Angriff auf Playstation-Netzwerk: Sony beschuldigt Web-Guerilla Anonymous
Wer war's? Kriminelle konnten Daten von 100 Millionen Sony-Kunden kopieren, nun veröffentlicht der Konzern ein Protokoll des Abwehrkampfs. Der Konzern gibt der Web-Guerilla Anonymous Mitschuld am Datenklau. Sonys bislang einziges Indiz dafür: eine Datei namens Anonymous.
Es klingt so gut: Die lose organisierte Web-Guerilla Anonymous hat immer wieder die Websites von Film- und Musikverbänden abgeschossen. Warum sollten die Aktivisten nicht auch für den Datendiebstahl bei Sony mitverantwortlich sein?
Diesen Eindruck erweckt Sony-Manager Kazuo Hirai in einem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Brief an US-Abgeordnete. Er gibt der Web-Guerilla eine Mitschuld an dem Datenklau. Anonymous hatte dazu aufgerufen, das Playstation-Network am 16. April mit Anfragen zu überfluten und lahmzulegen. Anonymous wollte damit gegen Sonys Vorgehen gegen den Playstation-Hacker GeoHot protestieren.
Sony-Manager Hirai erklärt, während dieser Angriffe seien jene Kriminellen in die Systeme eingedrungen, die Datensätze zu mehr als 100 Millionen Kundenkonten kopierten. Hirai wirft Anonymous vor, wegen ihrer Proteste hätten Sony-Mitarbeiter die Eindringlinge nicht so schnell entdeckt: "Unsere Sicherheitsteams waren sehr damit beschäftigt, das System gegen Denial-of-Service-Angriffe zu verteidigen, das könnte es erschwert haben, die Eindringlinge schnell zu bemerken - vielleicht war das auch der Plan."
Sony beschuldigt die Web-Guerilla der Mittäterschaft
Wörtlich heißt es dazu in dem Schreiben: "Ob diejenigen, die bei den Denial-of-Service-Angriffen mitwirkten auch Täter bei dem Datendiebstahl waren oder einfach von einem sehr cleveren Dieb überlistet und als Deckung missbraucht wurden - das werden wir vielleicht nie erfahren."
Das klingt dann doch sehr vage. Das räumt Sony-Manager Hirai selbst ein - fünf Seiten weiter hinten in dem Schreiben. Da beantwortet er die Frage, ob Sony die Verantwortlichen identifiziert habe, so: "Nein."
Die Sony-Vorwürfe kommentiert ein Anonymous-Sprecher über den Twitter-Account OperationLeakS so: "Anonymous rechnet sich den PSN-Hack nicht als Verdienst an. Sony ist in Panik und nun suchen sie einen Sündenbock. So einfach ist das." Ein Anonymous-Sprecher hatte schon vor Tagen eine Beteiligung an dem Einbruch zurückgewiesen.
In der Tat würde jeder halbwegs intelligente Kriminelle auf die Idee kommen, bei einem Einbruch auf einem Server ein Dokument namens Anonymous zu hinterlassen, um etwas Verwirrung zu stiften. Sicherheitsexperten schätzen den Datendiebstahl eher als Coup profitorientierter Krimineller denn als vermeintlichen Protest von Web-Aktivisten ein. Sascha Pfeiffer, Sicherheitsberater beim Softwareanbieter Sophos, bewertete die Attacke so: "Das war ein profitorientierter Angriff. Ich glaube nicht, dass dafür eine Gruppe wie Anonymous verantwortlich ist, die arbeiten anders und sind nicht an Gewinnmaximierung interessiert."
Sony verständigte das FBI erst nach zwei Tagen
Interessant wird das Schreiben des Sony-Managers Hirai an dem Punkt, wo er detailliert auflistet, was Sony nach Entdeckung des Einbruchs getan hat. Hirai zufolge hat es ganze zwei Tage gedauert, bis Sony die US-Bundespolizei FBI verständigte und Sicherheitsexperten hinzuzog. Hier ein Auszug des Protokolls:
- 19. April, 16:15 Uhr (kalifornischer Zeit): Mitarbeiter von Sony Entertainment America bemerken ungewöhnliche Vorgänge im Sony-Netzwerk, "bestimmte Systeme starten neu, obwohl sie nicht rebooten sollten." Die Mitarbeiter untersuchen das System.
- 20. April: Sony beauftragt ein "größeres Team damit, bei der Untersuchung der vier betroffenen Server zu helfen."
- 20. April, früher Nachmittag: Die Mitarbeiter entdecken, dass Daten von den Servern des Playstation Netzwerks ohne Erlaubnis übertragen wurden, dass ein Eindringling im System war, und dass insgesamt zehn Server betroffen waren. Hirai: "Zu diesem Zeitpunkt konnte das Netzwerk-Team nicht feststellen, welche Daten übertragen worden sind, deshalb schalteten sie das Playstation-Netzwerk ab." Sony beauftragt ein "anerkanntes" Sicherheitsunternehmen" mit der Untersuchung.
- 21. April: Sony beauftragt ein zweites Sicherheitsunternehmen, bei der Untersuchung der betroffenen Server zu helfen.
- 22. April: Der Leiter der Sony-Rechtsabteilung informiert das FBI über das Eindringen. Ein erstes Treffen wurde für den 27. April vereinbart, "um den Strafverfolgungsbehörden detaillierte Informationen zu übergeben".
- 23. April: Die Computerforensiker stellen unter anderem fest, dass die Angreifer Logs gelöscht haben, um ihre Spuren zu verwischen. Sony beauftragt ein drittes externes Computerforensik-Unternehmen mit der Untersuchung, in welchem Umfang Daten gestohlen worden sind.
- 25. April: Die Computerforensiker geben eine Einschätzung ab, welche Datensätze entwendet wurden, sie können "nicht ausschließen, dass Kreditkarteninformationen betroffen sind".
- 26. April: Sony entscheidet, die Kunden über den Datendiebstahl zu informieren. Sony-Manager Hirai begründet den Zeitpunkt so: "Sony Network Entertainment America war sehr besorgt, dass eine Veröffentlichung unvollständiger und provisorischer Informationen Verwirrung unter den Kunden auslösen und sie zu unnötigen Handlungen veranlassen könnte." Sony informiert am 26. April auch Regulierungsbehörden in den US-Bundesstaaten New Jersey, Maryland und New Hampshire.
- 27. April: Sony benachrichtigt Regulierungsbehörden in zehn weiteren US-Bundesstaaten über den Datenklau.
- 2. Mai: Sony informiert Kunden, dass Unbekannte auch in das Netzwerk der Konzerntochter Sony Online Entertainment (SOE) eingedrungen sind. Dabei wurden möglicherweise persönliche Informationen von etwa 24,6 Millionen Nutzerkonten gestohlen.
Sonys Protokoll lässt sich knapp so zusammenfassen: Man hat einen Tag gebraucht, um zusätzliche Mitarbeiter für die Analyse des Sicherheitslecks abzustellen. Zwei Tage vergingen, bis die Polizei überhaupt benachrichtigt wurde, die Kunden erfuhren erst nach einer Woche von den Problemen. Sonys Begründung, man habe die Kunden nicht "verunsichern" wollen, wirkt etwas bemüht. Schließlich hat die Abschaltung des gesamten Netzwerks am 19. April wohl genügend Verwirrung gestiftet.
Sicherheitsexperten kritisierten schon damals die Informationspolitik des Konzerns. Sascha Pfeiffer, Sicherheitsberater beim Softwareanbieter Sophos, nannte Sonys Kommunikationspolitik "ein Zeichen der Hilflosigkeit"
Sony bleibt dieser Kommunikationspolitik treu. Zu Hinweisen auf Sicherheitslücken des Netzwerks befragt, die Playstation-Hacker dem Konzern schon vor Wochen übermittelt haben wollen, erklärte ein Firmensprecher: "Mir sind keine Hinweise auf Sicherheitslücken bekannt." Darüber hinaus gelte: "Zu Fragen der Systemsicherheit erteilen wir keine Auskünfte."
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Donnerstag, 05.05.2011 – 12:17 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 17 Kommentare


Im September 2010 kam in Deutschland die Erweiterung Playstation Move auf den Markt. Das Bewegungssteuerungs-System basiert auf der Konsolenkamera Playstation Eye und Controllern, die leuchtende Kugeln an der Spitze tragen. Die Kamera verfolgt die Bewegungen dieser Kugeln, gleichzeitig sorgen Lage- und Bewegungssensoren für ein noch genaueres Bewegungs-Abbild. Ein sogenanntes Starter-Pack enthält die Kamera und einen Move-Controller, es kostete im Herbst 2010 etwa 80 Euro. Weitere Controller sowie die mit einem Joystick ausgestatteten "Navigation Controller" müssen jeweils extra gekauft werden. Eine Ausrüstung für vier Spieler kann schnell so viel kosten wie eine ganze Konsole. Es sind jedoch auch im Preis reduzierte Bündel-Angebote erhältlich.
Sony hat als einziges der großen Unternehmen noch eine zweite Wohnzimmer-Konsole im Rennen: Die Playstation 2 verkauft sich noch immer, und es geht auch nach wie vor eine Menge Software für das Gerät weg, das in seiner Ur-Version im Jahr 2000 auf den Markt kam. In erster Linie verkaufen sich für das inzwischen geschrumpfte Gerät Partyspiele wie "SingStar" und das Quiz-Spiel "Buzz".

Die aktuellen Modelle geben HD-Bilder über einen HDMI-Ausgang aus. Im Juni 2010 stellte Microsoft eine neue, kleinere, nun durchgägnig schwarze Xbox 360 vor, die serienmäßig mit einem HDMI-Ausgang und einem Wifi-Modul für drahtlosen Netzzugang ausgestattet ist. Das Gerät soll zudem deutlich leiser sein als die vorangegangenen Modelle. Sie kostete in Deutschland zunächst gut 300 Euro. Eine preiswertere Version mit nur vier Gigabyte Flashspeicher, aber ohne Festplatte kostete im Herbst 2010 etwa 180 Euro. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen Xbox 360 finden Sie hier.
Im November 2010 kam Micorosofts Bewegungssteuerungs-System Kinect auf den Markt. Es funktioniert ohne physische Controller, erfasst werden die Bewegungen der Spieler von zwei Kameras. Zudem sind in die balkenförmige Kinect-Erweiterung Mikrofone eingebaut. Das System erfasst Bewegungen des ganzen Körpers und kann außerdem auf gesprochene Anweisungen reagieren. Mit Kinect lassen sich nicht nur Spiele steuern, sondern auch die Benutzeroberfläche der Konsole bedienen, Filme starten, pausieren und stoppen und Videochats führen. Kinect kostete bei der Einführung etwa 150 Euro, inklusive eines Spiels. Diverse Bündel-Angebote mit samt einer Konsole sind ebenfalls erhältlich.


- Grafiken: So kamen Hacker an die Kundendaten
- Millionen Bankdaten gestohlen: Sony meldet Hackerangriff auf weiteres Netzwerk (03.05.2011)
- Geknacktes Playstation-Netz: Sicherheitsexperten werfen Sony Schlamperei vor (27.04.2011)
- Angriff auf Playstation-Netz: Weckruf für Sonys Spielerheer (27.04.2011)
- Attacke auf Playstation-Netzwerk: Hacker stehlen Millionen Sony-Kundendaten (27.04.2011)
- Wegen PS3-Jailbreak: Sony geht gegen Playstation-Hacker vor (12.01.2011)
- Sicherheitsrisiko: Hacker konnten Daten von 100 Millionen Sony-Kunden kopieren (03.05.2011)
- Sony: Unternehmensblog zum Datenleck
- Sony suffers second data breach with theft of 25m more user details (Guardian)
- Mathieu Hervais über Sony Playstation-Netzwerk
- Mathieu Hervai über Warnungen an Sony
- Bericht über Kreditkarten-Betrug im Playstation-Netzwerk
- OperationLeakS zu Sony-Vorwürfen
- Sony-Brief an US-Abgeordnete
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
