Fantasia: Music Evolved" mit dem Versprechen gelockt, mit der Hand Melodien in die Luft malen zu können, per Armbewegung die Instrumentierung eines Stückes zu wechseln. Dort wurde mir sogar schon erklärt, wie das funktionieren soll. Man hat es mich testen lassen. Ich war begeistert. Und dann hat das Spiel mich am ausgestreckten Arm verhungern lassen, mich mit mittelmäßigen Zwischensequenzen gelangweilt und zu lange warten lassen.

Die Kritiker sind sich uneinig

Irgendwann entdecke ich den Menüpunkt "Songliste". Vielleicht komme ich ja hier weiter. Ich wähle ihn aus, bekomme die Mitteilung, dass diese gesperrt ist, solange ich nicht in einem anderen Menü etwas einstelle. Ich tue das, kehre zurück zur Songliste. Und kann sie sehen. Aber nichts auswählen. Das geht nur, wenn ich im normalen Spielemodus die Songs freigeschaltet habe. Meine leichte Genervtheit wandelt sich in stärkere Gereiztheit.

Es geht weiter. Wieder eine umständliche Erklärung. Wieder eine Aufgabe, die keine ist. Wieder keine Spur davon, irgendetwas selbst zu machen, anstatt stumpfen Aufgaben zu folgen. Ich habe keine Lust mehr und frage mich, wie man es schaffen konnte, so viele gute Ansätze unter einem Haufen Umständlichkeit zu begraben. Und ich werde "Fantasia: Music Evolved" erst dann wieder anfassen, wenn ich mich nicht durch einen Berg belangloser Aufgaben kämpfen muss, um das zu entdecken, was ein "Fantasia"-Spiel eigentlich ausmachen sollte: den Zauber der Musik zu entdecken.

Das sagen die anderen: Uneinigkeit bei den Kritikern. Während einige "Fantasia: Music Evolved" für das beste Rhythmusspiel halten, das es gibt, und es für seine Ideen und Umsetzung preisen, bemängeln viele, dass es viel zu lang dauert, bis man zum eigentlichen Kern des Spiels kommt. Einige Stimmen merken auch an, dass die technische Umsetzung, gerade die der Bewegungserkennung, nicht gut gemacht ist.

"Fantasia: Music Evolved" von Disney Interactive, für Xbox One und 360 (Kinect-Kamera benötigt), ab 45 Euro; USK: Ohne Altersbeschränkung

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insgesamt 4 Beiträge
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1. hater go home
Mr Bounz 07.11.2014
Menschen die kinect hassen sollten keine Spiele dafür testen!
2. Musik us Bewegung
bomboberlin 07.11.2014
Schaut euch mal Nagual Dance von Nagual Sounds an. Da kann man wirklich Musik durch die Bewegung erzeugen. Die Software wandelt Daten in Musik um und hat Notenerzeugung und Klangerzeugung integriert.
3.
angst+money 07.11.2014
wie schon das dümmliche Guitar Hero richtet sich das Spiel anscheinend nicht an Menschen, die mit Musik mehr am Hut haben als das Bedienen der Play-Taste. Insofern ist die Kritik verständlich, geht aber wohl von überhöhten Erwartungen aus. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Werbung gelegentlich leicht übertreibt ;-)
4. Musikspiel Dilettant?
karaokefreak01 21.11.2014
Komisch, dass dieses Spiel von 90% der Tester der USA und von ebenso vielen in Europa als musikalisch immersives Erlebnis und tolles Spiel bewertet wird (Wertungsschnitt etwa 83% ), der Autor hier aber or allem die kleine Handvoll Rezensenten hervorhebt, die es nicht mochten. Ich bin selbst Musiker, kenne mich super in Musiktheorie aus und in musikalischen Einsatzgebieten aseits der puren Unterhaltung, Was Harmonix hier vollbringt ist absolut vorbildlich. Das SPiel macht nicht nur spaß, es hat auch etwas von Musiktherapie. Wer das für langweilig hält, hat offensichltich nie den Stock aus dem Hintern bekommen. Sorry, aber wer ist dieser Autor eigentlich. Gute schreibe, sicherlich, aber das sit bei weitem nicht der erste Artikel, in dem die persönliche Meinung des Testers seine mangelnde Kernkompetenz offenbart. Meinung ist Meinung, damit habe ich kein Problem, aber man sollte vielleicht nicht die Klappe so weit aufreißen (oder gar Geld mit Rezensionen verdienen) wenn man sich gar nicht mit den Themen beschäftigen möchte.
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.

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