Angespielt: Homefront

Angespielt: Homefront Fotos

Zurück zur Übersicht

2027: Die weltweite Energiekrise zeigt ihre Auswirkungen: Die USA sind am Ende, Nordkorea hat sich Ostasien unterworfen und marschiert in den USA ein. Weite Teile des Westens sind bereits überrannt, aber die Invasion geht weiter. Sie richten Massaker unter der Bevölkerung an, sperren Tausende in Todeslager. Das ist das Ausgangsszenario von "Homefront", treffend so genannt, weil sich die Protagonisten des Spiels an der amerikanischen Heimatfront bewegen, den Widerstand gegen die Invasion aus Fernost zurückschlagen wollen.

Dabei gelingt den Entwicklern des New Yorker Kaos-Studio am Anfang etwas Beeindruckendes: Sie versetzen den Spieler ein Land, dessen Bevölkerung unterdrückt wird, eine Diktatur, in der Menschen reihenweise hingerichtet, viele in Lager gesteckt werden. In knapp fünf Minuten schaffen sie ein Bild, das bedrückt, das einen mitnimmt. Etwas, was zuvor eigentlich nur der ewige Klassiker "Half Life 2" geschafft hat. Es sind Bilder der Unterdrückung, aber auch Bilder der Hoffnung, wenn das Spiel einen in ein Rebellenlager transportiert, ein erster Angriff auf den Feind hoffnungsvoll beginnt.

Das Problem von "Homefront" ist, dass die Entwickler anscheinend kein Vertrauen in ihre eigene Geschichte hatten und sie bald von dem verzweifelten Krieg in den Vorgärten weggehen und etwas Größeres wollen. Vom Kampf der einfachen Leute ziehen sie in den großen Krieg und verlieren dabei alle Atmosphäre, die das Spiel am Anfang aufgebaut hat. Spätestens dann, wenn sich die Rebellen mit der Armee verbünden, sich die Helikopter zu Rockmusikklängen in den Himmel schrauben - eine Anspielung auf "Apocalypse Now", diesmal allerdings in einem gerechten Krieg - spätestens dann hat sich "Homefront" zu einem normalen Ego-Shooter gewandelt. Zu einem, der dazu noch recht kurz ist und ein sehr plötzliches Ende hat, das fast wirkt, als ob man den Entwicklern den Strom abgedreht hat, damit sie ein Ende finden.

"Homefront" will viel, kann aber nicht viel geben außer einem gelungenen Einstieg. Es baut zu viele Hindernisse in den Spielfluss ein, wirkt manchmal auf bittere Weise komisch, etwa, wenn es die Spieler auffordert, ein X zu drücken, um ins Massengrab zu steigen. Es nervt, wenn man immer wieder warten muss, bis die Mitstreiter eine Leiter oder eine enge Stelle passiert haben, bis man dann schließlich selbst hindurchschlüpfen darf. "Homefront" hätte eine wirkliche Überraschung werden können. So ist es ein Spiel geworden, das seine eigenen Ambitionen nicht verwirklichen kann und gerade für Spieler, die nicht online spielen wollen, viel zu kurz ist.

"Homefront" von THQ, für PC, Xbox 360 und Playstation 3, ab 40 Euro; USK: Ab 18 Jahren

Weiter zu: Bulletstorm

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. WTF is Homefront
Wolffpack 01.04.2011
Zu dem Spiel kann ich auch dieses (englischsprachige) Video empfehlen: http://www.youtube.com/watch?v=52jM6ifK5zo Zeigt sehr gut, was falsch läuft bei fast allen modernen Shootern, ein Grund wieso ich außer Bulletstorm schon lange kein "neueres" (2007) FPS mehr gespielt hab...
2. Schlechte Ballerspiele
heinzelmann200 01.04.2011
Zitat von WolffpackZu dem Spiel kann ich auch dieses (englischsprachige) Video empfehlen: http://www.youtube.com/watch?v=52jM6ifK5zo Zeigt sehr gut, was falsch läuft bei fast allen modernen Shootern, ein Grund wieso ich außer Bulletstorm schon lange kein "neueres" (2007) FPS mehr gespielt hab...
Ja von einigen Ballerspielen bin ich auch sehr enttäuscht, was ich aber noch empfehlen kann ist die komplette S.T.A.L.K.E.R Reihe. Zwar nicht ganz neu (2007-2009) und graphisch nicht die derzeitige Referenz, aber mit unglaublicher Atmosphäre und Spielspaß. Vor allem wird man nicht per Skriptfolge mit Gewalt durch eine Geschichte gezogen sondern agiert völlig frei in eine eigene spannende Geschichte. Auch die Spieldauer richtet sich nach einem selbst. Wenn man will kann man unendlich lange mit Nebenmissionen zubringen. Auch wird einem nie ein Kampf aufgezwungen, sondern man provoziert ihn nur selbst, in dem man zu laut, zu wenig getarnt oder sonstwie unvorsichtig ist, bzw. einfach einen Angriff ausführt. Eigentlich ein Ballerspiel für Erwachsene, während es mir bei vielen anderen Spielen wohl auch bei Homefront so vorkommt als sei das Zielpuplikum Jugendliche, was ja hier keinen Sinn macht, bei einem Spiel ab 18. Wenn man den Spieler von jeglicher Entscheidung befreit kann kaum Spielspaß aufkommen. Ich würde mir wünschen, daß mehr Ballerspiele ala S.T.A.L.K.E.R. entstehen. Für mich ist das schlicht die Referenz für Ballerspiele und zeigt was man aus dem Genre Ballerspiele rausholen kann.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Games
RSS
alles zum Thema Angespielt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
  • Zur Startseite


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.