Angespielt: Mit "Jet Set Radio"-Rollerblades in die Vergangenheit

Die Steuerung ist hakelig, treibt Carsten Görig manchmal in den Wahnsinn. Und doch kann die Neuauflage von "Jet Set Radio" ihn begeistern. Weil sie ganz eigen ist, ihren ganz besonderen Soundtrack mitbringt und sich einfach von der Masse der Konsolenspiele abhebt.

Angespielt: "Jet Set Radio" Fotos
Sega

Ein auf Rollerblades tanzendes Mädchen ruft mir zu: "Hey you"! Gleichzeitig beginnt ein Lied, ein Gitarrenriff, altbekannt und doch neu. "She's a magical girl", singt die Band, leicht schräg und doch direkt ins Herz gehend, euphorisch.

Bam! Perfekt! "Jet Set Radio" ist von der ersten Sekunde an cool, charmant und rebellisch. Es macht sein eigenes Ding. Auch nach zwölf Jahren, in der Neuauflage in hochauflösender Grafik.

"Jet Set Radio" wurde 2000 erstmals veröffentlicht. Damals für die Dreamcast, dem letzten - und gescheiterten - Versuch des japanischen Herstellers Sega, im Konsolengeschäft mitzumischen. Die Dreamcast versprach Spiele, die nicht nur den gemeinen Nerd ansprechen, sondern neu und anders, die Pop und nicht "Herr der Ringe" oder "Star Wars" sein sollten.

"Space Channel 5" gehörte dazu, "Rez" und eben "Jet Set Radio" mit seiner Comic-Grafik und seinem zwischen Japan-Pop und HipHop oszillierenden Soundtrack. Während der Weltraum-Bubblegum-Pop von "Space Channel 5" zumindest noch auf der Playstation 2 erschien und der Shooter "Rez" schon vor vier Jahren in einer HD-Nachbearbeitung veröffentlicht wurde, schien "Jet Set Radio" verschollen. Bis jetzt.

Durch Wände und gegen Geländer

Worum es geht: Eine Gruppe Jugendlicher, die sich "GGs" nennt und auf Rollerskates durch die Gegend flitzt, will in einem Tokio, das von Konzernen beherrscht wird, ihren Lebensstil verteidigen. Das heißt: Musik hören, durch die Stadt skaten und Graffitis sprayen. Dagegen hat nicht nur die Obrigkeit etwas, sondern auch rivalisierende Gangs, die "Noise Tanks", "Poison Jam" oder "Love Shockers" heißen. Um sich zu verteidigen, müssen die "GGs" die Schriftzüge der anderen Gangs übersprayen und der Polizei entkommen. Was nicht so einfach ist. "Jet Set Radio" ist schwer, erfordert präzise Steuerung und ist teilweise sehr hakelig. Immer wieder treibt es mich in den Wahnsinn.

Ich fahre in Wände hinein und anstatt darauf zu grinden, springe ich neben ein Geländer. Ich verpasse Graffiti-Wände, werde von der Polizei festgehalten und wünsche mir bald, "Jet Set Radio" mit der Steuerung des Nachfolgers zu spielen. "Jet Set Radio Future" heißt der und ist eines meiner ewigen Lieblingsspiele. 2002 für die Xbox erschienen und immer noch genau so toll wie damals. Weil es genauso gut aussieht wie "Jet Set Radio" und vor allem, weil es sich flüssiger spielt. Und weil der Soundtrack fast genauso großartig ist.

Was es nicht hat: Den Anfang mit Gum, so heißt das tanzende Mädchen, und dieses wunderbare Lied. "Magical Girl" heißt es und ist von der japanischen Band Guitar Vader. Und allein deshalb liebe ich auch "Jet Set Radio".

Das sagen die anderen: Viel Lob gibt es für ein Spiel, das auch heute noch überraschen kann. Grafik und Soundtrack sind immer noch weit vorne. Kritisiert werden vor allem das unübersichtliche Leveldesign und die schwierige Steuerung, die einiges vom Spaß nimmt.


"Jet Set Radio" von Sega, zum Download für Xbox 360, Playstation 3 und PC, ca. acht Euro

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Sicher nicht für jeden...
H4T4RI 26.09.2012
...aber immer noch ein Juwel für Fans. Könnte mich jetzt stundenlang darüber auslassen in wievielen Bereichen das Spiel einzigartig ist und für eine Zeit steht in der Sega uns immer wieder mit innovativen, kreativen Titeln versorgt hat. Ich möchte auch lieber nochmal den Soundtrack loben, kostet auf ebay knapp einen Fünfer und ist jeden Cent wert. Danke für den Artikel ^^
2. Andere Sichtweise
LudwigN 26.09.2012
Zitat von sysopDie Steuerung ist hakelig, treibt Carsten Görig manchmal in den Wahnsinn. Und doch kann Neuauflage von "Jet Set Radio" ihn begeistern. Weil sie ganz eigen ist, ihren ganz besonderen Soundtrack mitbringt und sich einfach von der Masse der Konsolenspiele abhebt. Angespielt: Jet Set Radio von Sega - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/angespielt-jet-set-radio-von-sega-a-857553.html)
Meiner Meinung nach gehören solche (Kurz-)Rezensionen ins Kultur-Ressort, und nicht in die Netzwelt.
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.
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