Angespielt "Hotline Miami" ist grausig gut

"Hotline Miami" sieht aus wie ein Splatter-Spiel von 1989. Die Grafik ist pixelig und ziemlich blutig. Gespielt wird hektisch, hart und brutal. Dank eines treibenden Soundtracks und immens involvierendem Gameplay heimst das Spiel trotzdem Bestnoten ein - zu Recht.

Von

Dennaton Games

Meine Figur ist tot. Liegt am Boden in einer Blutlache. Mal wieder. Diesmal ist sie von einer Schrotflinte erwischt worden. Zuvor wurde sie von Kugeln niedergestreckt, mit Baseballschlägern erschlagen, mit Messern erstochen. Oft. Immer wieder. Und doch versuche ich es gleich noch mal. Es muss einen Weg geben, durch diesen Raum zu kommen. Meine Aufgabe zu erfüllen. Mordend.

"Hotline Miami" ist eines der besten Spiele dieses Jahres - auch wenn es erst einmal gar nicht danach aussieht. Die Grafik des von zwei Schweden entwickelten Spieles ist auf Commodore-64-Niveau. Das Bild wackelt und flackert. Trotzdem ist das Spiel atmosphärisch dicht, mit direktem Gameplay, das der Konkurrenz zeigt, dass Qualität nicht immer Hochglanzgrafik braucht. Sondern dass es auf die Seele ankommt.

Die ist bei "Hotline Miami" schwarz. Das Spiel kombiniert Tarantino, "Miami Vice", dreckige Elektro-Musik und Rockstar Games derbstes Spiel "Manhunt" mit der Optik eines leicht defekten Spielautomaten.

"Hotline Miami" ist ausgesprochen brutal. Zum Glück aber sieht es aus, als hätte es auch in dem Jahr erscheinen können, in dem es spielt: 1989. Da mildert die Gewalt ab. Beziehungsweise: Sie entsteht im Kopf. Trotzdem ist das Spiel für Kinder absolut ungeeignet - eine offizielle Alterseinstufung gibt es bislang nicht.

Das Spielfeld wird von oben gezeigt, ähnlich den ersten beiden Teilen der "Grand Theft Auto"-Reihe. Die Grafik ist noch deutlich gröber. Die Figuren erinnern Spieler an damals, als mehr im Kopf passierte als auf dem Bildschirm. Als Spiele noch Raum boten, sich die Figuren vorzustellen.

Neustart, Tod, Neustart, Tod

Auch "Hotline Miami" funktioniert so. Es führt zurück zu den Grundlagen des Spielens: Reaktion und Gegenreaktion. Der meistbenutzte Knopf bei "Hotline Miami" ist der, der das Level neu startet. Immer wieder übersehe ich einen Gegner, der in einer Ecke lauert, vertausche im Eifer des Gefechts die Knöpfe oder bin schlicht nicht schnell genug. Also: Neustart, Tod, Neustart, Tod. Immer wieder, bis ich die Züge perfektioniert habe, mich nicht mehr austricksen lasse. Das Gehirn muss lernen, nicht mehr nachzudenken, sondern zu handeln. Pläne, die man schmiedet, werden schneller über den Haufen geworfen, als man eine Tür eintreten kann. Umso größer die Zufriedenheit, wenn es doch einmal klappt.

Die Rolle des Spielers in "Hotline Miami": Einen Profikiller zu steuern, der seine Gegner ausschalten muss. Stockwerk für Stockwerk, um schließlich mit einem DeLorean nach Hause zu fahren und seinen Lohn zu kassieren. Dabei trägt er unterschiedliche Masken, die ihm verschiedene Boni geben. Leise Gewehre oder mehr Schnelligkeit zum Beispiel. Dazu läuft treibende elektronische Musik, die die düstere Atmosphäre noch verdichtet und aus einem dunklen Spiel einen Fiebertraum macht, in dem man sich verlieren kann. Weil das Bild irgendwann im Rhythmus zu pulsieren scheint, die in schmutzigem Lila gehaltene Umrandung wie ein Fernseher in einer dunklen Wohnung flackert, weil sogar der Neustart in den Rhythmus der Musik zu passen scheint. Und weil die Musik abbricht, wenn man den letzten Gegner erledigt hat. Dann hat man Zeit, über das nachzudenken, was gerade passiert ist. Wenn man die Stockwerke wieder heruntergeht, vorbei an den Leichen, die man hinterlassen hat, und sich fragt, warum man das eigentlich alles tut.

Die eigene Ratlosigkeit wird dadurch unterstrichen, dass sich der Protagonist erbricht, sobald er sein Geld bekommen hat. Nur um bald darauf wieder den Kreislauf von Plan, Ausführung, Scheitern und Neustart zu beginnen. Und trotzdem kann und will man nicht aufhören mit "Hotline Miami", diesem verstörenden Meisterwerk.

"Hotline Miami" von Dennaton Games, für PC, ca. 8,50 Euro; Download über Steam oder www.gog.com

Das sagen die Anderen: "Hotline Miami" bekommt Bestnoten bei vielen Kritikern. Gelobt wird die Atmosphäre und das perfekte Gameplay, das oft als rauschhafte Erfahrung beschrieben wird. Einige kritisieren den hohen Schwierigkeitsgrad und die schwierige Steuerung des Spieles.



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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
hojen 20.11.2012
1. Verbrecher
Es sind Verbrecher, die diese Spiele auf Jugendliche loslassen, Verbrecher, die Parlamente kaufen, damit ihr Tun nicht illegal wird. Die jugendlichen Opfer sind dann in meiner Klasse als Beispiele der allgemeinen Verblödung. Das ist das große Spiel.
hojen 20.11.2012
2. Verbrecher
Es sind Verbrecher, die diese Spiele auf Jugendliche loslassen, Verbrecher, die Parlamente kaufen, damit ihr Tun nicht illegal wird. Die jugendlichen Opfer sind dann in meiner Klasse als Beispiele der allgemeinen Verblödung. Das ist das große Spiel.
spon-facebook-1543980168 20.11.2012
3. ...
Zitat von hojenEs sind Verbrecher, die diese Spiele auf Jugendliche loslassen, Verbrecher, die Parlamente kaufen, damit ihr Tun nicht illegal wird. Die jugendlichen Opfer sind dann in meiner Klasse als Beispiele der allgemeinen Verblödung. Das ist das große Spiel.
Keine Ahnung von etwas gehabt, aber einfach mal gepostet? Hätten Sie sich im geringsten mit dem Spiel auseinander gesetzt, wüssten Sie, dass Ihre Behauptung jeglicher Grundlage entbehrt. Aber Hauptsache, sich geäußert, egal ob es stimmt oder nicht. Hut ab und Hochachtung!
Marco_P. 20.11.2012
4. optional
Hab' das Spiel auch grad' in 'ner kostenfreien version gefunden *hust* *hust*. (Darf man das hier sagen?) anzocken lohnt sich, imho. Aber nicht für 8,50€!
ChrisQa 20.11.2012
5. Schulprobleme
Zitat von hojenEs sind Verbrecher, die diese Spiele auf Jugendliche loslassen, Verbrecher, die Parlamente kaufen, damit ihr Tun nicht illegal wird. Die jugendlichen Opfer sind dann in meiner Klasse als Beispiele der allgemeinen Verblödung. Das ist das große Spiel.
Klingt, als wären Sie Lehrer. Ich verrate Ihnen soviel: Ich habe in meiner Jugend massenweise Ballerspiele programmiert und gespielt (ersteres musste man damals tun um zweiteres machen zu können) und spiele solche Dinger jetzt ca. 30 Jahre später immer noch ab und zu (jetzt programmiere ich anderes). Ich war mir immer bewusst, dass ich nur Bits und Bytes abknalle, verblödet bin ich dadurch nicht, ich habe nur immer noch gute Reflexe. Wer glaubt, dass Ballerspiele verblöden oder aggressiv machen, hat einfach keinen Bezug zur Realität. Dass ihre Schüler Ihnen verblödet vorkommen, liegt vielleicht eher an Ihrem schlechten Erinnerungvermögen, sonst wüssten Sie, dass Jugendliche in einem gewissen Alter schon immer sich benommen haben, als wären sie gerade von den Bäumen gestiegen. Das liegt in der Natur des Menschen. Lieber sehe ich die Kids am Rechner sitzen als dass sie sich den Schrott auf RTL & Co. anschauen.
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